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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ZWÖLFTES BUCH
    • Elftes Kapitel
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Elftes Kapitel

Schon hast du, o Herr, mir mit starker Stimme in mein inneres Ohr gesagt, daß du ewig bist, daß du allein Unsterblichkeit habest, da du dich durch keine Gestalt oder Bewegung verwandelst noch dein Wille sich in den Zeiten ändert, weil ein Wille, der bald so, bald anders ist, nicht unsterblich ist. Möchte mir dies in deinem Angesichte klarwerden und mir mehr und mehr einleuchten, ich bitte dich, und möchte ich bei dieser Offenbarung demütig unter deinen Flügeln verharren; ebenso hast du mir, Herr, mit starker Stimme in mein inneres Ohr gesagt, daß du alle Geschöpfe und Wesen, die nicht sind, was du bist, und doch sind, gemacht hast, und nur das ist nicht von dir, was nicht ist; und die Bewegung des Willens von dir, der du bist, zu dem, was weniger ist, weil eine solche Bewegung ein Vergehen und Sünde ist; und daß keines Menschen Sünde weder dir schadet noch die Ordnung deines Reiches stört, weder im höchsten noch im niedrigsten der Geschöpfe. Möchte mir dies in deinem Angesichte klar-werden und mir mehr und mehr zur Gewißheit werden, darum bitte ich dich, und möchte ich bei dieser Offenbarung demütig unter deinen Flügeln verharren.

Ferner hast du mir mit starker Stimme in mein inneres Ohr gesagt, daß jene Schöpfung auch nicht mit dir gleich ewig ist, deren Wille du allein bist, die mit ewiger Keuschheit dich in sich aufnimmt, die ihre Wandelbarkeit nie und nirgends offenbart und die, da du, an dem sie mit voller Inbrunst festhält, ihr stets gegenwärtig bist, nichts Zukünftiges zu erwarten und nichts der Vergangenheit zu übergeben hat, um dessen sich zu erinnern, die keiner Wandlung und keinem Wechsel der Zeiten unterworfen ist. O wie selig ist diese Schöpfung, wenn es eine gibt, durch die Teilnahme an deiner Seligkeit; selig durch deine beständige Gemeinschaft und Erleuchtung! Ich wüßte nichts, was ich eher glaubte, den Himmel des Himmels, der dein ist, Herr, nennen zu sollen, als deine Wohnung, die deine Wonne schaut ohne irgendeine Lust zur Abschweifung auf andere Dinge; einen reinen Geist, auf das engste vereinigt durch das Band des Friedens der heiligen Geister, der Bürger deiner Stadt im Himmel über dem Firmamente der Erde.

Hieraus möge die Seele, deren Pilgerfahrt lange währt, erkennen, wenn sie schon nach dir dürstet, wenn schon ihre Tränen sind ihre Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu ihr sagt: Wo ist nun dein Gott?, wenn sie schon eins von dir bittet, das sie gerne hätte, daß sie im Hause des Herrn bleiben möge ihr Leben lang; und was ist ihr Leben, wenn nicht du? Und welches sind deine Tage, wenn nicht deine Ewigkeit, die wie deine Jahre kein Ende nehmen, weil du ewig unveränderlich bist? - Hieraus möge also die Seele, die es vermag, erkennen, wie weit die Ewigkeit über alle Zeiten erhaben ist, wenn deine Wohnung, die durch keine Zeit pilgert und gleichwohl nicht mit dir ewig ist, doch durch die unaufhörliche und unerschütterliche Gemeinschaft mit dir keinen Wechsel der Zeiten erleidet. Möchte mir dieses in deinem Angesicht klar und zur Gewißheit werden, ich bitte dich, und ich bei dieser Offenbarung demütig unter deinen Flügeln verharren.

Siehe, ich weiß nicht, was für ein Ungestaltetes es in den Veränderungen gibt, welche die äußersten und untersten Dinge erfahren. Wer kann mir sagen, als nur wer in der Lehre seines Herzens mit seinen eitlen Einbildungen umherirrt und sich verliert; wer, wenn nicht ein solcher, wird mir sagen können, wie, wenn nach Verminderung und Aufhören aller Gestalt nur die Ungestalt zurückbliebe, durch welche ein Ding von Gestalt zu Gestalt sich bewegt und übergeht, sie den Wechsel der Zeiten erzeugen könne? Das ist unmöglich, weil ohne Verschiedenheit der Bewegungen keine Zeiten sind, und wo keine Gestalt ist, da ist auch keine Mannigfaltigkeit der Bewegung.




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