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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ACHTES BUCH
    • Drittes Kapitel
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Drittes Kapitel

Gütiger Gott, wie kommt es, daß sich der Mensch mehr über das Heil seiner Seele freut, wenn sie verzweifelte und aus großer Gefahr gerettet wurde, als wenn die Hoffnung nie fehlte oder die Gefahr eine geringere war? Auch du, o barmherziger Vater, freutest dich mehr über einen Sünder, der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Mit großer Freude hören wir, wie auf den Schultern der frohlockenden Hirten das Schaf, das verirrt war, zurückgetragen wird und wie der wiedergefundene Groschen unter der Mitfreude der Nachbarn von dem Weibe, das ihn gefunden, zu ihrem Schatz gelegt wurde. Tränen entlockt uns die Freudenfeier deines Hauses, wenn es in deinem Hause von dem jüngeren Sohne heißt: Denn er war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. Du freust dich in uns und in deinen Engeln, die da geheiligt sind durch heilige Liebe. Denn du bist immer derselbe, weil du alles, was nicht immer, noch auf dieselbe Weise ist, immer auf dieselbe Weise kennst.

Wie kommt es also, daß die Seele mehr erfreut ist über das, was sie liebt, wenn sie es wiederfindet, als wenn sie es immer besessen? Daß dem so ist, beweist auch anderes; ja, überall stoßen wir auf Zeugnisse, die da rufen: So ist es! Der siegreiche Feldherr triumphiert, und er hätte nicht gesiegt, wenn er nicht gekämpft hätte, und je größer die Gefahr in der Schlacht war, desto größer ist die Freude des Triumphes. Der Sturmwind wirft die Schiffer umher und es droht der Schiffbruch, alle erblassen angesichts des kommenden Todes; Himmel und Meer beruhigt sich und ihre Freude ist ohne maß, weil sie sich allzusehr fürchteten. Ein Freund ist krank und seine Pulsader kündet Übles; alle, die ihm Genesung wünschen, kranken mit ihm zugleich im Geiste; er erholt sich, noch wandelt er nicht in seiner alten

Kraft und schon wird die Freude so groß, wie sie früher nicht war, da er gesund und frisch umherging. Selbst die Vergnügungen erwerben sich die Menschen nicht durch Beschwerden, die unvermutet und wider ihren Willen hereinbrechen, sondern durch absichtliche und freiwillige. Es gibt keine Lust beim Essen und Trinken, wenn nicht die Beschwerde des Hungerns und Durstens vorangeht. Die Trinker genießen Gesalzenes, wodurch ein brennender Reiz entsteht, und darin besteht der Genuß, diesen durch Trinken zu tilgen. Sitte ist es, daß sich die verlobten Bräute nicht sogleich dem Manne ergeben, damit er sie nicht geringachte, wenn er nicht zuvor als Bräutigam nach der Zögernden seufzte

Dasselbe finden wir bei häßlicher und verabscheuungswürdiger Freude, dasselbe aber auch bei erlaubter und gestatteter Lust, ja bei der reinsten Liebe der Freundschaft; dasselbe findet sich bei dem, der tot war und wieder lebendig wurde, der verloren war und wiedergefunden wurde. Überall geht größeres Leid, größere Freude voran. Wie kommt dies, mein Gott, da du dir selbst die ewige Freude bist und da es Geister gibt in deiner seligen Nähe, die sich über dich und in deiner Umgebung stetig freuen? Warum wechselt bei diesem Teil der Schöpfung Ab- und Zunahme, Freundschaft und Versöhnung? Oder ist das ihre Weise? Ist das die Bedingung ihres Lebens, die du ihr mitgabst, als du von der Höhe des Himmels bis zum Untersten der Erde, vom Anbeginn bis zum Ende der Zeiten, vom Engel bis zum Gewürm, von der ersten Regung bis zur letzten alle Arten der Güter, alle deine gerechten Werke, jedes an seiner Stelle, ordnetest und jedes zu seiner Zeit hinstelltest? 0 wie erhaben bist du im Erhabenen und wie tief in der Tiefe! Nirgends hin entfernst du dich, und dennoch kehren wir kaum zur dir zurück.




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