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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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Siebzehntes Kapitel

Sie sagen nämlich: "Wenn dies auch wahr ist, so hat doch gewiß Moses, als er durch Eingebung des heiligen Geistes schrieb: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, dieses beides nicht vor Augen gehabt. Er hat mit dem Worte Himmel nicht jene geistige oder übersinnliche Schöpfung gemeint, die stets das Angesicht Gottes schauet, noch auch mit dem Worte Erde jene ungestaltete Materie." "Was denn also?" "Was wir sagen, das hat jener Ausdruck gemeint, und das hat er mit diesen Worten gesagt. " "Welches?" "Mit dem Namen des Himmels und der Erde", sagen sie, "wollte er jene ganze sichtbare Welt überhaupt mit wenigen Worten bezeichnen, uni darnach durch die Aufzählung der Tage gleichsam im Einzelnen das Ganze, wie es dem heiligen Geist gefiel, es zu bezeichnen, zu ordnen. Denn das rohe und fleischliche Volk, zu dein er sprach, waren Menschen der Art, daß er glaubte, ihnen nur die sichtbaren Werke Gottes darstellen zu dürfen. Daß unter der wüsten und leeren Erde und der mit Finsternis bedeckten Tiefe, aus der, wie in der Folge gezeigt wird, in jenen Tagen alles Sichtbare, was bekannt ist, gemacht und geordnet ist, nicht unpassend jener ungestaltete Stoff zu verstehen sei, darin stimmen sie überein."

Wie wenn nun ein anderer sagte, eben diese Gestaltlosigkeit und Vermischung des Stoffs sei vorerst mit dem Namen des Himmels und der Erde angedeutet, weil aus ihr diese sichtbare Welt mit allen Wesen, die jetzt auf ihr offenbar erscheinen, gebildet und vollendet worden ist, die gewöhnlich Himmel und Erde genannt wird? Wenn ein anderer sagte, nicht unpassend werde die unsichtbare und sichtbare Natur Himmel und Erde genannt und hierdurch sei die allgemeine Schöpfung, die Gott in der Weisheit, das heißt im Anfange schuf, in diesen beiden Worten begriffen; da jedoch alles nicht aus dem Wesen Gottes selbst, sondern aus Nichts gemacht ist, weil es nicht dasselbe ist, was Gott ist, und allem eine gewisse Veränderlichkeit innewohnt, so möge es bleiben wie das ewige Haus Gottes oder sich verändern wie des Menschen Seele und Leib; sei der jetzt noch ungestaltete und gewiß gestaltungsfähige gemeinsame Stoff aller unsichtbaren und sichtbaren Dinge, woraus Himmel und Erde werden sollte, das heißt beide bereits gebildeten Schöpfungen, die unsichtbare und sichtbare, hervorgehen sollten, mit diesen Worten bezeichnet, wüste und leere Erde und es war finster über der Tiefe, mit dem Unterschiede, daß unter der wüsten und leeren Erde die sinnliche Materie vor Annahme einer Gestalt; unter dem es war fisnter über der Tiefe der geistige Stoff vor Hemmung der gleichsam fließenden Maßlosigkeit und vor Erleuchtung der Weisheit verstanden wird.

Es ließe sich noch ein anderes sagen, wenn man wollte, "daß, wenn es heißt, im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, unter Himmel und Erde nicht die vollendete und gestaltete unsichtbare und sichtbare Natur bezeichnet werden sollte, sondern der noch rohe Entwurf der Dinge, der bildungs- und schaffungsfähige Stoff; in ihm bereits vermischt nur noch nicht durch Eigenschaft und Gestalt geschieden war, was nun, in bestimmter Weise geordnet, Himmel und Erde genannt wird, jener die geistige, diese die sinnliche Schöpfung bezeichnend".




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