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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ACHTES BUCH
    • Elftes Kapitel
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Elftes Kapitel

So war ich krank und quälte mich, indem ich mich selbst härter anklagte als je, und ich wand und wälzte mich in meiner Fessel, bis sie ganz von mir fiele; wiewohl sie schon schwach geworden war, hielt sie mich dennoch fest. Und du, o Herr, setztest mir zu in meinem Innern mit strengem Erbarmen, mit der Geißel, die Furcht und Scham verdoppelte, auf daß ich nicht wieder wiche und dir diene und schwach gewordene Bande, die noch geblieben waren, vollends zerrisse, auf daß sie nicht wiederum erstarkten und mich fester umschlängen. Da sprach ich in meines Herzens Grunde zu mir: Bald, bald wird es geschehen! Und mit dem Worte ging ich schon ein auf den Entschluß. Fast tat ich's und tat's doch nicht; aber doch fiel ich nicht in das frühere zurück, sondern stand ganz nahe und verschnaufte. Und dann versuchte ich es zum zweiten Male und war beinahe am Ziele und erreichte es beinahe und hielt es fest; und doch war ich nicht am Ziele und erreichte es weder noch hielt ich es fest noch zauderte ich zwischen Tod und Leben, und mehr vermochte noch in mir das gewohnte Schlechtere als das ungewohnte Bessere, und je näher mir der Zeitpunkt trat, wo ich ein anderer werden sollte, desto größerer Schauder erfüllte mich; doch warf er mich weder zurück noch lenkte er mich ab, ich blieb in Hangen und Bangen.

Zurück hielten mich die Nichtigkeiten und Eitelkeit, meine alten Freundinnen, zerrten mich am Mantel meines Fleisches und flüsterten mir zu: Was, du willst uns verlassen? Von dem Augenblick werden wir nicht mehr bei dir sein in Ewigkeit. Von dem Augenblick an wird dir dies und jenes nicht erlaubt sein in Ewigkeit. Welche Bilder brachten sie mir vor die Seele in dem "dies und jenes"! Welche Bilder, o mein Gott! Deine Barmherzigkeit wende es ab von der Seele deines Dieners. Welche Schmach reichten sie mir dar, welche Schande! Schon hörte ich sie nicht einmal mehr zur Hälfte an, schon sprachen sie weniger frei, nur hinter meinem Rücken murmelnd und mich verstohlen zupfend, auf daß ich zurückschauen möchte. Dennoch hielten sie mich auf, und ich zögerte, sie von mir abzuschütteln und loszureißen und hinüberzugehen, wohin ich gerufen ward, indem die mächtige Gewohnheit zu mir sprach: Glaubst du es ohne jene Dinge aushalten zu können?

Aber kaum hörbar sprach sie dies mit lässiger Stimme; denn es enthüllte sich mir von der Seite, wohin ich mein Antlitz wandte und wohin ich zu gehen doch noch schauderte, die keusche Würde der Enthaltsamkeit, heiter, doch nicht zügellos lustig, mich ehrbar ladend, daß ich käme und nicht mehr Zweifel hegte, nach mir ausstreckend, um mich aufzunehmen und zu umfassen, die segnenden Hände mit einer Fülle guter Vorbilder. Dort sah ich so viele Knaben und Mädchen, Jünglinge und Jungfrauen in großer Zahl, jedes Alter, gebeugte Witwen, Alte im Kranze der Jungfrauenschaft. Und bei allen fand ich dieselbe Keuschheit, die gesegnete Mutter der heiligsten Freuden, gezeugt in deiner Umarmung, o Herr. Und sie spottete meiner in ermahnendem Spotte: Wirst du, so sagte sie, wirst du denn nicht das vermögen, was diese Knaben, was diese Weiber vermochten? Vermögen diese es denn aus eigener Kraft und nicht in dem Herrn, ihrem Gotte? Der Herr, ihr Gott, hat mich ihnen verliehen. Was stehst du auf dich fußend, und stehst nicht fest? Wirf dich auf ihn, fürchte dich nicht, er wird dich nicht verlassen, so daß du fielest; wirf dich auf ihn ohne Sorgen, er wird dich aufnehmen und dich heilen. Und wie errötete ich, denn noch hörte ich das Geflüster jener Nichtigkeiten, und zweifelnd war ich wiederum ohne Entschluß. Und wiederum sagte sie mir: Sei taub gegen deine unreinen Glieder auf Erden, auf daß sie ersterben. Sie verheißen dir Freuden, die nicht sind nach dem Gesetz des Herrn, deines Gottes. So stritten in meinem Herzen die Gedanken gegeneinander. Alypius aber saß an meiner Seite und erwartete schweigend den Ausgang meiner ungewöhnlichen Bewegung.




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