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Franz Kafka
Der Prozeß
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Erstes Kapitel. Verhaftung - Gespräch mit Frau Grubach - Dann Fräulein Bürstner
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Erstes
Kapitel
.
Verhaftung
-
Gespräch
mit
Frau
Grubach
- Dann
Fräulein
Bürstner
Jemand
mußte
Josef
K
.
verleumdet
haben,
denn
ohne daß er etwas
Böses
getan
hätte,
wurde
er eines
Morgens
verhaftet
. Die
Köchin
der
Frau
Grubach
, seiner
Zimmervermieterin
, die
ihm
jeden
Tag
gegen acht
Uhr
früh
das
Frühstück
brachte
,
kam
diesmal
nicht. Das war noch
niemals
geschehen
.
K
.
wartete
noch ein
Weilchen
,
sah
von seinem
Kopfkissen
aus die
alte
Frau
, die
ihm
gegenüber
wohnte
und die
ihn
mit einer an ihr
ganz
ungewöhnlichen
Neugierde
beobachtete
, dann aber,
gleichzeitig
befremdet
und
hungrig
,
läutete
er.
Sofort
klopfte
es und ein Mann, den er in dieser
Wohnung
noch
niemals
gesehen
hatte,
trat
ein. Er war
schlank
und doch
fest
gebaut
, er
trug
ein
anliegendes
schwarzes
Kleid
, das,
ähnlich
den
Reiseanzügen
, mit
verschiedenen
Falten
,
Taschen
,
Schnallen
,
Knöpfen
und einem
Gürtel
versehen
war und
infolgedessen
, ohne daß man sich
darüber
klar
wurde
, wozu es
dienen
sollte
,
besonders
praktisch
erschien
. "Wer sind Sie?"
fragte
K
. und
saß
gleich
halb
aufrecht
im
Bett
. Der Mann aber
ging
über die
Frage
hinweg
, als
müsse
man seine
Erscheinung
hinnehmen
, und
sagte
bloß
seinerseits
: "Sie haben
geläutet
?" "
Anna
soll
mir das
Frühstück
bringen
",
sagte
K
. und
versuchte
,
zunächst
stillschweigend
, durch
Aufmerksamkeit
und
Überlegung
festzustellen
, wer der Mann
eigentlich
war. Aber dieser
setzte
sich nicht
allzulange
seinen
Blicken
aus,
sondern
wandte
sich zur
Tür
, die er ein wenig
öffnete
, um
jemandem
, der
offenbar
knapp
hinter der
Tür
stand
, zu
sagen
: "Er will, daß
Anna
ihm
das
Frühstück
bringt
." Ein
kleines
Gelächter
im
Nebenzimmer
folgte
, es war nach dem
Klang
nicht
sicher
, ob nicht mehrere
Personen
daran
beteiligt
waren
. Obwohl der
fremde
Mann
dadurch
nichts
erfahren
haben konnte, was er nicht schon
früher
gewußt
hätte,
sagte
er nun doch zu
K
. im
Tone
einer
Meldung
: "Es ist
unmöglich
." "Das
wäre
neu
",
sagte
K
.,
sprang
aus dem
Bett
und
zog
rasch
seine
Hosen
an. "Ich will doch
sehen
, was
für
Leute
im
Nebenzimmer
sind und wie
Frau
Grubach
diese
Störung
mir
gegenüber
verantworten
wird." Es
fiel
ihm
zwar
gleich
ein, daß er das nicht hätte
laut
sagen
müssen
und daß er
dadurch
gewissermaßen
ein
Beaufsichtigungsrecht
des
Fremden
anerkannte
, aber es
schien
ihm
jetzt nicht
wichtig
.
Immerhin
faßte
es der
Fremde
so auf,
denn
er
sagte
: "
Wollen
Sie nicht
lieber
hierbleiben
?" "Ich will weder
hierbleiben
, noch von Ihnen
angesprochen
werden,
solange
Sie sich mir nicht
vorstellen
." "Es war
gut
gemeint
",
sagte
der
Fremde
und
öffnete
nun
freiwillig
die
Tür
. Im
Nebenzimmer
, in das
K
.
langsamer
eintrat
, als er
wollte
,
sah
es auf den
ersten
Blick
fast
genau
so aus wie am
Abend
vorher
. Es war das
Wohnzimmer
der
Frau
Grubach
, vielleicht war in diesem mit
Möbeln
,
Decken
,
Porzellan
und
Photographien
überfüllten
Zimmer
heute
ein wenig mehr
Raum
als sonst, man
erkannte
das nicht
gleich
, um so
weniger
, als die
Hauptveränderung
in der
Anwesenheit
eines
Mannes
bestand
, der beim
offenen
Fenster
mit einem
Buch
saß
, von dem er jetzt
aufblickte
. "Sie
hätten
in Ihrem
Zimmer
bleiben
sollen
! Hat es Ihnen
denn
Franz
nicht
gesagt
?" "Ja, was
wollen
Sie
denn
?"
sagte
K
. und
sah
von der
neuen
Bekanntschaft
zu dem mit
Franz
Benannten
, der in der
Tür
stehengeblieben
war, und dann wieder
zurück
. Durch das
offene
Fenster
erblickte
man wieder die
alte
Frau
, die mit
wahrhaft
greisenhafter
Neugierde
zu dem jetzt
gegenüberliegenden
Fenster
getreten
war, um auch
weiterhin
alles zu
sehen
. "Ich will doch
Frau
Grubach
-",
sagte
K
.,
machte
eine
Bewegung
, als
reiße
er sich von den zwei
Männern
los
, die aber
weit
von
ihm
entfernt
standen
, und
wollte
weitergehen
. "Nein",
sagte
der Mann beim
Fenster
,
warf
das
Buch
auf ein
Tischchen
und
stand
auf. "Sie
dürfen
nicht
weggehen
, Sie sind ja
verhaftet
." "Es
sieht
so aus",
sagte
K
. "Und warum
denn
?"
fragte
er dann. "Wir sind nicht dazu
bestellt
, Ihnen das zu
sagen
.
