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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ZEHNTES BUCH
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Vierunddreißigstes Kapitel

Noch sind in meinen Bekenntnissen, welche hören mögen die Ohren deines Tempels, die Ohren der Brüder und der Frommen, die fleischlichen Augenergötzungen zu erwähnen, um abzuschließen mit den Versuchungen der fleischlichen Lust, welche mich noch seufzen und verlangen machen nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, daß wir damit überkleidet werden. Schöne und mannigfaltige Formen, glänzende und liebliche Farben lieben die Augen. Mögen sie nicht meine Seele fesseln; möge die Seele Gott fesseln, der dies gemacht hat, und zwar sehr gut; er selbst ist mein Gut, nicht sie. Sie berühren mich, wenn ich wache, den ganzen Tag, und es wird mir keine Ruhe vor ihnen gewährt wie vor der Stimme des Gesanges und zuweilen überhaupt vor allem, wenn ich in die Stille mich zurückziehe. Denn dies Licht ist die Königin der Farben, alles Sichtbare durchströmend, wo ich auch den Tag über bin, indem es mir auf vielfache Weise in die Augen fällt und mir, wem ich etwas anderes tue, schmeichelt, so daß ich es nicht von mir abwenden kann. Es schmeichelt sich aber so stark ein, daß es, wird es plötzlich entfernt, sehnlichst wieder verlangt wird: und, ist es lange fern, es den Geist traurig stimmt.

O Licht, das Tobias schaute, als er mit geschlossenen Augen dem Sohne den Weg des Lebens lehrte und ihm voranging in der Liebe, ohne zu irren. Oder du Licht, das Isaak sah mit altersmüden und schwachen Augen, als A ihm vergönnt wurde, seine Söhne zu segnen, nicht weil er sie erkannte, sondern durch sein Segnen erkannte er sie. Oder du Licht, das Jakob sah, als er selbst im hohen Alter des Augenlichts beraubt, aus lichtem Herzen ausstrahlte die in seinen Söhnen zum voraus bezeichneten Stämme des künftigen Volkes und seinen Enkeln, Josefs Söhnen die in wundersamer Weise übers Kreuz gelegten Hände auflegte, nicht wie es ihr Vater mit leiblichem Sinn forderte, sondern wie es ihm selbst sein Inneres hieß. Das ist das allein wahre Licht, und eins sind alle, die es sehen und lieben. Aber jenes körperliche Licht, von dem ich redete, würzt den innerlich blinden Liebhabern der Welt ihr Leben mit verlockender, gefährlicher Süßigkeit. Die aber über dasselbe dich zu loben wissen, "Gott, Schöpfer von allem", die nehmen das Licht in den Lobgesang auf dich auf und werden nicht von ihm hinweggenommen in ihrem Schlafe. So wünsche ich zu sein. Ich widerstehe den Verführungen der Augen, damit sie nicht umstricken meinen Fuß, mit welchem ich deinen Weg wandle; und ich erhebe zu dir die unsichtbaren Augen, damit du meinen Fuß aus dem Netze ziehest. Du befreist sie, denn sie werden sonst verstrickt. Du hörst nicht auf mit Befreien, ich aber hafte oft noch an dem überall gestellten Hinterhalt: denn siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Wie vieles Unzählige, in verschiedenen Kunstwerken, in Gewändern, Schuhwerk, Gefäßen und allerhand Gebilden, in Malereien und verschiedenen Bildern, und das den notwendigen Gebrauch in seiner Beschränktheit und die fromme Bedeutung weit überschreitend, fügten die Menschen hinzu zur Verführung der Augen, indem sie außen dem nachgehen, was sie schaffen, innerlich den verlassen, von welchem sie geschaffen sind, und das von sich verbannen, als was sie geschaffen sind. Aber ich, mein Gott und meine Zierde, singe auch hier dir meinen Lobgesang und opfere dem Lob, der sich für mich geopfert hat; weil das Schöne, durch die Seelen in künstlerische Hände hinübergeleitet, von der Schönheit stammt, welche über den Seelen ist, wonach meine Seele Tag und Nacht seufzt. Aber der äußeren Schönheit Künstler und Liebhaber stimmen dem Schönen nur bei, ohne es zu benutzen. Und da ist Gott da, und sie sehen ihn nicht, So daß sie sich noch weiter von ihm entfernen und ihre Stärke unter deinen Schutz stellen und sie nicht in wollüstigen Abschwächungen vergeuden. Ich aber, der ich dies sage und darüber urteile, hefte doch meinen Fuß an dies Schöne; aber du, Herr, befreie mich, befreie mich, denn deine Güte ist vor meinen Augen. Ich werde oft in bedauerlicher Weise befangen, du aber befreiest mich nach deiner Erbarmung, oft ohne daß ich es wußte, weil ich unüberlegt hineinfiel, oft mit Schmerz, weil ich schon darin befangen war.




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