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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • NEUNTES BUCH
    • Sechstes Kapitel
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Sechstes Kapitel

Als nun die Zeit kam, wo ich mein Taufgesuch einreichen mußte, verließen wir das Landgut und kehrten nach Mailand zurück. Auch Alypius hatte den Entschluß gefaßt, mit mir zusammen die Taufe zu empfangen, schon ganz erfüllt mit der zur Aufnahme deiner Gnadenmittel geschickt machenden Demut; mit Charakterstärke bändigte er den Leib, so daß er den Winter hindurch mit bloßen Füßen ging. Auch den Knaben Adeodatus nahmen wir mit uns, den Sohn, den ich in Sünden gezeugt hatte. Doch du hattest ihn gut geschaffen. Fünfzehn Jahre war er alt und übertraf an Geist manche ältere und gelehrte Männer. ich bekenne dir deine Gaben, o Herr mein Gott, du Schöpfer des Alls, der du schön gestaltest unsere Mißgestalt, denn außer der Sünde hatte mir jener Knabe nichts zu verdanken. Denn daß er von uns in deiner Zucht aufgezogen ward, das hattest du uns eingegeben, kein anderer; ja, ich bekenne dir dankbar deine Gaben. In einem meiner Bücher, "Der Lehrer" betitelt, lasse ich den Adeodatus mit mir sprechen. Du weißt es, daß alle Gedanken, die ich ihn dort sprechen lasse, wirklich die seinigen waren, obwohl er erst im sechzehnten Lebensjahre stand. Vieles andere noch Bewundernswürdigere bemerkte ich an ihm, Heiliger Schauer erfaßte mich bei diesen wunderbaren Gaben, und wer anders als du ist der Geber solcher Wunder? Früh nahmst du ihn von dieser Erde und sorgenfreier gedenke ich nun seiner, ohne Furcht für den Knaben, für den Jüngling, für sein ganzes Leben. Wir hatten ihn uns als unsern Altersgenossen zugesellt in deiner Taufgnade, zur Erziehung in deiner Zucht, und wir wurden getauft und von uns wich der Kummer über unsere Vergangenheit. In jenen Tagen konnte ich nicht satt werden in der wunderbaren Süßigkeit, die Höhe deines Ratschlusses über das Heil des Menschengeschlechtes zu betrachten. Wie habe ich geweint unter deinen Hymnen und Gesängen, tief bewegt von dem Wohllaut der Stimmen deiner Kirche. jene Stimmen, sie fluteten in mein Ohr, und durch sie ward die Wahrheit in mein Herz eingeflößt und fromme Gefühle wallten in ihm auf, die Tränen strömten und mir war so selig in ihnen zumute.




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