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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • SECHSTES BUCH
    • Zweites Kapitel
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Zweites Kapitel

Als sie, wie es in Afrika üblich war, zu den Begräbniskapellen der Heiligen Brot und Wein brachte und vom Türhüter abgewiesen wurde, so fügte sie sich, sobald sie erfuhr, daß der Bischof solches verboten hätte, mit solch demütig frommem Gehorsam, daß ich selbst mich verwunderte, wie leicht sie eher eine Anklägerin ihrer Gewohnheit als eine Richterin jenes Verbots ward; denn nicht Trunkliebe beherrschte ihren Geist und die Liebe zum Weine reizte sie nicht zum Haß gegen die Wahrheit wie so viele Männer und Frauen, welche zu der Predigt, die sie zur Nüchternheit ermahnt und zu dem gewässerten Tranke mit Ekel kommen. Wenn meine Mutter dagegen einen Korb mit den Weihegaben zum Vorkosten und zum Verteilen herbeibrachte, dann nahm sie nie mehr als ein einziges Becherchen, für ihren nüchternen Gaumen gemischt, den sie mit den Ihrigen als Zeichen der Gemeinschaft genoß. Und wenn es auch viele solche Begräbniskapellen gibt, deren Heilige man auf solche Weise ehren wollte, so trug sie doch in allen nur jenen kleinen Becher mit sich umher, dessen Inhalt nicht nur stark gewässertes, sondern auch ganz laues Getränk war, das sie mit den Anwesenden in ganz kleinen Teilen genoß, weil sie Frömmigkeit, nicht Vergnügen daselbst suchte. Als sie nun erfuhr, daß dies von dem vortrefflichen Prediger und Bischof selbst denen verboten sei, die es nüchtern vollzögen, damit den Trunksüchtigen keine Gelegenheit zur Ausschweifung geboten würde und weil ohnehin dies, wie die Totenopfer, dem heidnischen Aberglauben sehr nahe käme, enthielt sie sich ihrer bereitwilligst und lernte für den mit irdischen Früchten angefüllten Korb ein von reinen Gelübden volles Herz dem Gedächtnis der Märtyrer darbringen, damit sie, soviel sie vermöchte, den Armen gäbe. So ward von ihr die Gemeinschaft des Leibes Christi gefeiert, durch dessen Leidensnachfolge die Märtyrer den Tod erduldet und die Krone empfangen haben. Doch scheint es mir, mein Herr und mein Gott, nur dies ist vor deinem Angesichte meines Herzens Meinung daß meine Mutter nicht so leicht von dieser Gewohnheit abgelassen haben würde, wenn ihr ein anderer als Ambrosius es untersagt hätte, den sie nicht wie den Ambrosius liebte, zu welchem sie um meines Seelenheiles willen eine große Zuneigung hegte. Aber auch er liebte sie wegen ihres gottseligen Wandels, in welchem sie in guten Werken, voll Inbrunst des Geistes, unablässig die Kirche besuchte, so daß er, wenn er meiner ansichtig wurde, oft in ihr Lob ausbrach und mir Glück zu einer solchen Mutter wünschte, ohne daß er wußte, was für einen Sohn sie habe, der ich an allem zweifelte und nimmermehr glaubte, daß ich den Weg zum Leben zu finden vermöchte.




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