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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ZEHNTES BUCH
    • Vierzigstes Kapitel
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Vierzigstes Kapitel

Wo wärest du nicht mit mir gewesen, o Wahrheit, mich lehrend, wovor ich mich hüten und was ich erstreben sollte, da ich auf dich bezog alle meine niederen Anschauungen, so viele ich nur konnte und dich um Rat fragte? ich musterte die äußere Welt, jedes mit dem entsprechenden Sinne und faßte das Leben meines Leibes und meine Sinne selbst ins Auge. Von da zog ich mich zurück in die weiten Räume meines Gedächtnisses, die so zahlreich und erfüllt mit wunderbaren Arten unzähliger Schätze; ich betrachtete sie und ein heiliger Schauder ergriff mich, nichts konnte ich davon unterscheiden ohne dich und fand dabei doch, daß du selbst nichts von diesem seist. Ich selbst war der Erfinder nicht, der alles das durchmusterte und es zu unterscheiden und nach seinem Wert zu würdigen versuchte, einiges in mich aufnehmend, was die Sinne mir verkündeten, anderes mir abfragend, da ich bemerkte, es sei mit meinem Wesen verwachsen, es selbst als deine Boten betrachtend und zählend, erst einiges in den weiten Schätzen meines Gedächtnisses untersuchend, anderes dann zurückstellend, anderes hervorholend. Nicht erforschte ich, als ich dies tat, aus eignet Kraft noch warst du die in nur tätige Kraft, denn du bist das ewig bleibende Licht, das ich bei allem befragte, ob es vorhanden sei, wie es sei und wie hoch es zu schätzen sei: und ich hörte dich, der mich belehrte und mir gebot. Und oft noch tue ich das; das ergötzt mich und so viele Zeit, als ich von den Geschäften erübrigen kann, nehme ich zu diesen Geschäften meine Zuflucht. Und ich finde bei allem diesem, das ich durchlaufe, dich dabei um Rat fragend, keinen sicheren Ort für meine Seele außer in dir, wohin sich sammeln möge mein Zerstreutes und nichts von dem Meinen sich von dir entfernen möge. Zuweilen läßt du mich eingehen in ein Inneres, da mich ein höchst ungewohnter Affekt ergreift und einem unbestimmten angenehmen Gefühl, von dem ich, wenn es in mir vollendet wird, nicht weiß, wie es sein wird, da es diesem Leben nicht mehr angehören wird. Aber ich falle wieder zurück in die Sorgenlasten und werde wieder verschlungen von dem Alltagsleben und darin festgehalten; ich weine viel und doch werde ich darin recht festgehalten. So sehr erdrückt die Last der Gewohnheit! Hier kann ich sein und will nicht; da will ich sein und kann nicht, so bin ich elend in beiden.




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