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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • DREIZEHNTES BUCH
    • Fünfzehntes Kapitel
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Fünfzehntes Kapitel

Oder wer, wenn nicht du, unser Gott, hat die Veste der Autorität über uns in deiner göttlichen Schrift geschaffen? Denn der Himmel wird wie ein Buch aufgerollt werden und ist jetzt wie ein Kleid über uns ausgespannt. Das Ansehen deiner heiligen Schrift ist um so erhabener, seitdem jene Sterblichen, die du zu ihren Werkzeugen erwählt hast, durch den Tod bereits von hier geschieden sind. Du weißt, Herr, du weißt, wie du die Menschen mit Fellen bekleidetest, als sie durch die Sünde sterblich wurden. Deshalb hast du die Veste deiner Schrift wie ein Kleid über uns ausgebreitet, die völlig übereinstimmenden Worte, die du durch Vermittlung sterblicher Menschen über uns erhoben hast. Denn durch ihren Tod wird die Befestigung des Ansehens deiner von ihnen mitgeteilten Worte hoch über alles, was darunter ist, ausgebreitet, die, solange sie noch herniederwallten, nicht so erhöhet und verbreitet war. Du hattest noch nicht den Himmel wie ein Kleid über uns ausgebreitet noch nicht ihres Todes Ruf überallhin getragen.

Laß uns, Herr, die Himmel, die Werke deiner Hände schauen; zerstreue die Wolken, die sie unseren Augen verhüllen! Dort ist dein Zeugnis, das den Kleinen Weisheit gewährt. Bereite dir, mein Gott, dein Lob aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge. Wir kennen keine andern Bücher, die so sehr zunichte machen den Stolz, so sehr zunichte machen den Feind, der widerstrebend deiner Versöhnung seine Sünde verteidigt. Ich kenne, Herr, o Herr, ich kenne keine keuscheren Worte, die mich so zum Bekenntnis bewegten und meinen Nacken unter dein Joch so beugten' dir aus Liebe zu dienen. Möchte ich sie, gütiger Vater, verstehen; verleihe dieses mir, der sich ihnen unterwirft, da du sie für die gegründet, die sich ihnen unterwerfen.

Andere Gewässer gibt es über dieser Veste, ich glaube, unsterbliche, bewahrt vor dem irdischen Verderben. Mögen deinen Namen loben, mögen dich loben die übersinnlichen Völker deiner Engel, die nicht nötig haben, zu dieser Veste aufzublicken und dein Wort durch Lesen zu erkennen. Denn sie sehen allezeit dein Angesicht und lesen dort ohne Silben der Zeit, was dein ewiger Wille will. Sie lesen, sie wählen, sie lieben sie; sie lesen immerdar und nie vergeht, was sie lesen. Sie lesen selbst die Unwandelbarkeit deines Ratschlusses, sie wählen und lieben sie. Für sie schließt sich dies Buch nicht; ihr Buch rollt sich auf, denn du selbst bist ihr Buch und bist es ewig; denn du hast sie über diese Veste gestellt, die du über der Schwachheit der niederen Völker begründet hast, daß sie hinaufblicken und deine Barmherzigkeit erkennen, die dich ihnen zeitlich verkünden soll, der du die Zeiten geschaffen hast. Denn im Himmel, Herr, wohnt deine Barmherzigkeit und deine Wahrheit, soweit die Wolken geben. Die Wolken vergehen, der Himmel aber bleibt. Die Verkündiger deines Wortes gehen vorüber, gehen aus diesem Leben in ein anderes; deine Schrift aber breitet sich über die Völker aus bis an das Ende der Tage. Aber auch Himmel und Erde werden vergehen, aber dein Wort wird nicht vergehen. Denn auch das Kleid des Himmels wird zusammengelegt werden, und das Gras, über welches er ausgespannt war, wird mit all seiner Herrlichkeit verschwinden; dein Wort aber bleibt in Ewigkeit; jetzt erscheint es uns nur wie ein Rätsel in eine Wolke gehüllt; und wie durch den Spiegel des Himmels, nicht aber wie es ist; denn obwohl wir die Geliebten deines Sohnes sind, ist doch noch nicht erschienen, was wir sein werden. Er blickt durch die Hülle des Fleisches, hat uns mit Liebkosungen überhäuft und mit seiner Liebe entflammt, und wir laufen seinem Wohlgeruche nach. Wenn er aber erschienen sein wird, werden wir ihm gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er ist; ihn zu sehen, wie er ist, Herr, das ist uns doch nicht vergönnt.




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