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Aurelius Augustinus
Bekenntnisse

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  • DREIZEHNTES BUCH
    • Dreiundzwanzigstes Kapitel
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Daß er aber alles richtet, das heißt, er hat macht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle zahmen und wilden Tiere und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die sich auf der Erde bewegen. Dies lehrt ihn die Erkenntnis des Geistes, durch den er vernimmt, was des Geistes Gottes ist. Ohne diesen erkennt der Mensch, der sich in solcher Würde befindet, nicht; sondern ist gleich dem Vieh, das vertilget wird. Daher gibt es, unser Gott, in deiner Kirche kraft der Gnade, die du ihr verliehen hast und weil wir dein Werk sind, geschaffen zu guten Werken, nicht bloß als solche, die nach deinem Geiste vorstehen, sondern auch die nach deinem Geiste denen untergeordnet sind, die da vorstehen. Denn du schufest den Menschen als Mann und Weib in derselben Weise in deiner geistlichen Gnade, wo nach dem leiblichen Geschlechte kein Mann noch Weib, kein Jude noch Grieche, kein Knecht noch Freier ist. Geistlich gesinnt also, urteilen sie geistlich, seien sie übergeordnet oder untergeordnet; nicht aber über die geistigen Kenntnisse, die am Firmamente leuchten, - denn es ist nicht nötig, über so erhabene Dinge urteilen zu wollen; - ebenso auch nicht über deine Schrift selbst, wenn auch dort etwas dunkel wäre; denn wir unterwerfen ihr unsern Verstand und haben die Gewißheit, daß auch das, was unserem Auge darin verschlossen ist, recht und wahr gesagt ist. So muß der Mensch, obgleich geistlich und erneuert in der Erkenntnis Gottes, nach dem Bilde dessen, der ihn geschaffen hat, doch muß er ein Täter des Gesetzes sein, nicht ein Richter. Er urteilt auch nicht über jene Unterscheidung der geistlichen und fleischlichen Menschen, die deinem Auge, unser Gott, bekannt sind, uns aber noch durch keine Werke bekannt geworden sind, daß wir sie an ihren Früchten erkennen könnten, aber du, Herr, kennst sie bereits, hast sie abgesondert und im verborgenen berufen, noch ehe du das Firmament schufest. Ebensowenig urteilt er, obgleich geistlich, über die unruhigen Völker dieser Welt. Denn was gehen ihn die draußen an, sie zu richten, da er nicht weiß, wer von ihnen zur Süßigkeit der Gnade gelangen wird und wer dagegen in steter Bitterkeit der Gottlosen beharren wird?

Daher empfing der Mensch, den du nach deinem Bilde geschaffen hast, nicht die Macht über die Lichter des Himmels noch über den verborgenen Himmel selbst noch über Tag und Nacht, die du vor der Schöpfung des Himmels beriefest noch über die Sammlung der Wasser, die das Meer sind; wohl aber wurde ihm die Macht gegeben über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über alle Tiere, über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf Erden sind. Er urteilt und billigt; er mißbilligt und verwirft; sowohl in der Feier der Geheimnisse. worin diejenigen eingeweihet worden, die dein Erbarmen aus den vielen Wassern hervorzieht, als auch in der Feier, wo jener Fisch, der aus der Tiefe emporgehoben, der gläubigen Erde als Speise dargereicht wird, wie auch über die Worte und Reden, die dem Ansehen deiner Schrift unterworfen sind und die gleichsam unter dem Firmamente umherfliegen, durch Erklärung, Auslegung, Erörterung, Untersuchung, Segnung und Anrufung deiner aus dem Munde hervorbrechen und erschallen, daß das Volk antwortete: Amen. Die Ursache, daß alle diese Worte in solcher Weise gesprochen werden mußten, ist der Abgrund der Welt, die Blindheit des Fleisches, die unser Auge für die Erkenntnis des Gedachten verdunkelt, so daß es der Stimme für das Ohr bedarf; so sehr sich also das Gevögel auf der Erde vermehrt, so hat es doch seinen Ursprung in Wassern. Auch urteilt und billigt der geistliche Mensch, was er für recht hält, und mißbilligt, was er als unrecht erkennt an den Werken und Sitten der Gläubigen, an den Almosen, die gleichsam die Früchte der fruchtbaren Erde sind, und über die lebendige Seele, deren Regungen in Keuschheit, in Fasten und frommen Betrachtungen gezähmt sind, über alles das, was mit den leiblichen Sinnen wahrgenommen wird. Wir dürfen urteilen über das, worin wir die Macht haben, zu bessern.




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