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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • NEUNTES BUCH
    • Zweites Kapitel
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Zweites Kapitel

Und ich beschloß vor deinem Angesichte, den Dienst meiner Zunge vom Markt der Geschwätzigkeit nicht gewaltsam, sondern unbemerkt zurücktreten zu lassen, damit nicht ferner Jünglinge, die nicht bedacht sind auf dein Gesetz, nicht auf deinen Frieden, sondern auf lügenhaften Unsinn und gerichtliche Streitigkeiten, sich nicht aus meinem Munde die Waffen kauften für ihre Raserei. Glücklicherweise waren nur noch wenige Tage bis zu den Ferien der Weinlese, und ich beschloß, so lange noch in meinem Berufe auszuharren, um ehrenhaft abzutreten und freigekauft von dir nicht wieder ein feiler Sklave zu werden. Diese unsere Absicht wurde einzig und allein unter deiner Zeugenschaft gefaßt, sie war niemandem außer den Unsrigen bekannt. Und wir kamen überein, daß dieser Plan nicht diesem oder jenem verraten wurde, obwohl du uns, die wir aus dem Tränental aufstiegen und den Stufenpsalm sangen, scharfe Geschosse gabest und glühende Kohlen gegen die trügliche Zunge, die unter dem Schein, Gutes zu raten, vom guten Vorsatz abrät und uns aus falscher Liebe verzehrt, die wir die Speise zu uns nehmen.

Du hattest unser Herz durch deine Liebe getroffen, und wie im Herzen haftende Pfeile trugen wir deine Worte; die Vorbilder deiner Knechte, die du aus Schatten zu Kindern des Lichtes, aus Toten zu Lebenden umgewandelt hattest, vereinigten sich im Schoß unserer Gedanken und verbrannten und verzehrten die schwere Erstattung, damit wir nicht zur Hölle führen, und sie begeisterten uns mächtig, so daß jeder Hauch der trügerischen Zunge des Widerspruchs uns nur um so schärfer entflammte, nicht aber erlöschen ließ. Da jedoch deines Namens wegen, den du auf Erden heiligtest, unser Vorhaben und unser Entschluß großes Lob erfahren würde, so erschien mir es wie Prahlerei, nicht bis zu den demnächstigen Ferien zu warten, sondern noch vorher aus meinem öffentlichen Amte vor den Augen aller auszuscheiden, so daß sich aller Blicke auf meine Tat gerichtet haben würden, wodurch es scheinen konnte, als ob ich dem Tage der Weinleseferien hätte zuvorkommen wollen, und viele hätten mir dann nachgesagt, daß ich es getan hätte, um groß zu erscheinen. Und wozu erst, daß über meine Gesinnung hin und her geurteilt und gestritten würde und unser Schatz verlästert würde?

Dazu kam, was mich zuerst beunruhigt hatte, daß durch angestrengte literarische Tätigkeit im Sommer meine Lunge angegriffen war, mir das Atemholen erschwerte und durch Brustschmerzen mir ihren leidenden Zustand verraten hatte. Meine frühere klare und volle Stimme versagte ihren Dienst, und ich war schon dadurch genötigt, die Bürde meines Amtes abzulegen, oder doch, um mich auszuheilen und gesunden zu können, eine Unterbrechung eintreten zu lassen. Als aber in mir der volle Wille aufging und fest ward, mein Amt aufzugeben und zu sehen, daß du der Herr bist, da freute ich mich, o mein Gott, du weißt es, daß diese Entschuldigung keine Lüge war, den Anstoß der Leute weniger zu erregen, die um ihrer Kinder willen mir keine Ruhe ließen. Voll Freude ertrug ich nun jene Zwischenzeit, bis sie ablief, ich glaube, es waren an die zwanzig Tage, aber tapfer wurden sie ertragen, weil die Begierde zurückgetreten war, welche mir die schwere Arbeit ertragen half, und ich war der Erdrückung preisgegeben, wäre nicht die Geduld an ihre Stelle getreten. Vielleicht hätte einer deiner Diener gesagt, daß ich gesündigt habe, weil ich, das Herz begierig dir zu dienen, es über mich gebracht habe, auch nur eine Stunde noch auf dem Lehrstuhle der Lüge zuzubringen. ich kann mich nicht dagegen wahren. Du aber, o Herr, voll Erbarmens, hast du nicht auch diese Sünde mit den übrigen schreckenvollen und trauererregenden mir in deinem heiligen Wasser verziehen und erlassen?




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