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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • NEUNTES BUCH
    • Achtes Kapitel
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Achtes Kapitel

Der du Frieden bringst in die Wohnungen der Menschen, du geselltest uns auch den Evodius zu, einen jungen Mann aus unserer Vaterstadt. Er war kaiserlicher Sachwalter und hatte sich früher als wir zu dir bekehrt und sich taufen lassen, hatte den Staatsdienst verlassen und sich zu deinem Dienste gegürtet. Wir waren unzertrennlich und beschlossen, unser der Frömmigkeit geweihtes Leben zusammen zu führen. Wir suchten einen Ort, an dem wir ungestört dir dienen könnten, und traten zusammen die Heimreise nach Afrika an. Wir kamen nach Ostia an dem Tiber, da starb meine Mutter. Ober vieles gehe ich nun raschen Schrittes hinweg. Nimm an mein Bekenntnis und meinen Dank, o mein Gott, für Unzähliges, auch wenn ich darüber schweige. Das aber will ich doch nicht übergehen, was meine Seele über deine Magd ans Licht bringen will, die mich gebar, im Fleische für das zeitliche, im Herzen für das ewige Leben. Nicht ihre, sondern deine Gaben in ihr will ich nennen; denn nicht sie selbst hatte sich ja geschaffen oder erzogen. Du hast sie geschaffen, und weder Vater noch Mutter wußten, welcher Art ihr Kind werden würde. In deiner Furcht erzog sie der Hirtenstab deines Gesalbten, das Walten deines eingeborenen Sohnes in einem gläubigen Hause, einem treuen Glied deiner Kirche. Hinsichtlich ihrer Erziehung pries sie nicht so sehr die Sorgfalt der Mutter als vielmehr die einer ergrauten Dienerin, die bereits ihren Vater getragen hatte, wie so die ziemlich herangewachsenen Mädchen die Kleinen auf dein Rücken herumzutragen pflegen. Deswegen und wegen ihres Alters und ihrer strengen Sittlichkeit ward sie in dein christlichen Hause nicht wenig hoch gehalten, so daß man ihr die Beaufsichtigung der Töchter des Hauses übertrug, die sie mit treuer Sorge führte und, wo es nötig war, bei ihrer Erziehung eine heilige Strenge ausübte und beim Unterricht besonnene Umsicht. Außer den Stunden, in welchen sie am elterlichen Tische sehr mäßig genährt wurden, erlaubte sie ihnen nicht, auch wenn der Durst sie quälte, auch nur Wasser zu trinken, um übler Gewohnheit vorzubeugen, indem sie dies heilsame Wort hinzufügte: "Jetzt trinkt ihr Wasser, weil ihr euch keinen Wein verschaffen könnt; habt ihr aber erst Männer bekommen und seid Herrinnen von Vorrats- und Weinkammern, so wird euch das Wasser nicht mehr munden, aber die Gewöhnung zu trinken wird euch geblieben sein.« Durch diese Art der Belehrung und die Entschiedenheit, mit der sie befahl, zügelte sie die Begehrlichkeit des zarten Alters und minderte den Durst der Mädchen zu sittsamem Maßhalten, daß nur das Schickliche ihr Gefallen erregte.

Und dennoch hatte sich ein Gelüst nach Wein bei ihr eingeschlichen, wie nur, ihrem Sohne, deine Magd erzählte. Denn als sie, da sie ein nüchternes Mädchen war, von ihren Eltern den Auftrag erhielt, aus der Weinkufe Wein zu holen, indem sie einen Becher unter den Hahn hielt, schlürfte sie mit gespitzten Lippen, bevor sie den vollen Becher in die Flasche goß, zuerst ein weniges ab, da ihr mehr widerstand. Doch tat sie dies nicht in roher Begierde, sondern aus jugendlichem Übermut, der in mancherlei Gelüsten aufsteigt und den das Gewicht älterer Personen im Kinderherzen niederzuhalten pflegt. Zu dem wenigen fügte sie aber täglich wieder ein weniges, und weil, wer Geringes verachtet, allmählich zu Fall kommt, gewöhnte sie sich endlich daran, daß sie fast schon ganze Becherchen begierig austrank. Wo war da die verständige Alte und ihr strenges Verbot? Was hilft uns gegen die verborgene Krankheit, wenn nicht deine Hilfe, o Herr, über uns wacht? Da Vater, Mutter und Pflegerin fern waren, warst du da, der du sie schufst, der du uns zu dir rufst, der du auch durch verkehrte Menschen Gutes zum Heil der Seele wirkst, was tatest du damals, o mein Gott? Wie halfest, wie heiltest du sie? Ein hartes Schmähwort aus (-!er Seele eines andern brachtest du hervor nach deiner geheimen Fürsorge, daß es das Messer des Arztes würde, damit du auf einen Schnitt die Fäulnis ausschnittest. Die Magd, welche sie zur Weinkufe zu begleiten pflegte, geriet mit ihrer jüngeren Herrin in Streit, wie das ja, wenn sie allein sind, zu geschehen pflegt, und warf ihr diesen Fehler vor und schalt sie mit bitterem Schimpf eine Weinsäuferin. Von diesem Schimpf getroffen, erkannte sie ihren Fehler, verdammte ihn sogleich und legte ihn ab. Wie Freunde mit ihrer Schmeichelei uns verderben, so bessert uns gewöhnlich der Tadel der Feinde. Nicht aber das Gute, das du durch sie vollbringst, sondern ihren bösen Willen vergiltst du ihnen. jene wollte im Zorn ihre jüngere Herrin nur kränken, nicht heilen von ihrem Fehler, und zwar heimlich, sei es, daß Zeit und Ort, da der Streit ausbrach, es so fügten, sei es, daß sie nicht selbst in Ungelegenheiten käme, wenn sie so spät erst es anzeigte. Du aber, o Herr, du Lenker des Himmels und der Erden, der du zu deinen Zwecken die Wogen der Tiefe aufregst und den wüsten Strom der Zeiten ordnest, du heiltest durch die Heillosigkeit der einen Seele nur die andere; niemand aber möge, wenn er dies bedenkt, auch wenn er des Willens war, es seiner Macht zuschreiben, wenn durch sein Wort jemand gebessert wird.




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