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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • DREIZEHNTES BUCH
    • Achtzehntes Kapitel
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Achtzehntes Kapitel

Ich bitte dich, Herr, laß also, wie du gewohnt bist, uns Freudigkeit und Kraft zu geben, Wahrheit aus der Erde sprossen, und deine Gerechtigkeit uns vom Himmel herabsehen und Lichter an der Veste des Himmels werden. Laßt uns dem Hungrigen unser Brot brechen und die, so im Elend irren, ins Haus führen; laßt uns, so wir einen nackend sehen, ihn kleiden und uns nicht unserem Fleische entziehen. Wenn die Erde unserer Herzen diese Früchte hervorbringt, dann siehe herab, daß es gut ist, und laß unser zeitliches Licht hervorbrechen und uns, von dieser niedrigen Frucht unseres Handelns zu der Wonne des Anschauens durch das Wort des höheren Lebens erhoben, scheinen wie die Lichter in der Welt und mit der Veste deiner Schrift innig vereint sein. Denn dort wirst du uns lehren, daß wir das Geistige vom Sinnlichen unterscheiden wie den Tag von der Nacht, oder die geistigen Seelen von den sinnlichen, so daß du nicht mehr allein in der Verborgenheit deines Gerichtes, wie vor der Entstehung der Veste des Himmels, das Licht von der Finsternis scheidest, sondern auch, daß die von dem Geiste Erfüllten, die du an die Veste des Himmels gesetzt und geordnet hast, nach der Offenbarung deiner Gnade über den Erdkreis leuchten, den Tag von der Nacht scheiden und die Zeiten bezeichnen; denn das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden; unser Heil ist näher, als wir es glaubten, weil die Nacht vorausgegangen ist, und der Tag nahet; weil du krönst das Jahr mit deinem Gut und Arbeiter in deine Ernte sendest, die andere Arbeiter fruchtbar gemacht haben, und sie auf eine andere Aussaat sendest, deren Ernte erst am Ende der Welt ist. So erfüllest du unsere Wünsche und segnest die Jahre des Gerechten; du aber bist immer derselbe, und deine Jahre, die nicht vergehen, sind die Schatzkammer, wo du unsere Jahre, die vergehen, aufbewahrst. Denn nach ewigem Ratschluß spendest du der Erde die himmlischen Gaben zu ihrer Zeit.

Dem einen gibst du durch deinen Geist, zu reden von der Weisheit gleich einem größeren Lichte, um derer willen, die sich an dem reinen Lichte der Wahrheit wie an der Morgenröte erfreuen; dem anderen wird gegeben, zu reden von deiner Erkenntnis nach demselben Geiste gleich einem geringeren Lichte; einem anderen der Glaube; einem anderen die Gabel gesund zu machen, in demselben Geiste; einem anderen, wunder zu tun; einem anderen Weissagung; einem anderen, Geister zu unterscheiden; einem anderen, mancherlei Sprachen; und alle diese Gaben gleichen den Sternen. Dies alles aber wirket derselbe einige Geist und teilt einem jeglichen seines zu, nachdem er will, und läßt die Sterne zum Heile erscheinen und leuchten. Aber was ist die Gabe der Erkenntnis, die alle Geheimnisse in sich faßt, die je nach der Zeit ihr Licht wechseln wie der Mond, und was sind die übrigen Gaben des Geistes, die darnach gleich wie Sterne erwähnt wurden, neben jener Herrlichkeit der Weisheit, deren sich der verheißene Tag erfreuet, anders als die Dämmerung einer finsteren Nacht. Aber für solche sind sie notwendig, mit denen dein weiser Diener nicht reden konnte als mit Geistlichen, sondern als mit Fleischlichen, er, der mit den Vollkommenen Weisheit redet. Aber der natürliche Mensch, nur ein Kind in Christo, das sich mit Milch nährt, bis es für kräftige Speise erstarke und sein Auge für den Anblick der Sonne kräftige, soll die Nacht seiner Finsternis nicht für verlassen halten, sondern sich mit dem Lichte des Mondes und der Sterne begnügen. Dies lehrst du uns, mein Gott, du höchste Weisheit, in deinem Buche, deiner Veste, auf daß wir in wunderbarer Betrachtung alles unterscheiden, obwohl nur erst in Zeichen, in Zeiten, in Tagen, in Jahren.




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