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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ACHTES BUCH
    • Zehntes Kapitel
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Zehntes Kapitel

Umkommen müssen die Gottlosen vor deinem Angesichte, mein Gott, als die da Eitles reden und Herzen verführen, wenn sie in ihres Herzens Rat zwei Willen wahrnehmen und zwei geistige Naturen, eine gute und eine böse behaupten. Sie selbst sind in Wirklichkeit böse, wenn sie jene bösen Gedanken haben, und dieselben werden gut sein, wenn sie wahre Gedanken haben, und dem Wahren beistimmen, wie zu ihnen dein Apostel spricht: Ihr waret weiland Finsternis, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Denn während jene ein Licht sein wollen, so wollen sie es nicht werden in dem Herrn, sondern in sich selbst, dadurch, daß sie glauben, die Seele sei mit Gott gleicher Art; so sind sie von noch dichterer Finsternis umhüllt, weil sie weiter von dir wichen in ihrem grauenhaften Stolze, von dir, dem wahren Lichte, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt. Merket euch das, was ihr saget, und errötet und gehet zu ihm, und ihr werdet Licht und euer erleuchtetes Angesicht wird nicht mehr erröten. Als ich mit mir zu Rate ging, wie ich dem Herrn, meinem Gott, dienen sollte, wie ich es mir schon lange vorgenommen, so war ich es, der wollte, ich, der es nicht wollte; ich, ja ganz allein ich war es. Ich wollte es nicht von ganzem Herzen und ich verschloß mich auch wiederum nicht dagegen mit ganzem Herzen. So stritt ich mit mir und wurde zwiespältig mit mir selbst. Und dieser Zwiespalt zeigte nicht hin auf die Natur eines fremden Geistes, sondern auf die Strafe des meinigen Und so tue ich nun dasselbige nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnte, durch die Strafe einer ohne Zwang begangenen Sünde, dem ich war Adams Sohn.

Wenn es so viel entgegengesetzte Naturen gäbe, als Willen im Widerspruch stehen, es würde nicht nur zwei, sondern viel mehr geben. Wenn einer unentschlossen erwöge, ob er zu der Zusammenkunft der Manichäer oder ins Theater gehen Sollte, da schrien sie: Siehe, da hast du die zwei Naturen! Die gute, sie führt dich zu uns, die böse, sie stößt dich wieder zurück. Denn woher käme sonst die Unentschlossenheit der unter sich im Zwiespalt befindlichen Willensmeinungen? Ich nenne sie beide böse, sowohl die, die zu ihnen führt, als auch die, die zum Theater führt. Sie aber, die Manichäer, halten nur die für gut, die zu ihnen führt. Wenn etwa einer von uns mit sich zu Rate geht und bei dem Zwiespalt seines Willens ungewiß hin- und herschwankt, ob er ins Theater gehen soll oder in unsere Kirche, werden da nicht auch jene ins Schwanken geraten, was sie antworten sollen? Sie werden ihm gestehen, was sie nicht wollen, daß er sich nämlich mit gutem Willen zu unserer Kirche wende, wie es diejenigen tun, die in ihre Geheimnisse eingeweiht und gebunden sind, oder sie werden der Meinung sein, daß zwei böse Naturen und zwei böse Geister in einem Menschen im Widerstreit liegen, und es wird dann nicht wahr sein, was sie gewöhnlich sagen, daß der eine gut, der andere böse sei, oder sie werden sich zur Wahrheit bekennen und nicht leugnen, wenn jemand unentschlossen ist, daß die eine Seele von verschiedenen Willensmeinungen angeregt werde.

Sie können also nicht sagen, wenn sie sich denken, es ständen sich zwei Willen in einem Menschen feindlich gegenüber, daß zwei entgegengesetzte Geister und zwei einander entgegengesetzte Substanzen und Prinzipien sich streiten, das eine gut, das andere böse. Denn du, o wahrhaftiger Gott, mißbilligst sie und überführst sie, wie bei jedem bösen Willen, wenn einer überlegt, ob er einen Menschen durch Gift oder durch das Schwert umbringen solle, ob er in dieses oder jenes fremde Gut einbrechen soll, da er beides nicht zugleich kann; ob er durch Verschwendung sich Vergnügen verschaffen soll oder durch Geiz sein Geld zusammenscharre, ob er zum Zirkus oder zum Theater gehen soll, wenn beide an einem Tage geöffnet sind; ich setze noch ein drittes hinzu -oder zu einem Diebstahl in einem fremden Hause, und nun endlich viertens noch, um einen Ehebruch zu begehen, wenn die Gelegenheit günstig ist, wenn alles auf einen Zeitpunkt zusammenträfe und alles wünschenswert erschiene, aber doch nicht zugleich ausgeführt werden kann. Denn wenn auch durch diese vier verschiedenen Willensäußerungen oder selbst noch mehrere, da die Masse der begehrenswert erscheinenden Gegenstände so groß ist, das Herz zerspalten wird, so erkennt man doch nicht eine Vielheit von verschiedenen Substanzen, sondern nur zwei, ebenso bei den Willensäußerungen zum Guten. Denn ich frage sie, ob es gut ist, sich am Lesen der Schriften des Apostels Paulus zu erfreuen, und ob es gut sei, sich an einem herrlichen Psalm zu erquicken, oder ob es gut ist, über das Evangelium zu reden. Sie werden auf jede der einzelnen Fragen antworten: Gewiß ist es etwas Gutes! Wenn sie nun aber alle zu gleicher Zeit erfreuen, bringen verschiedene Willensmeinungen da nicht Zwiespalt ins Herz, wenn es überlegt, was es von allem ergreifen soll? Alles ist gut daran und steht im Kampfe mit sich untereinander, bis eines ausgewählt wird, dem sich der Wille ungeteilt zuwendet, der vorher mehrfach geteilt war. So auch, wenn die Ewigkeit eine reinere Freude gewährt und die Luft am zeitlichen Gut die Seele fesselt, so ist es dieselbe Seele, die nicht mit dem ganzen Willen dieses oder jenes will, und deshalb wird sie von schwerer Unruhe zerrissen, während sie jenem durch die Wahrheit bestimmt den Vorzug gibt, dies aus Angewöhnung nicht ablegt.




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