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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ZEHNTES BUCH
    • Viertes Kapitel
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Viertes Kapitel

Aber zu welchem Nutzen wollen sie das? Wollen sie mir Glück wünschen, wenn sie hören, welchen Zutritt ich zu dir habe durch deine Gnade, und wollen sie beten für mich, wenn sie hören, wie sehr ich zurückgehalten werde von meiner Last? Offenbaren will ich mich solchen Leuten. Denn es ist viel wert, Herr, mein Gott, daß durch viele Personen dir Danks geschehe über uns und daß du von vielen gebeten werdest für uns. Es liebe in mir des Bruders Seele, was du zu lieben lehrst, und empfinde Schmerz um mich, wo du Schmerzenswertes zeigst. jener brüderliche Sinn möge dies tun, kein fremder, keiner von fremden Kindern, welcher Lehre ist kein nütze und ihre Rechte ist eine Rechte des Unrechts, sondern nur der brüderlich gesinnte, der, indem er mir zustimmt, sich über mich freut; der für mein Wohl in Trauer gerät, wenn er mich tadeln muß: denn er mag mich loben oder tadeln, er liebt mich doch. Solchen will ich mich offenbaren; sie mögen frohlocken, wenn mir's gut geht, oder seufzen, wem mir's schlecht geht. Mein Gutes ist dein Werk und Geschenk, mein Böses ist mein Vergehen und dein Gericht. Sie mögen frohlocken über jenes und seufzen über dieses; Loblied und Tränen mögen aufsteigen zu dir aus der Brüder Herzen, deinen Rauchgefäßen. Du aber, o Herr, der du Wohlgefallen hast am Dufte deines Tempels, sei mir gnädig nach deiner großen Güte um deines Namens willen; und der du nimmer verlässest, was du begonnen, vollende, was an mir unvollkommen ist.

Das ist die Frucht meiner Bekenntnisse, die nicht besagen, wie ich war, sondern wie ich bin, daß ich dies bekenne nicht nur vor dir mit heimlicher Freude und Zittern, mit heimlicher Trauer und Hoffnung, sondern auch vor den Ohren gläubiger Menschenkinder, der Genossen meiner Freude und meiner Sterblichkeit, meiner Mitbürger und derer, die gleich mir Pilgrime sind, meiner Vorgänger und Nachfolger und Begleiter meines Lebens. jene sind deine Knechte, meine Brüder, die du dir zu Kindern erwählt hast und mir zu Herren gesetzt hast, daß ich ihnen diene, wenn ich mit dir leben will aus deiner Fülle. Und dieses dein Wort wäre von geringem Wert für mich, wenn es mir nur in Worten geboten hätte und nicht auch im Tun mir vorangegangen wäre. Und ich betreibe das durch Tat und Wort, erstrebe das unter deinen Flügeln mit zu ungeheurer Gefahr, wäre nicht meine Seele unter deinen Flügeln dir unterworfen und meine Schwachheit dir bekannt. Ein Kind bin ich, aber es lebt immerdar mein Vater und ich habe einen zuverlässigen Beschützer; derselbe, der mich gezeugt hat, derselbe beschützt mich auch: und du selbst bist all mein Gut, du der Allmächtige, der du mit mir bist, noch ehe ich mit dir bin. Darum will ich mich denen offenbaren, welchen ich nach deinem Befehl dienen soll, nicht, wie ich gewesen bin, sondern wie weit ich schon gefördert - wie weit ich noch zurück bin; jedoch: auch richte ich mich selbst nicht: also will ich verstanden sein.




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