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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ZEHNTES BUCH
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Dreißigstes Kapitel

Bestimmt befiehlst du, daß ich mich enthalte von Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigem Wesen. Du warnst vor Beischlaf; betreffs der Elle selbst warnst du besser davor, als daß du ihr Zugeständnisse machst. Und da du mir das gewährtest, geschah es, ehe ich noch Verwalter deines Sakramentes war. Aber noch leben in meiner Erinnerung, darüber ich vieles geredet habe, die Bilder der Dinge, die dort die Gewohnheit festgeheftet hat; und sie begegnen mir im Wachen, der Kraft zwar entbehrend, im Schlafe aber steigern sie sich nicht nur bis zum Ergötzen, sondern bis zur höchsten Beistimmung. Und so viel vermag das Trugbild in meiner Seele und meinem Fleische, daß falsche Bilder der Schlafenden zu etwas verlocken, wozu mich, wenn ich wache, wahre nicht verlocken können. Bin ich dann nicht ich, Herr mein Gott? Und doch bin ich vom Augenblick, da ich vom wachen Zustande in den Schlaf übergehe, bis ich aus dem Schlaf zum Wachen zurückkehre, wie ein andrer Mensch. Wo ist die Vernunft, welche im Wachen solchen Einwirkungen widersteht? Wenn auch selbst sich lüstern, so bleibt sie doch unbewegt. Schließt sie sich mit den Augen zu? Wird sie eingeschläfert mit den Sinnen des Körpers? Und woher kommt es, daß wir ihnen auch im Schlaf widerstehen, unsres Vorsatzes eingedenk, und dabei ganz keusch beharrend, ohne solchen Verlockungen beizustimmen? Und doch ist ein Unterschied zwischen mir und mir, so daß, wenn das andere der Fall ist, sobald ich erwache, mein Gewissen sich beruhigt, und ich finde, eben wegen dieser Verschiedenheit von mir selbst, daß ich das nicht getan habe, wiewohl es mich schmerzt, daß es gewissermaßen in mir geschehen.

Aber bist du nicht mächtig, allmächtiger Gott, alle Schlafsucht meiner Seele zu heilen und mit noch reicherer Gnade die lüsternen Regungen auch meines Schlafes zu tilgen? - Du wirst, o Herr, mehr und mehr in mir deine Gaben mehren daß meine Seele mir folgt zu dir, frei vom Fleische der Begierde, so daß sie nicht mit sich selbst im Widerspruch und nie auch im Schlafe jene geilen Schändlichkeiten nicht nur durch tierische Bilder nicht ausübe bis zur Erschlaffung des Fleisches, sondern nicht einmal beistimme. Denn daß nichts dergleichen, auch nicht das geringste in mir aufsteigen darf, nicht so viel, als durch einen Wink unterdrückt werden könnte, selbst wenn sich mir im Schlafe unreine Gedanken regten nicht nur in diesem Leben, sondern auch in meinem jetzigen Lebensalter, das ist dir, dem Allmächtigen, ein Geringes, der du tun kannst über alles, was wir bitten und verstehen. Nun habe ich meinen jetzigen Zustand meines Übels dir genannt, mein guter Herr, mich freuend mit Zittern darüber, was du mir geschenkt hast, und trauernd darüber, darin ich noch nicht vollkommen bin, hoffend, daß du an mir dein Erbarmen vollenden werdest bis zum völligen Frieden, den mit dir haben wird mein innerer und äußerer Mensch, wenn der Tod verschlungen sein wird in den Sieg.




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