Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

IntraText CT - Text

  • SECHSTES BUCH
    • Fünftes Kapitel
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden

Fünftes Kapitel

Seitdem ich die Lehre der Kirche der manichäischen vorzog, sah ich, daß in der Kirche sehr bescheiden und ohne allen Hinterhalt befohlen werde zu glauben, was nicht bewiesen wurde, entweder in dem Falle, daß es wirklich wäre, aber für jemand keine Wirklichkeit hätte, oder in dem Falle, daß etwas nicht als wirklich und wahr gelten solle, während dort (bei den Manichäern) solch ein Glaube in den vermessenen Verheißungen des Wissens verlacht ward und danach doch der blinde Glaube an so viel Fabelhaftes und Abgeschmacktes, was sich nicht beweisen ließ, befohlen wurde. Dennoch aber hast du, o Herr, mit der erbarmenden Milde deiner Hand mein Herz berührt und geheilt und hast mich erwägen lassen, wie unzählig vieles ich glaubte, ohne daß ich es sah, ohne daß ich bei seinem Verlaufe gegenwärtig war, wie so vieles in der Geschichte der Völker, so vieles von Orten und Städten, die ich nicht sah, so vieles von Freunden, von Ärzten, von diesen und jenen Menschen, ohne dessen glaubhafte Annahme wir in diesem Leben nichts ausrichteten, endlich wie unerschütterlich fest der Glaube in mir wurzele, von welchen Eltern ich geboren sei, was ich nicht wissen könnte, wenn ich es nicht von anderen gehört hätte. Du überzeugtest mich, daß nicht die anzuklagen seien, welche deiner Schrift Glauben schenkten, deren Ansehen du so mächtig unter fast allen Völkern begründetest, sondern diejenigen, die nicht glaubten, und daß ich denen kein Gehör leihen dürfe, die zu mir sagten: "Woher weißt du denn, daß diese Bücher durch den Geist des einen, wahrhaftigen Gottes dem Menschengeschlecht mitgeteilt wurden?" Und das mußte ich gerade deshalb glauben, weil keine Angriffe durch böswillige Zweifel, die ich in so vielen Büchern sich untereinander bekämpfender Philosophen gelesen hatte, mir das Geständnis abnötigen konnten, daß ich auch nur einmal nicht geglaubt hätte, daß du seiest, welcher Art auch dein Wesen sein mochte, das mir immerhin unbekannt sein konnte, oder daß ich daran gezweifelt hatte, daß die Lenkung der menschlichen Dinge dir zugehöre. Wohl war dieser mein Glaube bald mächtiger, bald schwächer; stets jedoch glaubte ich, daß du seiest und uns leitetest, wenn ich auch nicht wußte, wie ich mir dein Wesen zu denken habe oder welcher Weg zu dir führte oder den, der sich von dir verirrt hat, zurückführte zu dir. Weil wir nun deshalb zu schwach waren, um die Wahrheit mit voller Gewißheit zu finden, und deshalb das Ansehen der heiligen Schrift bedurften, so hättest du, das war meine Ansicht, dies hohe Ansehen der heiligen Schrift nicht über alle Länder der Erde verbreitet, wenn du nicht gewollt hättest, man solle durch sie an dich glauben und solle dich suchen durch sie. Was mir früher als abgeschmackt erschienen war, bezog ich nun, nachdem ich vieles von ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit hatte erklären hören, auf die Tiefe der heiligen Geheimnisse, und um so ehrwürdiger und des heiligen Glaubens werter schien mir dieses Ansehen, je zugänglicher sie, allen zum Lesen war, und wenn sie auch der Würde ihrer Geheimnisse tieferes Verständnis bewahrte, doch in allen verständlicher Sprache und den schlichtesten Worten allen sich darbot und das angestrengte Forschen ernster Männer in Anspruch nahm, auf daß sie alle aufnähme in ihren leutseligen Schoß und durch die enge Pforte nur wenige zu dir hinüberführte und doch weit mehrere, als wenn sie nicht mit solch erhabenem Ansehen hervorleuchtete und die Scharen nicht an sich zöge in den Schoß ihrer heiligen Niedrigkeit. Das bedachte ich und du standest mir bei, ich seufzte und du vernahmst mich, ich stürmte umher und du lenktest mich, ich ging die breiten Pfade dieser Welt und du verließest mich nicht.




zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by Èulogos SpA - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License