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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ACHTES BUCH
    • Sechstes Kapitel
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Sechstes Kapitel

Wie du mich aus den Banden der Sinnenlust, die mich so fest umschlangen, und aus der Sklaverei weltlichen Treibens rettetest, will ich erzählen und deinen Namen bekennen, o Herr, mein Helfer und Erlöser. Ich ging meinem gewohnten Treiben nach; doch meine Angst wuchs und täglich seufzte ich nach dir; häufig besuchte ich deine Kirche, so oft mir die Geschäfte, unter deren Last ich Seufzte, es nur verstatteten. In meiner Begleitung war Alypius, der, nachdem er zum dritten Male Beisitzer bei dem Gerichte gewesen war, frei von Amtsgeschäften, eine Gelegenheit erwartete, seinen Rechtsbeistand angedeihen zu lassen, wie ich mit der Beredsamkeit Handel trieb, wenn sie sich überhaupt lehren läßt. Nebridius aber fehlte unserem Freundschaftsbunde, um einem guten Freunde von uns allen, dem Verecundius, einem Mailänder Bürger und Lehrer, helfend an die Hand zu gehen. Denn dieser bedurfte seines Beistandes gar sehr und verlangte, auf das Recht der Freundschaft sich stützend, aus unserem Kreise eine Hilfe, auf die er sich verlassen konnte und der er sehr bedurfte. Nicht Gewinnsucht hatte den Nebridius dorthin geführt; er hätte Größeres erreichen können, hätte er literarische Vorträge halten wollen; nur das Pflichtgefühl des Wohlwollens und unser Wunsch hatten den hingebenden und sanften Freund bestimmt, nachzugeben. Er tat aber sehr weislich, sich zu hüten, den Großen dieser Welt bekannt zu werden und hierbei seinen Geist von aller Unruhe frei zu halten, denn frei und unabhängig wollte er sein und möglichst Herr seiner Zeit bleiben, die er nutzbringend im Forschen, Lesen und Hören für die Weisheit anwendete.

Einst kam, Nebridius war, ich weiß nicht mehr recht weshalb, gerade abwesend, zu mir und Alypius Pontitianus, unser Landsmann aus Afrika, der ein ansehnliches Hofamt bekleidete, mit irgendwelchem Wunsche. Wie wir so ins Gespräch vertieft dasaßen, bemerkte er zufällig auf dem Studiertisch ein Buch; er nahm es, schlug es auf und fand wider Erwarten die Schriften des Apostels Paulus; denn er glaubte irgendein Buch zu finden, das zu meinem Gewerbe gehörte. Lächelnd blickte er mich an und wünschte mir verwundert Glück, daß er gerade diese Schriften hier gefunden habe. Denn er war ein treuer Christ, der sich vor dir, unserm Gotte, auf das Knie warf in der Kirche unter anhaltendem und ernstem Gebete. Als ich ihm mitteilte, daß ich der heiligen Schrift ein ernstes Studium widmete, kam er auf den ägyptischen Mönch Antonius zu sprechen, dessen Name bei deinen Dienern in hoher Achtung stand; uns aber war er bis zu dieser Stunde unbekannt. Als er dies erfahren, verweilte er bei diesem Gegenstande und entrollte uns voll Staunen über unsere Unkenntnis ein Bild von diesem großen Manne. Wir erstaunten aber, als wir hörten, wie in einer so naheliegenden, ja man könnte sagen in unserer Zeit in dem rechten Glauben deiner Kirche sich so unbestritten Wunderbares ereignet habe. Wir alle waren erstaunt über solche Geschehnisse, jener, weil es uns unbekannt war.

Seine Rede verbreitete sich nun über die Herden der Klöster und über die gottgefälligen Sitten, über die fruchtbaren Einöden der Wüste, von denen wir nichts wußten. Auch vor Mailands Mauern war ein Kloster voll frommer Brüder unter des Ambrosius Pflege, und wir wußten es nicht. Er fuhr fort und sprach weiter, wir aber schwiegen gespannt. Er erzählte, einst sei er in Trier, während der Kaiser am Nachmittag sich im Zirkus befand, mit drei Freunden in den an die Stadtmauer grenzenden Gärten spazierengegangen; zufällig hätten sie sich dort in zwei Paare getrennt, einer sei mit ihm diesseits, die andern beiden jenseits gegangen. Diese seien beim Umherstreifen auf eine Hütte gestoßen, wo deine Knechte wohnten, die geistlich Armen, deren das Himmelreich ist. Dort fanden sie ein Buch, welches die Lebensbeschreibung des Antonius enthielt. Der eine begann dasselbe zu lesen; er ward von mächtiger Bewunderung ergriffen, und beim Lesen sann er darauf, ein solches Leben zu ergreifen, den Dienst der Welt zu verlassen und dir zu dienen. Beide waren nämlich Provinzialbeamte. Plötzlich erfüllt voll heiliger Liebe und voll Scham sich selbst zürnend, wandte er den Blick auf seinen Freund und sagte zu ihm: Sage mir, ich bitte dich, wozu all unser Mühen, wohin gelangen wir damit? Was suchen wir? Warum dienen wir? Können wir bei Hofe etwas Größeres erhoffen, als Freunde des Kaisers zu bleiben? Und was ist hier nicht hinfällig und gefahrdrohend? Durch wieviel Gefahren kommen wir zu immer größeren? Wann erreichen wir das Ziel? Ein Freund Gottes kann ich, wenn ich nur will, jetzt sofort werden. Dies sagte er, und im innern Aufruhr durch das Kreisen des neuen Lebens warf er die Augen von neuem auf das Buch und las und ward im Innern verwandelt, wo du es sahst; und sein Gemüt löste sich ab von der Welt. wie sich's bald zeigte. Denn während er las und das Herz pochte, seufzte er tief von Zeit zu Zeit und unterschied das Bessere und entschied sich dafür, und schon dir angehörig, sagte er seinem Freunde: Ich habe mich schon losgerissen von dem, was wir hofften, und beschlossen, Gott zu dienen, und das will ich von dieser Stunde ab und an diesem orte angreifen. "#Willst du nicht sein mein Nachfolger, so sei zum mindesten nicht mein Widersacher." jener aber erwiderte, er wolle Genosse ihm bleiben solchen Lohnes und solchen Dienstes. Und beide nun dein, erbauten sich eine Burg ihres Heils, zu deren Aufführung es genügte, alles zu verlassen und dir zu folgen. Alsdann suchten Pontitianus und die mit ihm in einem anderen Teile des Gartens lustwandelten sie auf, fanden sie und forderten sie auf zurückzukehren, denn der Tag habe sich geneigt. jene aber erzählten ihnen ihren Entschluß und die Ursache seiner Entstehung und Befestigung und baten uns, ihnen nicht hinderlich zu sein, wenn sie sich nicht anschließen wollten. Diese blieben, obwohl sie sich beweinten, in ihrem alten Leben, wie er uns mitteilte, wünschten ihnen Segen und empfahlen sich ihren Gebeten, und ihr Herz der Welt zuwendend, gingen sie zum Palast. Diese aber blieben, das Herz zum Himmel erhoben, in ihrer Hütte. Beide hatten Bräute, welche, als sie hörten, was geschehen war, sich nun auch dir verlobten.




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