Gehen
Sie in Ihr
Zimmer
und
warten
Sie. Das
Verfahren
ist nun
einmal
eingeleitet
, und Sie werden alles zur
richtigen
Zeit
erfahren
. Ich
gehe
über meinen
Auftrag
hinaus, wenn ich Ihnen so
freundschaftlich
zurede
. Aber ich
hoffe
, es
hört
es niemand sonst als
Franz
, und der ist selbst gegen alle
Vorschrift
freundlich
zu Ihnen. Wenn Sie auch
weiterhin
so viel
Glück
haben wie bei der
Bestimmung
Ihrer
Wächter
, dann
können
Sie
zuversichtlich
sein
."
K
.
wollte
sich
setzen
, aber nun
sah
er, daß im
ganzen
Zimmer
keine
Sitzgelegenheit
war,
außer
dem
Sessel
beim
Fenster
. "Sie werden noch
einsehen
, wie
wahr
das alles ist",
sagte
Franz
und
ging
gleichzeitig
mit dem
andern
Mann auf
ihn
zu.
Besonders
der
letztere
überragte
K
.
bedeutend
und
klopfte
ihm
öfters
auf die
Schulter
.
Beide
prüften
K
.
s
Nachthemd
und
sagten
, daß er jetzt ein viel
schlechteres
Hemd
werde
anziehen
müssen
, daß sie aber dieses
Hemd
wie auch seine
übrige
Wäsche
aufbewahren
und, wenn seine
Sache
günstig
ausfallen
sollte
,
ihm
wieder
zurückgeben
würden
. "Es ist
besser
, Sie
geben
die
Sachen
uns als
ins
Depot
",
sagten
sie, "
denn
im
Depot
kommen
öfters
Unterschleife
vor
und
außerdem
verkauft
man dort alle
Sachen
nach einer
gewissen
Zeit
, ohne
Rücksicht
, ob das
betreffende
Verfahren
zu
Ende
ist oder nicht. Und wie
lange
dauern
doch
derartige
Prozesse
,
besonders
in
letzter
Zeit
! Sie
bekämen
dann
schließlich
allerdings
vom
Depot
den
Erlös
, aber dieser
Erlös
ist
erstens
an sich schon
gering
,
denn
beim
Verkauf
entscheidet
nicht die
Höhe
des
Angebotes
,
sondern
die
Höhe
der
Bestechung
, und weiter
verringern
sich solche
Erlöse
erfahrungsgemäß
, wenn sie von
Hand
zu
Hand
und von
Jahr
zu
Jahr
weitergegeben
werden."
K
.
achtete
auf diese
Reden
kaum
, das
Verfügungsrecht
über seine
Sachen
, das er vielleicht noch
besaß
,
schätzte
er nicht
hoch
ein, viel
wichtiger
war es
ihm
,
Klarheit
über seine
Lage
zu
bekommen
; in
Gegenwart
dieser
Leute
konnte er aber nicht
einmal
nachdenken
, immer wieder
stieß
der
Bauch
des
zweiten
Wächters
- es
konnten
ja nur
Wächter
sein
-
förmlich
freundschaftlich
an
ihn
,
sah
er aber auf, dann
erblickte
er ein zu diesem
dicken
Körper
gar
nicht
passendes
trockenes
,
knochiges
Gesicht
mit
starker
,
seitlich
gedrehter
Nase
, das sich über
ihn
hinweg
mit dem
anderen
Wächter
verständigte
. Was
waren
denn
das
für
Menschen
?
Wovon
sprachen
sie?
Welcher
Behörde
gehörten
sie an?
K
.
lebte
doch in einem
Rechtsstaat
,
überall
herrschte
Friede
, alle
Gesetze
bestanden
aufrecht
, wer
wagte
,
ihn
in seiner
Wohnung
zu
überfallen
? Er
neigte
stets
dazu, alles
möglichst
leicht
zu
nehmen
, das
Schlimmste
erst
beim
Eintritt
des
Schlimmsten
zu
glauben
, keine
Vorsorge
für
die
Zukunft
zu
treffen
, selbst wenn alles
drohte
. Hier
schien
ihm
das aber nicht richtig, man konnte zwar das
Ganze
als
Spaß
ansehen
, als einen
groben
Spaß
, den
ihm
aus
unbekannten
Gründen
, vielleicht weil
heute
sein
dreißigster
Geburtstag
war, die
Kollegen
in der
Bank
veranstaltet
hatten, es war
natürlich
möglich
, vielleicht
brauchte
er nur auf irgendeine
Weise
den
Wächtern
ins
Gesicht
zu
lachen
, und sie
würden
mitlachen
, vielleicht
waren
es
Dienstmänner
von der
Straßenecke
, sie
sahen
ihnen nicht
unähnlich
- trotzdem war er
diesmal
,
förmlich
schon seit dem
ersten
Anblick
des
Wächters
Franz
,
entschlossen
, nicht den
geringsten
Vorteil
, den er vielleicht
gegenüber
diesen
Leuten
besaß
, aus der
Hand
zu
geben
. Darin, daß man
später
sagen
würde
, er habe
keinen
Spaß
verstanden
,
sah
K
. eine
ganz
geringe
Gefahr
,
wohl
aber
erinnerte
er sich - ohne daß es sonst seine
Gewohnheit
gewesen
wäre
, aus
Erfahrungen
zu
lernen
- an einige, an sich
unbedeutende
Fälle
, in denen er zum
Unterschied
von seinen
Freunden
mit
Bewußtsein
, ohne das
geringste
Gefühl
für
die
möglichen
Folgen
, sich
unvorsichtig
benommen
hatte und dafür durch das
Ergebnis
gestraft
worden
war. Es
sollte
nicht wieder
geschehen
,
zumindest
nicht
diesmal
; war es eine
Komödie
, so
wollte
er
mitspielen
.
Noch war er
frei
. "
Erlauben
Sie",
sagte
er und
ging
eilig
zwischen den
Wächtern
durch in
sein
Zimmer
. "Er
scheint
vernünftig
zu
sein
",
hörte
er hinter sich
sagen
. In seinem
Zimmer
riß
er
gleich
die
Schubladen
des
Schreibtischs
auf, es
lag
dort alles in
großer
Ordnung
, aber
gerade
die
Legitimationspapiere
, die er
suchte
, konnte er in der
Aufregung
nicht
gleich
finden
.
