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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • VIERTES BUCH
    • Vierzehntes Kapitel
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Vierzehntes Kapitel

Was bewog mich aber, o Herr mein Gott, jene Bücher dem Hierius zu widmen, einem Redner aus Rom, den ich nicht persönlich kannte, den ich aber wegen des Ruhmes seiner Gelehrsamkeit verehrte und von dem ich einige Äußerungen gehört hatte, die mir gefallen hatten? Aber noch mehr erregte es mein Gefallen, weil er anderen gefiel und weil sie ihn lobten und staunten, daß er, von Geburt ein Syrer und früher mit der griechischen Beredsamkeit vertraut, später sich auch als ausgezeichneter lateinischer Redner erwiesen hatte und in allem, was zum Studium der Weltweisheit gehört, außerordentlich bewandert war. Er wurde gepriesen und sogar in seiner Abwesenheit verehrt. Kommt aber erst diese Liebe von dem Munde dessen, der ihn lobt, in des Hörers Herz? O nein, denn nur von der Liebe des einen entbrennt auch die des ändern. Gelobt wird der Gelobte erst, wenn die Überzeugung vorhanden ist, daß derjenige, welcher ihn preist, nicht mit einem Herzen voll Trug ihn lobt, sondern mit wahrer Liebe im Herzen.

So liebte auch ich damals die Menschen nach dem Urteil der Menschen und nicht nach dem deinigen, mein Gott, darin niemand Täuschung erfährt. Warum jedoch wurde er nicht gepriesen wie ein Wagenlenker oder ein Tierkämpfer, weit und breit im Volke bekannt, sondern ganz anders und bedeutender ward er gelobt; und so wollte auch ich gelobt werden. Nicht wie ein Schauspieler wollte ich gepriesen und geliebt werden, obgleich ich selbst diese lobte und ihnen Anerkennung zollte. Lieber wollte ich unbekannt bleiben, als so bekannt sein; lieber wollte ich gehaßt sein, als so gebebt zu werden. Woher aber stammen diese verschiedenen Maße für verschiedene Arten der Liebe in ein und derselben Seele? Wie kommt es doch, daß ich an einem andern etwas liebe, was ich, wenn ich es nicht schon haßte, an mir selbst verabscheuen und verwerfen würde, da wir doch beide Menschen sind? Wenn einer ein gutes Pferd liebt, ohne daß er selbst es sein möchte, auch wenn es wirklich möglich wäre, so läßt sich doch dasselbe nicht von dem Schauspieler sagen, da er unser Mitmensch ist. Liebe ich also an einem Menschen, was ich zu sein verabscheue, obgleich ich auch Mensch bin? Eine dunkle, rätselhafte Tiefe ist der Mensch, dessen Haare auf dem Haupt du, Herr, gezählt hast, die sich ohne deinen Willen nicht vermindern, und doch sind seine Haare leichter zu zählen als seine Leidenschaften und seines Herzens Regungen.

Dieser Redner Hierius aber war von der Art, daß ich ihm gleichen wollte, da ich ihn so verehrte; in meinem Hochmute irrte ich und ließ mich von dem Winde umhertreiben und wurde doch wunderbar von dir geleitet. Woher aber weiß ich und woher bekenne ich dir mit Gewißheit, ich jenen wegen der Liebe derer, die ihn priesen, mehr liebte als wegen der Dinge selbst, um derentwillen sie ihn priesen? Weil ich, wenn man ihn nicht gelobt, sondern getadelt und dann ganz dasselbe von ihnen, aber mit einem Anflug von Tadel und Verachtung erzählt hätte, ich mich nicht für ihn begeistert und erwärmt haben würde. Und doch wäre weder der Sachverhalt noch der Mann selbst ein anderer gewesen sondern nur die Gesinnung des Erzählers. Siehe, wie liegt doch die Seele so schwach darnieder, solange sie nicht haftet an der Säule der Wahrheit Wenn der unstete Wind die Meinungen aus der Brust derer weht, die sie ausdenken, so wird sie hier umhergetrieben im Wirbeltanz also wird ihr Licht verdunkelt und die Wahrheit nicht erkannt, und siehe, doch ist sie vor uns. Ein Großes dünkte es mir zu sein, wenn meine Schrift und mein Studium jenem Manne bekannt würden. Hätte er es gebilligt, so hätte mich um so mehr Begeisterung für ihn ergriffen, wenn er sie gemißbilligt hätte, so wäre mein eitles Herz, das noch keinen Halt an dir hatte, verwundet worden. Und doch habe ich meine Abhandlung "Über das Schöne und Schickliche", die ich dein Hierius widmete, gern im Geiste durchdacht und durchsonnen und habe Sie bewundert, obwohl niemand da war, der sie mit mir gepriesen hätte




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