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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • SECHSTES BUCH
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SECHSTES BUCH

Erstes Kapitel

Du meine Hoffnung von Jugend auf, wohin watest du mir und wohin hattest du dich zurückgezogene Hattest du mich denn nicht geschaffen und mich unterschieden von den Tieren des Feldes und den Vögeln des Himmels? Du hattest mich weiser gemacht, aber ich wanderte in Finsternis und auf schlüpfrigem Pfade, ich suchte dich außer mir und fand nicht den Gott meines Herzens, ich versank in der Tiefe des Meeres und zweifelte und verzweifelte, die Wahrheit zu finden. Schon war meine Mutter, eine Heldin im Glauben, zu mir gekommen, über Land und Meer mir folgend, in allen Gefahren furchtlos im Vertrauen auf dich. Denn auch in den Fährlichkeiten der See tröstete sie der Schiffer, von welchem sonst die Neulinge in Seereisen in ihrer Angst pflegen getröstet zu werden, und verhieß ihnen glückliche Ankunft, die du ihr in meinem Gesichte verheißen. Sie fand mich in tiefer Bedrängnis und schwerer Verzweiflung, daß ich die Wahrheit nicht erlangen konnte. Als ich ihr gesagt, daß ich zwar kein Manichäer mehr sei, doch auch kein rechtgläubiger Christ, da frohlockte sie nicht, als ob sie etwas Unerwartetes vernommen hätte. Aber Frieden gewann sie und Beruhigung durch diese Veränderung in meinem Elend, in welchem sie mich wie einen von dir zu erweckenden Toten beweint hatte und mich hinausgetragen hatte auf der Bahre ihrer Gedanken, daß du sprechest zu der Witwe Sohne: Jüngling, ich sage dir, stehe auf, und daß er wieder lebendig würde und zu reden anfinge Lind du ihn seiner Mutter wiedergäbest. Von keiner ungestümen Freude ward dir Herz also erschüttert, als sie hörte, daß von so vielem, um das sie tagtäglich zu dir seufzte, wenigstens so viel geschehen sei, daß ich die Wahrheit zwar noch nicht gewonnen, jedoch der Falschheit entronnen sei. Weil sie aber des festen Glaubens lebte, daß du auch das noch Erübrigende geben würdest, der du ihr das Ganze verheißen, antwortete sie mir mit Sanftmut und vertrauendem Herzen, sie glaube in Christo, ehe sie aus diesem Leben scheide, mich noch als rechtgläubigen Christen zu sehen. So sprach sie zu mir; dich aber, du Quell der Erbarmung, ging sie fort und fort an mit Bitten und Tränen, auf daß du beschleunigen mögest das Werk deiner Hilfe und erleuchten meine Finsternis.

nis. Um so eifriger ging sie zur Kirche und hing an des Ambrosius Munde wie am Quell des Wassers, das in das ewige Leben quillt. Sie liebte jenen Mann wie einen Engel Gottes, weil sie wußte, daß durch ihn jenes innere Schwanken herbeigeführt sei, aus welchem sie den Übergang von Krankheit zur Genesung bei herzutretender dringlicherer Gefahr, wie bei jenem Zustande, den die Ärzte Krisis nennen, erwartete.




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