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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • VIERTES BUCH
    • Zehntes Kapitel
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Zehntes Kapitel

Herr Gott Zebaoth, bekehre uns zu dir, lasse dein Angesicht leuchten, so genesen wir. Denn wohin auch die Seele des Menschen sich wenden mag, anderswo als in dir wird sie von Schmerz durchbohrt, auch wenn sie an schönen Dingen hängt, die außer dir und ganz äußerlich sind. Auch diese wären nicht, wenn sie nicht wären von dir; sie entstehen und vergehen, und im Entstehen ist ihres Daseins Beginn begriffen; sie wachsen, um der Vollendung entgegenzugehen, sie altern in ihrer Vollendung lind vergehen; nicht alles altert, aber alles vergeht. Wenn sie also entstehen und der Vollkommenheit ihres Seins entgegenstreben, so eilen sie, je schneller sie in ihrem Sein wachsen, ihrem Nichtsein entgegen; das ist ihre Bestimmung. Und das hast du ihnen gegeben, weil sie nur Teile der Dinge sind, die nicht alle zugleich sind; denn erst durch ihr Dahinschwinden und die Aufeinanderfolge ihres Seins bilden sie alle zusammen das Ganze, dessen Teile sie sind. So wird auch unsere Rede erst durch tönende, aufeinanderfolgende Laute gebildet. Denn die Rede wird zu keinem Ganzen, wenn nicht das einzelne Wort verklungen, wenn es seinen Teil hat hören lassen, damit nun ein anderes ihm folge. Auch deshalb lobe dich meine Seele, dich, den Schöpfer des Alls; nicht mehr möge sie sich hängen daran mit der Glut sündiger Liebe. Es geht fort und fort dahin, wohin es seit seinem Entstehen ging, dein Nichtsein entgegen, und sie zerfleischen die Seele mit verderblichem Begehren, weil sie in dem nur sein will und zu ruhen begehrt, was sie liebt. Aber in ihnen ist keine bleibende Stätte, weil sie keiner Bestand haben, weil sie unstet sind. Wer aber vermag ihnen zu folgen mit fleischlichem Sinn, oder wer ergreift sie Selbst, wenn sie gegenwärtig sind. Denn träge ist des Fleisches Sinn, weil es fleischlich ist; seine eigene Natur setzt ihm eine Schranke. Er genügt zu etwas anderem, wozu er geschaffen ist; nicht aber genügt er, daß er das Vorübereilende festhalte von dem verhängten Anfang bis zu dem Ende, das ihm verhängt ist. Nur in deinem Worte, das sie schuf, vernehmen sie die Stimme: Von dort bis hierhin und nicht weiter!




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