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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • SECHSTES BUCH
    • Zehntes Kapitel
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Zehntes Kapitel

Ihn also traf ich in Rom, und Bande inniger Freundschaft verknüpften uns; er reiste mit mir nach Mailand, damit er mich nicht zu verlassen brauchte und um die Rechtswissenschaft, die er mehr nach dem Willen seiner Eltern als nach seinem eigenen erlernt hatte, auszuüben. Dreimal hatte er vorher schon das Amt eines Beisitzers mit der edelsten Uneigennützigkeit bekleidet, über die sich die übrigen wunderten, während er sich mehr über sie wunderte, die das Gold der Rechtschaffenheit vorzogen. Dort ward auch seine Tugend nicht nur durch lockenden Gewinn, sondern auch durch die Anfechtung der Furcht versucht. In Rom bekleidete er einst die Stelle eines Beisitzers im Schatzmeisteramte für Italien. Damals war dort ein sehr mächtiger Senator, dem viele durch ihnen geleistete Dienste verbunden oder aus Furcht dienstbar waren. Der stellte einst nach der Art, wie eine Amtsgewalt wie die seine gemißbraucht zu werden pflegt, ein gesetzwidriges Ansinnen, dem Alypius entgegentrat, der jegliches Versprechen und jede Belohnung verachtete; man suchte ihn durch Drohungen einzuschüchtern, er verachtete sie, so daß jeder seinen ungewöhnlichen Mut bewunderte, der solch einen Mann weder zum Freunde wollte noch ihn als Feind fürchtete. Der Richter selbst, dessen Rat Alypius war und der selbst gegen das Ansinnen war, verweigerte es doch nicht offen, sondern schob die Schuld auf Alypius, dessen Einwilligung nicht zu erhalten sei und der, würde er, der Richter, es selbst tun, gegen ihn gestimmt haben würde. Nur das eine hätte ihn in seinem Eifer für die Wissenschaften fast verleitet, daß er sich nämlich aus den Gerichtssporteln Bücher zu verschaffen besorgt war; sein Rechtssinn indes brachte ihn zu besserem Entschluß; es erschien ihm die Billigkeit, die es verbot, nützlicher als die Gewalt, die es ihm erlaubte. Das ist ein kleines. Aber wer im geringsten treu ist, der ist auch im großen getreu, und kein leeres Wort sprach der Mund deiner Wahrheit: So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr nun in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist? Solche Gesinnungen besserten damals ihn, der mir anhing und sich mit mir über die Wahl unserer Lebensweise beriet.

Auch Nebridius hatte seine Heimat, nahe bei Karthago gelegen, verlassen und Karthago Selbst, wo er so oft war, und seinen schönen väterlichen Landsitz, sein Haus und seine Mutter, wiewohl nicht zu erwarten war, daß ihm seine Mutter folgen würde, und war einzig und allein nach Mailand gekommen, mit mir im Feuereifer nach Wahrheit und Weisheit zu streben; er litt gleiche Qualen, er schwankte gleicherweise wie ich, suchte in glühender Sehnsucht ein glückliches Leben, er, der am scharfsinnigsten die schwierigsten Fragen erforschte. Wir waren drei Hungernde, die sich mit lechzendem Munde ihre Not klagten und auf dich harrend, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Und bei aller Bitterkeit, die unserem weltlichen Treiben durch deine Barmherzigkeit folgte, legte sich Finsternis über uns, wenn wir nach dem Zweck dieser Leiden fragten; seufzend widerstrebten wir und sprachen: Wie lange noch soll dies währen? Und oft sprachen wir also, und doch ließen wir nicht ab von unserem Treiben, weil wir nichts Zuverlässiges hatten, das wir zu erfassen vermocht hätten, wenn wir jenes verließen.




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