Schließlich
fand
er seine
Radfahrlegitimation
und
wollte
schon mit ihr zu den
Wächtern
gehen
, dann aber
schien
ihm
das
Papier
zu
geringfügig
und er
suchte
weiter, bis er den
Geburtsschein
fand
. Als er wieder in das
Nebenzimmer
zurückkam
,
öffnete
sich
gerade
die
gegenüberliegende
Tür
und
Frau
Grubach
wollte
dort
eintreten
. Man
sah
sie nur einen
Augenblick
,
denn
kaum
hatte sie
K
.
erkannt
, als sie
offenbar
verlegen
wurde
, um
Verzeihung
bat
,
verschwand
und
äußerst
vorsichtig
die
Tür
schloß
. "
Kommen
Sie doch
herein
", hatte
K
.
gerade
noch
sagen
können
. Nun aber
stand
er mit seinen
Papieren
in der
Mitte
des
Zimmers
,
sah
noch auf die
Tür
hin, die sich nicht wieder
öffnete
, und
wurde
erst
durch einen
Anruf
der
Wächter
aufgeschreckt
, die bei dem
Tischchen
am
offenen
Fenster
saßen
und, wie
K
. jetzt
erkannte
,
sein
Frühstück
verzehrten
. "Warum ist sie nicht
eingetreten
?"
fragte
er. "Sie
darf
nicht",
sagte
der
große
Wächter
. "Sie sind doch
verhaftet
." "Wie kann ich
denn
verhaftet
sein
? Und
gar
auf diese
Weise
?" "Nun
fangen
Sie also wieder an",
sagte
der
Wächter
und
tauchte
ein
Butterbrot
ins
Honigfäßchen
. "Solche
Fragen
beantworten
wir nicht." "Sie werden sie
beantworten
müssen
",
sagte
K
. "Hier sind meine
Legitimationspapiere
,
zeigen
Sie mir jetzt die
Ihrigen
und
vor
allem den
Verhaftbefehl
." "Du
lieber
Himmel
!"
sagte
der
Wächter
. "Daß Sie sich in Ihre
Lage
nicht
fügen
können
und daß Sie es darauf
angelegt
zu haben
scheinen
, uns, die wir Ihnen jetzt
wahrscheinlich
von
allen
Ihren
Mitmenschen
am
nächsten
stehen
,
nutzlos
zu
reizen
!" "Es ist so,
glauben
Sie es doch",
sagte
Franz
,
führte
die
Kaffeetasse
, die er in der
Hand
hielt
, nicht zum
Mund
,
sondern
sah
K
. mit einem
langen
,
wahrscheinlich
bedeutungsvollen
, aber
unverständlichen
Blick
an.
K
.
ließ
sich, ohne es zu
wollen
, in ein
Zwiegespräch
der
Blicke
mit
Franz
ein,
schlug
dann aber doch auf seine
Papiere
und
sagte
: "Hier sind meine
Legitimationspapiere
." "Was
kümmern
uns
denn
die?"
rief
nun schon der
große
Wächter
. "Sie
führen
sich
ärger
auf als ein
Kind
. Was
wollen
Sie
denn
?
Wollen
Sie Ihren
großen
,
verfluchten
Prozeß
dadurch
zu einem
raschen
Ende
bringen
, daß Sie mit uns, den
Wächtern
, über
Legitimation
und
Verhaftbefehl
diskutieren
? Wir sind
niedrige
Angestellte
, die sich in einem
Legitimationspapier
kaum
auskennen
und die mit Ihrer
Sache
nichts
anderes
zu tun haben, als daß sie zehn
Stunden
täglich
bei Ihnen
Wache
halten
und dafür
bezahlt
werden. Das ist alles, was wir sind, trotzdem aber sind wir
fähig
,
einzusehen
, daß die
hohen
Behörden
, in deren
Dienst
wir
stehen
,
ehe
sie eine solche
Verhaftung
verfügen
, sich sehr
genau
über die
Gründe
der
Verhaftung
und die
Person
des
Verhafteten
unterrichten
. Es
gibt
darin
keinen
Irrtum
.
Unsere
Behörde
,
soweit
ich sie
kenne
, und ich
kenne
nur die
niedrigsten
Grade
,
sucht
doch nicht etwa die
Schuld
in der
Bevölkerung
,
sondern
wird, wie es im
Gesetz
heißt
, von der
Schuld
angezogen
und
muß
uns
Wächter
ausschicken
. Das ist
Gesetz
. Wo
gäbe
es
da
einen
Irrtum
?" "Dieses
Gesetz
kenne
ich nicht",
sagte
K
. "
Desto
schlimmer
für
Sie",
sagte
der
Wächter
. "Es
besteht
wohl
auch nur in Ihren
Köpfen
",
sagte
K
., er
wollte
sich irgendwie in die
Gedanken
der
Wächter
einschleichen
, sie zu seinen
Gunsten
wenden
oder sich dort
einbürgern
. Aber der
Wächter
sagte
nur
abweisend
: "Sie werden es zu
fühlen
bekommen
."
Franz
mischte
sich ein und
sagte
: "
Sieh
,
Willem
, er
gibt
zu, er
kenne
das
Gesetz
nicht, und
behauptet
gleichzeitig
,
schuldlos
zu
sein
." "Du hast
ganz
recht
, aber
ihm
kann man nichts
begreiflich
machen
",
sagte
der
andere
.
K
.
antwortete
nichts mehr;
muß
ich,
dachte
er, durch das
Geschwätz
dieser
niedrigsten
Organe
- sie
geben
selbst zu, es zu
sein
- mich noch mehr
verwirren
lassen
? Sie
reden
doch
jedenfalls
von
Dingen
, die sie
gar
nicht
verstehen
. Ihre
Sicherheit
ist nur durch ihre
Dummheit
möglich
. Ein
paar
Worte
, die ich mit einem mir
ebenbürtigen
Menschen
sprechen
werde
, werden alles
unvergleichlich
klarer
machen
als die
längsten
Reden
mit diesen. Er
ging
einige
Male
in dem
freien
Raum
des
Zimmers
auf und ab,
drüben
sah
er die
alte
Frau
, die einen noch viel
älteren
Greis
zum
Fenster
gezerrt
hatte, den sie
umschlungen
hielt
.
