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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • VIERTES BUCH
    • Fünftes Kapitel
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Fünftes Kapitel

Nun aber, o Herr, ist auch das vorüber, und die Zeit hat den Schmerz der Wunde gemildert. Darf ich vernehmen von dir, der du die Wahrheit bist, darf ich nähern das Ohr meines Herzens deinem Munde, auf daß du mir kündest, warum die Träne, die wir im Unglück weinen, so süß ist? Oder hast du, obwohl du allgegenwärtig bist, unser Elend weit von dir getan? Du bleibst ewig in deinem Frieden, wir aber werden umhergetrieben in mancherlei Anfechtung. Und doch wäre unser Hoffen ein Nichts, wenn wir nicht vor dich kommen dürften mit unseren Klagen. Wie wird doch das Seufzen, Weinen, Stöhnen und Klagen gepflückt als eine süße Frucht von der Bitterkeit des Lebens? Ist es unser Hoffen auf deine Erhörung, die uns erquickt? Wohl ist dies die Absicht unserer Bitte, welche die Sehnsucht nach Erfüllung in sich birgt. Aber lag denn das in dem Schmerze und der Trauer um das Verlorene, die damals auf mir lastete? Nein, denn mein Hoffen ging nicht darauf, ihn wieder lebendig zu sehen, noch wollten meine Tränen das, sondern ich grämte mich eben nur und weinte. In Trauer verloren war ich und hatte verloren meine Freude. Ist denn das Weinen an und für sich etwas Bitteres und wird es nur süß, wenn wir es mit dem Schauder vergleichen, den wir vor dem Tode dessen haben, an dem wir unsere Freude hatten und den wir nun verabscheuen?




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