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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • NEUNTES BUCH
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Neuntes Kapitel

Züchtig und verständig, mehr von dir den Eltern als von den Eltern dir untergeben, wurde sie, nachdem sie zur jugendlichen Reife gekommen war, einem Manne vermählt, dein sie wie ihrem Gebieter diente und sich bemühte, ihn dir zu gewinnen, indem sie dich durch ihre Sitten ihm predigte, durch welche du sie so schön gemacht hattest, daß sie ihrem Manne zugleich Liebe und Achtung einflößte. Auch seine Untreue ertrug sie so, daß sie mit ihrem Gatten darüber nie in Streit geriet. Denn sie hoffte von deinem Erbarmen über ihn, daß er im Glauben an dich keusch würde. Außerdem aber war er, so gutmütig er auch war, ebenso jähzornig. Sie aber verstand es, dem zornigen Manne weder mit der Tat noch dem Worte zu widerstehen. Wenn er ausgetobt und sich besänftigt hatte, dann gab sie ihm Rechenschaft über ihre Handlungsweise, wenn er sich etwa in Übereilung darüber aufgeregt hatte. Wenn viele Frauen, deren Männer doch sanftmütiger waren, im entstellten Gesichte die Spuren der Schläge trugen und in traulichem Gespräch sich über das Leben ihrer Männer beschwerten, so gab sie ihren Zungen die Schuld und erinnerte sie scherzweise und doch nachdrücklich daran, daß sie seit Abschluß ihres Ehekontraktes Dienerinnen geworden wären; deshalb dürften sie, eingedenk ihres Standes, gegen ihre Eheherrn sich nicht erhaben dünken. Wenn diese nun sich wunderten, daß man noch nie gehört oder gesehen habe, daß Patricius seine Gattin gemißhandelt, obwohl man wußte, wie jähzornig ihr Gatte sei, oder daß sie auch nur einen Tag in häuslichem Zwist miteinander uneinig gewesen wären und wenn sie dann vertraulich nach der Ursache forschten, so belehrte Monica sie über die Art und Weise, in der sie verfahre und die ich schon erwähnt habe. Und die, welche darnach handelten, dankten ihr, wenn sie ihre Weise erprobt hatten, die sie aber nicht befolgten, blieben ihrer Unbill unterworfen.

Auch ihre Schwiegermutter, die anfangs durch falsche Hinterbringungen schlechter Mägde gegen sie aufgereizt war, gewann sie so sehr durch stilles Ertragen, Sanftmut und aufmerksame Liebe, daß sie ihrem Sohn voll Unwillen aus freien Stücken die Zwischenträgerinnen angab, die den Hausfrieden zwischen ihr und der Schwiegertochter störten und ihre Bestrafung forderte. Als dieser Sohn, der Mutter nachgebend und für die Zucht des Hauses sowie für die Einigkeit unter den Seinigen besorgt, die Schuldigen nach dem Willen der Mutter durch Schläge gezüchtigt hatte, verhieß jene einer jeden den gleichen Lohn, die, um sich beliebt zu machen, ihrer Schwiegertochter etwas Böses nachreden werde. Von nun an wagte es keine mehr und sie lebten nun fortan in liebevollster Eintracht.

Auch die große Gabe hattest du deiner Magd, aus deren Leibe du mich geschaffen, o mein Gott, du mein Erbarmer, geschenkt, daß sie bei Hader und Zwietracht, wo sie nur konnte, Frieden stiftete. Wenn zum Beispiel die eine oder die andere in Abwesenheit der Feindin ihr einen Schwall von bittern Redensarten zum Anhören gab, wie sie hervorsprudelnde und leidenschaftliche Zwietracht auszustoßen pflegt, wenn in Gegenwart der Freundin sich der leidenschaftliche Haß in heftige Worte über die abwesende Feindin ergießt, so entdeckte sie der Anwesenden nie etwas davon, sondern redete nur zum Guten, um die Versöhnung herbeizuführen. Es würde mir dies als ein kleines Gut erscheinen, das du ihr zuteil werden ließest, hätte ich nicht zu meiner Betrübnis unzählige Zerwürfnisse kennenlernen, da sich die schreckliche Seuche dieser Sünde so weit verbreitet hat, mit der man dem zürnenden Feinde nicht nur die Worte zorniger Feinde überbringt, sondern sogar Verleumdungen hinzufügt, während der Menschenfreund es sich doch nicht damit genug sein lassen soll, die Feindschaft unter den einzelnen Menschen nicht zu vermehren, sondern auch bestrebt sein soll, sie durch freundliches Zureden zu tilgen. So tut es meine Mutter und du warst ihr Lehrer, der sie also in der Schule ihres Herzens lehrte.

Endlich gewann sie dir auch ihren Gatten am Ende seines zeitlichen Lebens und beklagte sich nicht mehr über das, was sie, da er noch Heide war, von ihm zu ertragen hatte, nachdem er gläubig geworden war. Auch eine Dienerin deiner Diener war sie. Wer sie kennenlernte, mußte dich aus vollem Herzen loben, ehren und lieben in ihr, weil in ihrem Herzen Früchte ihren heiligen Umgang mit Gott bezeugten. Sie war eines Mannes Weib gewesen, sie hatte ihren Eltern gleiches vergolten, ihr eigenes Haus göttlich regiert und hatte ein Zeugnis guter Werke. Sie hatte ihre Söhne auferzogen und so oft dieselben mit Ängsten geboren, als sie sie von dir abirren sah. Und endlich, o Herr, trug sie für uns alle, deine Diener, der du uns nach deiner Milde reden läßt, die wir vor ihrem Heimgange nach dem Empfang deiner Taufgnade in dir vereint lebten, also Sorge, als ob sie uns allesamt geboren hätte, und diente uns also, als ob sie unser aller Kind sei.




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