K
.
mußte
dieser
Schaustellung
ein
Ende
machen
: "
Führen
Sie mich zu Ihrem
Vorgesetzten
",
sagte
er. "Wenn er es
wünscht
; nicht
früher
",
sagte
der
Wächter
, der
Willem
genannt
worden
war. "Und nun
rate
ich Ihnen",
fügte
er hinzu, "in Ihr
Zimmer
zu
gehen
, sich
ruhig
zu
verhalten
und darauf zu
warten
, was über Sie
verfügt
werden wird. Wir
raten
Ihnen,
zerstreuen
Sie sich nicht durch
nutzlose
Gedanken
,
sondern
sammeln
Sie sich, es werden
große
Anforderungen
an Sie
gestellt
werden. Sie haben uns nicht so
behandelt
, wie es unser
Entgegenkommen
verdient
hätte, Sie haben
vergessen
, daß wir,
mögen
wir auch
sein
was immer,
zumindest
jetzt Ihnen
gegenüber
freie
Männer
sind, das ist kein
kleines
Übergewicht
. Trotzdem sind wir
bereit
,
falls
Sie
Geld
haben, Ihnen ein
kleines
Frühstück
aus dem
Kaffeehaus
drüben
zu
bringen
."
Ohne auf dieses
Angebot
zu
antworten
,
stand
K
. ein
Weilchen
lang
still
. Vielleicht
würden
ihn
die
beiden
, wenn er die
Tür
des
folgenden
Zimmers
oder
gar
die
Tür
des
Vorzimmers
öffnete
,
gar
nicht zu
hindern
wagen
, vielleicht
wäre
es die
einfachste
Lösung
des
Ganzen
, daß er es auf die
Spitze
trieb
. Aber vielleicht
würden
sie
ihn
doch
packen
und, war er
einmal
niedergeworfen
, so war auch alle
Überlegenheit
verloren
, die er jetzt ihnen
gegenüber
in
gewisser
Hinsicht
doch
wahrte
. Deshalb
zog
er die
Sicherheit
der
Lösung
vor
, wie sie der
natürliche
Verlauf
bringen
mußte
, und
ging
in
sein
Zimmer
zurück
, ohne daß von seiner
Seite
oder von
Seite
der
Wächter
ein
weiteres
Wort
gefallen
wäre
.
Er
warf
sich auf
sein
Bett
und
nahm
vom
Waschtisch
einen
schönen
Apfel
, den er sich
gestern
abend
für
das
Frühstück
vorbereitet
hatte. Jetzt war er
sein
einziges
Frühstück
und
jedenfalls
, wie er sich beim
ersten
großen
Bissen
versicherte
, viel
besser
, als das
Frühstück
aus dem
schmutzigen
Nachtcafé
gewesen
wäre
, das er durch die
Gnade
der
Wächter
hätte
bekommen
können
. Er
fühlte
sich
wohl
und
zuversichtlich
, in der
Bank
versäumte
er zwar
heute
vormittag
seinen
Dienst
, aber das war bei der
verhältnismäßig
hohen
Stellung
, die er dort
einnahm
,
leicht
entschuldigt
.
Sollte
er die
wirkliche
Entschuldigung
anführen
? Er
gedachte
es zu tun,
Würde
man
ihm
nicht
glauben
, was in diesem
Fall
begreiflich
war, so konnte er
Frau
Grubach
als
Zeugin
führen
oder auch die
beiden
Alten
von
drüben
, die
wohl
jetzt auf dem
Marsch
zum
gegenüberliegenden
Fenster
waren
. Es
wunderte
K
.,
wenigstens
aus dem
Gedankengang
der
Wächter
wunderte
es
ihn
, daß sie
ihn
in das
Zimmer
getrieben
und
ihn
hier allein
gelassen
hatten, wo er doch
zehnfache
Möglichkeit
hatte, sich
umzubringen
.
Gleichzeitig
allerdings
fragte
er sich,
diesmal
aus seinem
Gedankengang
, was
für
einen
Grund
er haben
könnte
, es zu tun. Etwa weil die zwei
nebenan
saßen
und
sein
Frühstück
abgefangen
hatten? Es
wäre
so
sinnlos
gewesen
, sich
umzubringen
, daß er, selbst wenn er es hätte tun
wollen
,
infolge
der
Sinnlosigkeit
dazu nicht
imstande
gewesen
wäre
.
Wäre
die
geistige
Beschränktheit
der
Wächter
nicht so
auffallend
gewesen
, so hätte man
annehmen
können
, daß auch sie,
infolge
der
gleichen
Überzeugung
, keine
Gefahr
darin
gesehen
hätten
,
ihn
allein zu
lassen
. Sie
mochten
jetzt, wenn sie
wollten
,
zusehen
, wie er zu einem
Wandschränkchen
ging
, in dem er einen
guten
Schnaps
aufbewahrte
, wie er ein
Gläschen
zuerst
zum
Ersatz
des
Frühstücks
leerte
und wie er ein
zweites
Gläschen
dazu
bestimmte
, sich
Mut
zu
machen
, das
letztere
nur aus
Vorsicht
für
den
unwahrscheinlichen
Fall
, daß es
nötig
sein
sollte
.
