Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

IntraText CT - Text

  • NEUNTES BUCH
    • Dreizehntes Kapitel
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden

Dreizehntes Kapitel

Da mein Herz nun von jener Wunde geheilt ist, an der ich die Schwäche meines Fleisches erkannte, so bringe ich dir, o unser Gott, für deine Magd ganz andere Tränen dar, wie sie rinnen aus dem zerstoßenen Geist, der die Gefahr einer jeden Seele betrachtet, die in Adam stirbt. Obwohl sie in Christo lebendig gemacht war und auch von des Fleisches Banden noch nicht gelöst also lebte, daß dein Name durch ihren Glauben und ihr Leben gepriesen wurde, dennoch wage ich nicht zu sagen, daß, seitdem du sie durch die Taufe wiedergeboren hast, kein Wort aus ihrem Munde hervorgegangen ist, das wider dein Gesetz wäre. Hat nicht dein Sohn, der die Wahrheit ist, gesagt: Wer zu seinem Bruder sagt, du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig? Wehe auch dem lobenswertesten Leben der Menschen, wenn du darüber ein Urteil fällen wolltest, ohne das Erbarmen in die Waagschale zu werfen. Und nur deshalb, weil du nicht mit Strenge unsere Vergehungen ansiehst, hoffen wir vertrauend, daß es eine Zuflucht gebe bei dir. Wer dir seine wahren Verdienste vorzählt, kann dir damit nichts vorzählen als deine Gaben. O wenn doch die Menschen bedächten, daß sie Menschen sind, und wer sich rühmte, sich des Herrn rühmte.

Deshalb bitte ich dich, mein Preis und mein Leben, du Gott meines Herzens, mit Hintansetzung der guten Worte meiner Mutter, für die ich dir freudig Dank sage, jetzt für die Vergehungen meiner Mutter, erhöre mich bei dem Heiland unserer Wunden, der am Holze hing und nun zu deiner Rechten sitzt und uns vertritt. Ich weiß, daß sie Barmherzigkeit ,geübt hat und daß sie von Herzen allen ihren Schuldigem vergeben hat, vergib auch du ihr ihre Schuld, wenn sie deren auf sich lud, so viele Jahre nach dem Empfang des heilsamen Wassers. ja vergib ihr, o Herr, vergib ihr, ich flehe dich an, gehe nicht mit ihr ins Gericht. Die Barmherzigkeit erhebe sich über das Gericht, denn was du sagst, ist gewiß, und du hast Barmherzigkeit den Barmherzigen verheißen. Und daß sie also wurden, hast du ihnen verliehen, der du gnädig bist denen, denen du gnädig sein willst und dich dessen erbarmst, des du dich erbarmst.

Ich glaube, du hast schon meine Bitte gewährt, doch laß dir gefallen, o Herr, das willige Opfer meines Mundes. Als der Tag ihrer Auflösung gekommen war, hat sie nicht daran gedacht, prächtig bestattet oder mit Spezereien gesalbt zu werden, noch wünschte sie ein kostbares Denkmal oder trug sie Sorge um ein Grab in der Heimat. Nichts von diesem hat sie uns geboten, sondern nur begehrt, daß wir ihrer gedenken sollen an deinem Altare, an welchem sie jeden Tag ohne Unterlaß diente, von welchem, wie sie wußte, das heilige Opfer gespendet würde, wodurch die Handschrift, die gegen uns zeugte, ausgetilgt ist und der Feind überwunden, der unsere Übertretungen rügt und sucht, was er entschuldige, und nichts an dem findet, in welchem wir siegen. Wer wird ihm sein unschuldiges Blut wiedergeben, wer wird, um uns ihm zu entreißen, ihm den Preis wiedererstatten, für welchen er uns gekauft hat. An das Sakrament dieses Preises hat deine Magd durch das Band des Glaubens ihre Seele gebunden. Niemand trenne sie von deinem Schutze. Nicht kann sich ihr mit Gewalt oder List der Löwe und der Drache widersetzen, weil sie nicht antworten wird, daß sie keine Schuld habe, damit sie nicht von dem schlauen Widersacher überwiesen werde und in seine Gewalt komme, sie wird antworten, daß ihre Schuld ihr von dem erlassen sei, welchem keiner ersetzen kann, was er unschuldig für uns geopfert hat.

Möge sie also in Frieden mit ihrem Manne ruhen, vor welchem und nach welchem sie keinem verehelicht war, dem sie gedient und dir, o Gott, Frucht in Geduld gebracht hat, um auch ihn für dich zu gewinnen. Gib, o Herr mein Gott, deinen Knechten, meinen Brüdern, deinen Kindern, meinen Gebietern. denen ich mit Herzen, Mund und Händen diene, es ihnen ins Herz, wie viele unter ihnen diese Schrift gelesen haben, daß sie deiner Magd Monica und des Patricius, der einst ihr Ehegemahl war, durch deren Fleisch du mich in dieses Leben eingeführt hast, wie, ist mir ein Geheimnis, an deinem Altar gedenken. Mögen sie im vorübergehenden Licht dieses irdischen Lebens mit frommem Gefühle meiner Eltern gedenken und meiner Brüder, die unter dir, dem Vater, Kinder in deiner Mutterkirche sind und meiner Mitbürger, in dem himmlischen Jerusalem, wohin dein Volk in der Pilgerschaft vom Ausgang bis zur Heimkehr sich schmerzlich sehnt, auf daß, was meine Mutter zuletzt von mir gefordert hat, durch vieler Gebete und Bekenntnisse reicher als durch meine Gebete erfüllt werde.




zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by Èulogos SpA - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License