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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • SIEBENTES BUCH
    • Einundzwanzigstes Kapitel
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Einundzwanzigstes Kapitel

Mit höchster Begierde griff ich zu der ehrwürdigen Schrift deines Geistes und besonders dem Apostel Paulus. Und es schwanden alle jene Fragen, in denen er nur sich selbst zu widersprechen und wo der Inhalt jener Rede mir nicht ganz mit dem Gesetz und den Propheten übereinzustimmen schien. Ein einziger Charakter nur tat sich kund in den Reden, da lernte ich mich freuen mit Zittern. Ich fand, daß das, was in den Schriften der Platoniker Wahres gesagt wurde, auch hier, doch als Gnadengabe von dir gesagt werde, damit der, welcher sieht, sich nicht rühme, als hätte er es nicht empfangen, nicht nur das, was er sieht, sondern auch, daß er sieht, denn was hat er, was er nicht empfangen hätte? Und damit er nicht allein ermahnt wird, dich, der du immer derselbe bist, zu sehen, sondern auch gesundet, um dich festzuhalten, und daß der, welcher dich nicht von fern zu erschauen vermag, doch den Weg gehe, auf welchem er dahinkommen, dich schauen und festhalten kann.

Denn hat der Mensch auch Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen, was wird er tun nach dem andern Gesetze in seinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetze in seinem Gemüt und nimmt ihn gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in seinen Gliedern? Nur du bist gerecht, o Herr, wir aber haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen, und deine Hand liegt schwer auf uns, und mit Recht sind wir dem alten Sünder, dem Fürsten des Todes hingegeben, denn er hat unsern Willen gebracht zu einem Ebenbild seines Wollens, mit dem er nicht bestanden ist in deiner Wahrheit. Was soll der Mensch des Elendes tun? wer wird ihn erlösen von dem Leibe dieses Todes, wenn nicht deine Gnade durch Jesum Christum unseren Herrn, den du dir ewig gleich zeugtest und schufest im Anfang deiner Wege, an dem der Fürst dieser Welt nichts des Todes Würdiges fand und ihn tötete, wodurch vertilgt ward die Handschrift, die wider uns zeugte. Das enthalten jene Bücher nicht. Auf ihrer Seite stehen nicht die Züge der Frömmigkeit, nicht die Tränen dieses Bekenntnisses, nichts vom Opfer eines reuigen Geistes, eines demütigen, zerknirschten Herzens, nichts von des Volkes Heil, von der Braut, der Stadt Gottes, nichts von des heiligen Geistes Unterpfand, nichts von dem Kelche unserer Erlösung. Dort singt keiner: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft; denn er ist mein Hort. meine Hilfe, mein Schutz, und ich werde nicht mehr wanken. Dort hört niemand die Stimme: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; sie verschmähen es, von ihm zu lernen, daß er sanftmütig ist und von Herzen demütig. Das hast du den Klugen und Weisen verborgen, aber geoffenbart den Unmündigen. Etwas anderes ist es, von waldigem Bergesgipfel das Land des Friedens zu sehen, doch den Weg zu ihm nicht finden zu können und umsonst auf Umwegen sich abzumühen, wo ringsum die Flüchtlinge und Überläufer mit ihrem Führer dem Löwen und Drachen lauern und nachstellen, und ein anderes, auf dem rechten Wege sicher dahinzuwandeln, der da geschirmt ist durch die Fürsorge des himmlischen Königs und wo die nicht rauben, welche verlassen haben die himmlische Kämpferschar, denn sie meiden ihn wie eine Qual. Dies drang mir wunderbar tief ins Herz, da ich den geringsten deiner Apostel las; ich betrachtete dein Wirken, und ein Schauer ergriff mich.




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