Da
erschreckte
ihn
ein
Zuruf
aus dem
Nebenzimmer
derartig
, daß er mit den
Zähnen
ans
Glas
schlug
. "Der
Aufseher
ruft
Sie!"
hieß
es. Es war nur das
Schreien
, das
ihn
erschreckte
, dieses
kurze
,
abgehackte
,
militärische
Schreien
, das er dem
Wächter
Franz
gar
nicht
zugetraut
hätte. Der
Befehl
selbst war
ihm
sehr
willkommen
. "
Endlich
!"
rief
er
zurück
,
versperrte
den
Wandschrank
und
eilte
sofort
ins
Nebenzimmer
. Dort
standen
die zwei
Wächter
und
jagten
ihn
, als
wäre
das
selbstverständlich
, wieder in
sein
Zimmer
zurück
. "Was
fällt
Euch
ein?"
riefen
sie. "Im
Hemd
wollt
Ihr
vor
den
Aufseher
? Er
läßt
Euch
durchprügeln
und uns mit!" "
Laßt
mich, zum
Teufel
!"
rief
K
., der schon bis zu seinem
Kleiderkasten
zurückgedrängt
war, "wenn man mich im
Bett
überfällt
, kann man nicht
erwarten
, mich im
Festanzug
zu
finden
." "Es
hilft
nichts",
sagten
die
Wächter
, die immer, wenn
K
.
schrie
,
ganz
ruhig
, ja fast
traurig
wurden
und
ihn
dadurch
verwirrten
oder
gewissermaßen
zur
Besinnung
brachten
. "
Lächerliche
Zeremonien
!"
brummte
er noch,
hob
aber schon einen
Rock
vom
Stuhl
und
hielt
ihn
ein
Weilchen
mit
beiden
Händen
, als
unterbreite
er
ihn
dem
Urteil
der
Wächter
. Sie
schüttelten
die
Köpfe
. "Es
muß
ein
schwarzer
Rock
sein
",
sagten
sie.
K
.
warf
daraufhin
den
Rock
zu
Boden
und
sagte
- er
wußte
selbst nicht, in
welchem
Sinne
er es
sagte
-: "Es ist doch noch nicht die
Hauptverhandlung
." Die
Wächter
lächelten
,
blieben
aber bei ihrem: "Es
muß
ein
schwarzer
Rock
Fein
." "Wenn ich
dadurch
die
Sache
beschleunige
,
soll
es mir
recht
sein
",
sagte
K
.,
öffnete
selbst den
Kleiderkasten
,
suchte
lange
unter den
vielen
Kleidern
,
wählte
sein
bestes
schwarzes
Kleid
, ein
Jackettkleid
, das durch seine
Taille
unter den
Bekannten
fast
Aufsehen
gemacht
hatte,
zog
nun auch ein
anderes
Hemd
hervor
und
begann
, sich
sorgfältig
anzuziehen
. Im
geheimen
glaubte
er, eine
Beschleunigung
des
Ganzen
damit
erreicht
zu haben, daß die
Wächter
vergessen
hatten,
ihn
zum
Bad
zu
zwingen
. Er
beobachtete
sie, ob sie sich vielleicht daran doch
erinnern
würden
, aber das
fiel
ihnen
natürlich
gar
nicht ein,
dagegen
vergaß
Willem
nicht,
Franz
mit der
Meldung
, daß sich
K
.
anziehe
, zum
Aufseher
zu
schicken
.
Als er
vollständig
angezogen
war,
mußte
er
knapp
vor
Willem
durch das
leere
Nebenzimmer
in das
folgende
Zimmer
gehen
, dessen
Tür
mit
beiden
Flügeln
bereits
geöffnet
war. Dieses
Zimmer
wurde
, wie
K
.
genau
wußte
, seit
kurzer
Zeit
von einem
Fräulein
Bürstner
, einer
Schreibmaschinistin
,
bewohnt
, die sehr
früh
in die
Arbeit
zu
gehen
pflegte
,
spät
nach
Hause
kam
und mit der
K
. nicht viel mehr als die
Grußworte
gewechselt
hatte. Jetzt war das
Nachttischchen
von ihrem
Bett
als
Verhandlungstisch
in die
Mitte
des
Zimmers
gerückt
, und der
Aufseher
saß
hinter
ihm
. Er hatte die
Beine
übereinandergeschlagen
und einen
Arm
auf die
Rückenlehne
des
Stuhles
gelegt
.
In einer
Ecke
des
Zimmers
standen
drei
junge
Leute
und
sahen
die
Photographien
des
Fräulein
Bürstner
an, die in einer an der
Wand
aufgehängten
Matte
steckten
. An der
Klinke
des
offenen
Fensters
hing
eine
weiße
Bluse
. Im
gegenüberliegenden
Fenster
lagen
wieder die zwei
Alten
, doch hatte sich ihre
Gesellschaft
vergrößert
,
denn
hinter ihnen, sie
weit
überragend
,
stand
ein Mann mit einem auf der
Brust
offenen
Hemd
, der seinen
rötlichen
Spitzbart
mit den
Fingern
drückte
und
drehte
. "
Josef
K
.?"
fragte
der
Aufseher
, vielleicht nur um
K
.
s
zerstreute
Blicke
auf sich zu
lenken
.
K
.
nickte
. "Sie sind durch die
Vorgänge
des
heutigen
Morgens
wohl
sehr
überrascht
?"
fragte
der
Aufseher
und
verschob
dabei mit
beiden
Händen
die
wenigen
Gegenstände
, die auf dem
Nachttischchen
lagen
, die
Kerze
mit
Zündhölzchen
, ein
Buch
und ein
Nadelkissen
, als
seien
es
Gegenstände
, die er zur
Verhandlung
benötige
. "
Gewiß
",
sagte
K
., und das
Wohlgefühl
,
endlich
einem
vernünftigen
Menschen
gegenüberzustehen
und über seine
Angelegenheit
mit
ihm
sprechen
zu
können
,
ergriff
ihn
. "
Gewiß
, ich bin
überrascht
, aber ich bin
keineswegs
sehr
überrascht
." "Nicht sehr
überrascht
?"
fragte
der
Aufseher
und
stellte
nun die
Kerze
in die
Mitte
des
Tischchens
,
während
er die
anderen
Sachen
um sie
gruppierte
. "Sie
mißverstehen
mich vielleicht",
beeilte
sich
K
. zu
bemerken
. "Ich meine" - hier
unterbrach
sich
K
. und
sah
sich nach einem
Sessel
um. "Ich kann mich doch
setzen
?"
fragte
er. "Es ist nicht
üblich
",
antwortete
der
Aufseher
. "Ich meine",
sagte
nun
K
. ohne
weitere
Pause
, "ich bin
allerdings
sehr
überrascht
, aber man ist, wenn man
dreißig
Jahre
auf der
Welt
ist und sich allein hat
durchschlagen
müssen
, wie es mir
beschieden
war, gegen
Überraschungen
abgehärtet
und
nimmt
sie nicht zu
schwer
.
