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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ZEHNTES BUCH
    • Sechsunddreißigstes Kapitel
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Sechsunddreißigstes Kapitel

Und du weißt, wie weit du mich wandeln wirst, der du zuerst mich heiltest von der Lust, mich freizumachen, auf daß du mir alle meine Sünden vergäbest und heiltest alle meine Gebrechen und erlösetest mein Leben vom Verderben und kröntest mich mit Gnade und Barmherzigkeit und sättigtest mein Verlangen mit deinem Gut; weil du von der Höhe deiner Furcht meinen Stolz hinuntergedrückt und meinen Nacken unter dein Joch gezähmt hast. Und nun trage ich es, und dein Joch ist sanft, denn du hast es so verheißen und getan; und es war wirklich so und ich wußte es nicht, da ich fürchtete, es auf mich zu nehmen.

Aber wie, Herr, der du allein ohne Stolz herrschest, weil du allein wahrer Herr bist und keinen andern Herrn hast; wie, ist auch die dritte Art der Versuchung von mir gewichen, oder kann sie in diesem ganzen Leben weichen, nämlich gefürchtet und geliebt sein wollen von den Menschen, nicht wegen etwas anderem, sondern damit daraus schon Freude entstehe, die doch keine, Freude ist? Das ist ein elend Leben und ein häßliches Sichbrüsten. Daher kommt es hauptsächlich, daß man dich nicht liebt und dich nicht in Reinheit verehrt. Darum widerstehest du den Hoffärtigen, den Demütigen aber gibst du Gnade; du donnerst über dein Ehrgeiz der Welt und die Grundfesten der Berge regten sich und bebten. Daher bedrängt uns, da wir gewisser Ämter und Pflichten in der menschlichen Gesellschaft halber geliebt und gefürchtet werden müssen von Menschen, der Feind unsrer wahren Glückseligkeit und sät allenthalben sein "recht so, recht so" in die Schlingen: und während wir gierig uns sammeln, werden wir unvorsichtig gefangen und finden unsre Freude abseits von deiner Wahrheit und setzen sie in die Trüglichkeit der Menschen; es ist uns recht, geliebt und gefürchtet zu werden, nicht deinetwegen, sondern an deiner Statt; auf diese Weise macht der Feind sich uns ähnlich und

hat uns nicht zur Eintracht in der Liebe, sondern zur Teilnahme am Gericht bei sich; er, der beschloß, seinen Stuhl zu setzen an der Seite gegen Mitternacht, damit ihm, der dir auf verkehrtem und qualvollem Wege nachahmt, die finsteren und kalten Leute dienten. Wir aber, Herr, sind deine kleine Herde; beschirme du uns. Breite deine Flügel über uns und laß uns darunter Zuflucht nehmen. Du sollst unser Ruhm sein; deinetwegen mögen wir geliebt werden, und dein Wort werde gefürchtet. Wer gelobt werden will von Menschen, während du tadelst, der wird nicht verteidigt werden von Menschen, wenn du richtest, und wird deinem Gericht nicht entrissen werden. Wenn aber der Gottlose nicht gerühmt wird seines Mutwillens und der, welcher unrecht handelt, nicht gesegnet wird, sondern ein Mensch gelobt wird wegen eines Geschenkes, das du ihm gegeben, jener aber mehr sich freut, daß er gelobt werde, als daß er das Geschenk habe, weswegen er gelobt wird, so wird er gelobt, auch während er von dir getadelt wird: und besser ist schon der, welcher lobt, als der, welcher gelobt wird. Denn jenem gefiel an dem Menschen die Gabe Gottes; diesem gefiel mehr die Menschengabe als die Gottesgabe.




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