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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • SECHSTES BUCH
    • Sechzehntes Kapitel
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Sechzehntes Kapitel

Dir sei Preis, dir sei Ehre, du Quell des Erbarmens! Elender ward ich und du kamst mir näher. Schon nahete sich mehr und mehr deine Rechte, mich aus dem Pfuhle zu reißen und mich zu reinigen, und ich wußte nichts davon. Nichts rief mich zurück von dem tieferen Schlunde fleischlicher Lust als Furcht vor dem Tode und dem kommenden Gerichte, die, auch wenn meine Ansichten darüber wechselten, doch nie ganz aus meinem Herzen wich. Ich sprach mit meinen Freunden Alypius und Nebridius über das höchste Gut und höchste Übel; ich sagte ihnen, daß ich dem Epikur den Siegespreis zuerkennen würde, wenn ich nicht der festen Ansicht wäre, daß es nach dem Tode noch ein Leben der Seele und eine Vergeltung gäbe, eine Ansicht, die Epikurus verneinte. Ich stellte die Frage auf, warum wir, angenommen, wir könnten unsterblich und im beständigen Genusse des Körpers ohne die Furcht, ihn jemals zu verlieren, weiterleben, doch nicht glückselig seien oder was wir noch weiter suchten? Ich wußte nicht, daß darin eben die Größe meines Elends bestand, daß ich, zu versunken und zu verblendet, nicht imstande war, das Licht der Tugend und der ohne fleischlichen Genuß zu hebenden Schönheit zu denken, die das Auge des Fleisches nicht sieht, sondern die nur von den Tiefen der Seele aus geschaut wird. Ich Elender bedachte nicht, aus welcher Quelle mir flösse, was ich über dieses doch so Schändliche ruhig mit den Freunden besprach, und ohne diese Freunde konnte ich nicht glücklich sein, selbst nach der Gesinnung, die ich damals bei jedem Strome sinnlicher Lust bewies. Diese Freunde liebte ich wirklich ohne Eigennutz und wußte, daß auch sie mich ohne Eigennutz liebten. O wundersam gewundene Pfade!

Wehe dem verwegenen Geiste, der da gehofft hat, wenn er von dir gewichen, Besseres zu besitzen! Mag er sich vorwärts, rückwärts, auf den Rücken oder auf die Seite legen, überall findet er nur harte Beschwerden; du allein bist die Ruhe. Siehe, du bist da und befreist uns von unserem elenden Irrtum, führest uns auf deinen Weg, tröstest uns und sprichst: Wohlan! Ich will euch tragen, ich will euch fuhren, ich will euch geleiten zur Heimat göttlicher Ruhe.




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