Besonders
die
heutige
nicht." "Warum
besonders
die
heutige
nicht?" "Ich will nicht
sagen
, daß ich das
Ganze
für
einen
Spaß
ansehe
, dafür
scheinen
mir die
Veranstaltungen
, die
gemacht
wurden
, doch zu
umfangreich
. Es
müßten
alle
Mitglieder
der
Pension
daran
beteiligt
sein
und auch Sie alle, das
ginge
über die
Grenzen
eines
Spaßes
. Ich will also nicht
sagen
, daß es ein
Spaß
ist." "
Ganz
richtig",
sagte
der
Aufseher
und
sah
nach, wieviel
Zündhölzchen
in der
Zündhölzchenschachtel
waren
. "
Andererseits
aber",
fuhr
K
.
fort
und
wandte
sich
hierbei
an alle und hätte
gern
sogar die drei bei den
Photographien
sich
zugewendet
, "
andererseits
aber kann die
Sache
auch nicht viel
Wichtigkeit
haben. Ich
folgere
das daraus, daß ich
angeklagt
bin, aber nicht die
geringste
Schuld
auffinden
kann, wegen deren man mich
anklagen
könnte
. Aber auch das ist
nebensächlich
, die
Hauptfrage
ist, von wem bin ich
angeklagt
?
Welche
Behörde
führt
das
Verfahren
? Sind Sie
Beamte
? Keiner hat eine
Uniform
, wenn man nicht Ihr
Kleid
" - hier
wandte
er sich an
Franz
- "eine
Uniform
nennen
will, aber es ist doch
eher
ein
Reiseanzug
. In diesen
Fragen
verlange
ich
Klarheit
, und ich bin
überzeugt
, daß wir nach dieser
Klarstellung
voneinander
den
herzlichsten
Abschied
werden
nehmen
können
." Der
Aufseher
schlug
die
Zündhölzchenschachtel
auf den
Tisch
nieder. "Sie
befinden
sich in einem
großen
Irrtum
",
sagte
er. "Diese
Herren
hier und ich sind
für
Ihre
Angelegenheit
vollständig
nebensächlich
, ja wir
wissen
sogar von ihr fast nichts. Wir
könnten
die
regelrechtesten
Uniformen
tragen
, und Ihre
Sache
würde
um nichts
schlechter
stehen
. Ich kann Ihnen auch
durchaus
nicht
sagen
, daß Sie
angeklagt
sind oder
vielmehr
, ich
weiß
nicht, ob Sie es sind. Sie sind
verhaftet
, das ist richtig, mehr
weiß
ich nicht. Vielleicht haben die
Wächter
etwas
anderes
geschwätzt
, dann ist es
eben
nur
Geschwätz
gewesen
. Wenn ich nun aber auch Ihre
Fragen
nicht
beantworte
, so kann ich Ihnen doch
raten
,
denken
Sie
weniger
an uns und an das, was mit Ihnen
geschehen
wird,
denken
Sie
lieber
mehr an sich. Und
machen
Sie
keinen
solchen
Lärm
mit dem
Gefühl
Ihrer
Unschuld
, es
stört
den nicht
gerade
schlechten
Eindruck
, den Sie im
übrigen
machen
. Auch
sollten
Sie
überhaupt
im
Reden
zurückhaltender
sein
, fast alles, was Sie
vorhin
gesagt
haben, hätte man auch, wenn Sie nur ein
paar
Worte
gesagt
hätten
, Ihrem
Verhalten
entnehmen
können
,
außerdem
war es nichts
für
Sie
übermäßig
Günstiges
."
K
.
starrte
den
Aufseher
an.
Schulmäßige
Lehren
bekam
er hier von einem vielleicht
jüngeren
Menschen
?
Für
seine
Offenheit
wurde
er mit einer
Rüge
bestraft
? Und über den
Grund
seiner
Verhaftung
und über deren
Auftraggeber
erfuhr
er nichts? Er
geriet
in eine
gewisse
Aufregung
,
ging
auf und ab,
woran
ihn
niemand
hinderte
,
schob
seine
Manschetten
zurück
,
befühlte
die
Brust
,
strich
sein
Haar
zurecht
,
kam
an den drei
Herren
vorüber
,
sagte
: "Es ist ja
sinnlos
",
worauf
sich diese zu
ihm
umdrehten
und
ihn
entgegenkommend
, aber
ernst
ansahen
und
machte
endlich
wieder
vor
dem
Tisch
des
Aufsehers
halt
. "Der
Staatsanwalt
Hasterer
ist mein
guter
Freund
",
sagte
er, "kann ich
ihm
telephonieren
?" "
Gewiß
",
sagte
der
Aufseher
, "aber ich
weiß
nicht,
welchen
Sinn
das haben
sollte
, es
müßte
denn
sein
, daß Sie irgendeine
private
Angelegenheit
mit
ihm
zu
besprechen
haben." "
Welchen
Sinn
?"
rief
K
., mehr
bestürzt
als
geärgert
. "Wer sind Sie
denn
? Sie
wollen
einen
Sinn
und
führen
dieses
Sinnloseste
auf, das es
gibt
? Ist es nicht zum
Steinerweichen
? Die
Herren
haben mich
zuerst
überfallen
, und jetzt
sitzen
oder
stehen
sie hier
herum
und
lassen
mich
vor
Ihnen die
Hohe
Schule
reiten
.
Welchen
Sinn
es hätte, an einen
Staatsanwalt
zu
telephonieren
, wenn ich
angeblich
verhaftet
bin?
Gut
, ich
werde
nicht
telephonieren
." "Aber doch",
sagte
der
Aufseher
und
streckte
die
Hand
zum
Vorzimmer
aus, wo das
Telephon
war, "
bitte
,
telephonieren
Sie doch." "Nein, ich will nicht mehr",
sagte
K
. und
ging
zum
Fenster
.
