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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • ZWÖLFTES BUCH
    • Siebenundzwanzigstes Kapitel
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Siebenundzwanzigstes Kapitel

Wie eine Quelle in geringem Raume reicher ist und in mehreren Bächen größere Strecken bewässert als jeder einzelne Bach, der aus dieser Quelle hervorgeht und über große Strecken dahinfließt, so entquillt die Erzählung deines treuen Dieners, die so vielen anderen Verkündigern dienen sollte, in ihrer einfachen Art der Rede wie ein Strom lauterer Wahrheit, aus dem jeder das Wahre schöpft, der eine dies, der andere jenes, wie er es fassen kann, durch die Krümmungen langer Schlüsse. Denn wenn die einen diese Worte lesen oder hören, so denken sie sich Gott als einen Menschen oder als ein materielles Wesen mit einer unbegrenzten Macht, das durch einen neuen und plötzlichen Entschluß außer sich und in entfernten Räumen Himmel und Erde geschaffen habe, zwei große Körper, den einen oben, den andern unten, die alles umfaßten. Und wenn sie hören, Gott sprach, es werde und es ward, dann denken sie sich wirklich Worte, die anfingen und endeten, in der Zeit ertönten und vorübergingen, nach deren Verklingen sogleich der Gegenstand da wäre, der nach Seinem Befehle da sein sollte, und ähnliches, was sie sich alles in dieser Weise ihres fleischlichen Geistes denken. In diesen noch umnündigen Wesen wird, während ihre Schwäche durch die große Einfalt der Sprache gleichsam wie im mütterlichen Schoße getragen wird, der Glaube heilsam erbauet, daß Gott alle diese Dinge geschaffen, die ihre Sinne in ihrer wunderbaren Mannigfaltigkeit um sich her erblicken. Wenn aber irgend jemand von ihnen diese niedrige Schreibart verachten und in vermessener Schwachheit seine tragende und nährende Wiege verlassen wollte, der Unglückliche würde elend dahinfallen. Herr mein Gott, erbarme dich, daß nicht die, welche des Weges vorübergehen, das zarte Junge zertreten, und sende deinen Engel, daß er es wieder in sein Nest trage, damit es nun leben bleibe, bis es fliegen kann.




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