Drüben
war noch die
Gesellschaft
beim
Fenster
und
schien
nur jetzt
dadurch
, daß
K
. ans
Fenster
herangetreten
war, in der
Ruhe
des
Zuschauens
ein wenig
gestört
. Die
Alten
wollten
sich
erheben
, aber der Mann hinter ihnen
beruhigte
sie. "Dort sind auch solche
Zuschauer
",
rief
K
.
ganz
laut
dem
Aufseher
zu und
zeigte
mit dem
Zeigefinger
hinaus. "
Weg
von dort",
rief
er dann
hinüber
. Die drei
wichen
auch
sofort
ein
paar
Schritte
zurück
, die
beiden
Alten
sogar noch hinter den Mann, der sie mit seinem
breiten
Körper
deckte
und, nach seinen
Mundbewegungen
zu
schließen
,
irgend
etwas auf die
Entfernung
hin
Unverständliches
sagte
.
Ganz
aber
verschwanden
sie nicht,
sondern
schienen
auf den
Augenblick
zu
warten
, in dem sie sich
unbemerkt
wieder dem
Fenster
nähern
könnten
. "
Zudringliche
,
rücksichtslose
Leute
!"
sagte
K
., als er sich
ins
Zimmer
zurückwendete
. Der
Aufseher
stimmte
ihm
möglicherweise
zu, wie
K
. mit einem
Seitenblick
zu
erkennen
glaubte
. Aber es war
ebensogut
möglich
, daß er
gar
nicht
zugehört
hatte,
denn
er hatte eine
Hand
fest
auf den
Tisch
gedrückt
und
schien
die
Finger
ihrer
Länge
nach zu
vergleichen
. Die zwei
Wächter
saßen
auf einem mit einer
Schmuckdecke
verhüllten
Koffer
und
rieben
ihre
Knie
. Die drei
jungen
Leute
hatten die
Hände
in die
Hüften
gelegt
und
sahen
ziellos
herum
. Es war
still
wie in
irgendeinem
vergessenen
Büro
. "Nun, meine
Herren
",
rief
K
., es
schien
ihm
einen
Augenblick
lang
, als
trage
er alle auf seinen
Schultern
, "Ihrem
Aussehen
nach zu
schließen
,
dürfte
meine
Angelegenheit
beendet
sein
. Ich bin der
Ansicht
, daß es am
besten
ist, über die
Berechtigung
oder
Nichtberechtigung
Ihres
Vorgehens
nicht mehr
nachzudenken
und der
Sache
durch einen
gegenseitigen
Händedruck
einen
versöhnlichen
Abschluß
zu
geben
. Wenn auch Sie meiner
Ansicht
sind, dann
bitte
-" und er
trat
an den
Tisch
des
Aufsehers
hin und
reichte
ihm
die
Hand
. Der
Aufseher
hob
die
Augen
,
nagte
an den
Lippen
und
sah
auf
K
.
s
ausgestreckte
Hand
; noch immer
glaubte
K
., der
Aufseher
werde
einschlagen
. Dieser aber
stand
auf,
nahm
einen
harten
,
runden
Hut
, der auf
Fräulein
Bürstners
Bett
lag
, und
setzte
sich
ihn
vorsichtig
mit
beiden
Händen
auf, wie man es bei der
Anprobe
neuer
Hüte
tut. "Wie
einfach
Ihnen alles
scheint
!"
sagte
er dabei zu
K
., "wir
sollten
der
Sache
einen
versöhnlichen
Abschluß
geben
,
meinten
Sie? Nein, nein, das
geht
wirklich
nicht. Womit ich
andererseits
durchaus
nicht
sagen
will, daß Sie
verzweifeln
sollen
. Nein, warum
denn
? Sie sind nur
verhaftet
, nichts weiter. Das hatte ich Ihnen
mitzuteilen
, habe es
getan
und habe auch
gesehen
, wie Sie es
aufgenommen
haben. Damit ist es
für
heute
genug und wir
können
uns
verabschieden
,
allerdings
nur
vorläufig
. Sie werden
wohl
jetzt in die
Bank
gehen
wollen
?" "In die
Bank
?"
fragte
K
., "ich
dachte
, ich
wäre
verhaftet
."
K
.
fragte
mit einem
gewissen
Trotz
,
denn
obwohl
sein
Handschlag
nicht
angenommen
worden
war,
fühlte
er sich,
insbesondere
seitdem
der
Aufseher
aufgestanden
war., immer
unabhängiger
von
allen
diesen
Leuten
. Er
spielte
mit ihnen. Er hatte die
Absicht
,
falls
sie
weggehen
sollten
, bis zum
Haustor
nachzulaufen
und ihnen seine
Verhaftung
anzubieten
. Darum
wiederholte
er auch: "Wie kann ich
denn
in die
Bank
gehen
,
da
ich
verhaftet
bin?" "
Ach
so",
sagte
der
Aufseher
, der schon bei der
Tür
war, "Sie haben mich
mißverstanden
. Sie sind
verhaftet
,
gewiß
, aber das
soll
Sie nicht
hindern
, Ihren
Beruf
zu
erfüllen
. Sie
sollen
auch in Ihrer
gewöhnlichen
Lebensweise
nicht
gehindert
sein
." "Dann ist das
Verhaftetsein
nicht sehr
schlimm
",
sagte
K
. und
ging
nahe
an den
Aufseher
heran. "Ich
meinte
es
niemals
anders",
sagte
dieser. "Es
scheint
aber dann nicht
einmal
die
Mitteilung
der
Verhaftung
sehr
notwendig
gewesen
zu
sein
",
sagte
K
. und
ging
noch
näher
. Auch die
anderen
hatten sich
genähert
. Alle
waren
jetzt auf einem
engen
Raum
bei der
Tür
versammelt
. "Es war meine
Pflicht
",
sagte
der
Aufseher
. "Eine
dumme
Pflicht
",
sagte
K
.
unnachgiebig
. "
Mag
sein
",
antwortete
der
Aufseher
, "aber wir
wollen
mit
solchen
Reden
nicht
unsere
Zeit
verlieren
. Ich hatte
angenommen
, daß Sie in die
Bank
gehen
wollen
.
Da
Sie auf alle
Worte
aufpassen
,
füge
ich hinzu: ich
zwinge
Sie nicht, in die
Bank
zu
gehen
, ich hatte nur
angenommen
, daß Sie es
wollen
. Und um Ihnen das zu
erleichtern
und Ihre
Ankunft
in der
Bank
möglichst
unauffällig
zu
machen
, habe ich diese drei
Herren
, Ihre
Kollegen
, hier zu Ihrer
Verfügung
gestellt
." "Wie?"
rief
K
. und
staunte
die drei an. Diese so
uncharakteristischen
,
blutarmen
,
jungen
Leute
, die er immer noch nur als
Gruppe
bei den
Photographien
in der
Erinnerung
hatte,
waren
tatsächlich
Beamte
aus seiner
Bank
, nicht
Kollegen
, das war zu viel
gesagt
und
bewies
eine
Lücke
in der
Allwissenheit
des
Aufsehers
, aber
untergeordnete
Beamte
aus der
Bank
waren
es
allerdings
. Wie hatte
K
. das
übersehen
können
? Wie hatte er doch
hingenommen
sein
müssen
von dem
Aufseher
und den
Wächtern
, um diese drei nicht zu
erkennen
! Den
steifen
, die
Hände
schwingenden
Rabensteiner
, den
blonden
Kullich
mit den
tiefliegenden
Augen
und
Kaminer
mit dem
unausstehlichen
, durch eine
chronische
Muskelzerrung
bewirkten
Lächeln
. "
Guten
Morgen
",
sagte
K
. nach einem
Weilchen
und
reichte
den sich
korrekt
verbeugenden
Herren
die
Hand
. "Ich habe Sie
gar
nicht
erkannt
. Nun werden wir also an die
Arbeit
gehen
, nicht?" Die
Herren
nickten
lachend
und
eifrig
, als
hätten
sie die
ganze
Zeit
über darauf
gewartet
, nur als
K
. seinen
Hut
vermißte
, der in seinem
Zimmer
liegengeblieben
war,
liefen
sie
sämtlich
hintereinander
,
ihn
holen
, was
immerhin
auf eine
gewisse
Verlegenheit
schließen
ließ
.
K
.
stand
still
und
sah
ihnen durch die zwei
offenen
Türen
nach, der
letzte
war
natürlich
der
gleichgültige
Rabensteiner
, der
bloß
einen
eleganten
Trab
angeschlagen
hatte.
Kaminer
überreichte
den
Hut
, und
K
.
mußte
sich, wie dies
übrigens
auch
öfters
in der
Bank
nötig
war,
ausdrücklich
sagen
, daß
Kaminers
Lächeln
nicht
Absicht
war, ja daß er
überhaupt
absichtlich
nicht
lächeln
konnte. Im
Vorzimmer
öffnete
dann
Frau
Grubach
, die
gar
nicht sehr
schuldbewußt
aussah
, der
ganzen
Gesellschaft
die
Wohnungstür
, und
K
.
sah
, wie so
oft
, auf ihr
Schürzenband
nieder, das so
unnötig
tief
in ihren
mächtigen
Leib
einschnitt
.
Unten
entschloß
sich
K
., die
Uhr
in der
Hand
, ein
Automobil
zu
nehmen
, um die schon
halbstündige
Verspätung
nicht
unnötig
zu
vergrößern
.
Kaminer
lief
zur
Ecke
, um den
Wagen
zu
holen
, die zwei
anderen
versuchten
offensichtlich
,
K
. zu
zerstreuen
, als
plötzlich
Kullich
auf das
gegenüberliegende
Haustor
zeigte
, in dem
eben
der
große
Mann mit dem
blonden
Spitzbart
erschien
und, im
ersten
Augenblick
ein wenig
verlegen
darüber
, daß er sich jetzt in seiner
ganzen
Größe
zeigte
, zur
Wand
zurücktrat
und sich
anlehnte
. Die
Alten
waren
wohl
noch auf der
Treppe
.
K
.
ärgerte
sich über
Kullich
, daß dieser auf den Mann
aufmerksam
machte
, den er selbst schon
früher
gesehen
, ja den er sogar
erwartet
hatte. "
Schauen
Sie nicht hin!"
stieß
er
hervor
, ohne zu
bemerken
, wie
auffallend
eine solche
Redeweise
gegenüber
selbständigen
Männern
war. Es war aber auch keine
Erklärung
nötig
,
denn
gerade
kam
das
Automobil
, man
setzte
sich und
fuhr
los
.
Da
erinnerte
sich
K
., daß er das
Weggehen
des
Aufsehers
und der
Wächter
gar
nicht
bemerkt
hatte, der
Aufseher
hatte
ihm
die drei
Beamten
verdeckt
und nun wieder die
Beamten
den
Aufseher
. Viel
Geistesgegenwart
bewies
das nicht, und
K
.
nahm
sich
vor
, sich in dieser
Hinsicht
genauer
zu
beobachten
. Doch
drehte
er sich noch
unwillkürlich
um und
beugte
sich über das
Hinterdeck
des
Automobils
vor
, um
möglicherweise
den
Aufseher
und die
Wächter
noch zu
sehen
. Aber
gleich
wendete
er sich wieder
zurück
und
lehnte
sich
bequem
in die
Wagenecke
, ohne auch nur den
Versuch
gemacht
zu haben,
jemanden
zu
suchen
. Obwohl es nicht den
Anschein
hatte, hätte er
gerade
jetzt
Zuspruch
nötig
gehabt
, aber nun
schienen
die
Herren
ermüdet
,
Rabensteiner
sah
rechts
aus dem
Wagen
,
Kullich
links
, und nur
Kaminer
stand
mit seinem
Grinsen
zur
Verfügung
, über das einen
Spaß
zu
machen
leider
die
Menschlichkeit
verbot
.
In diesem
Frühjahr
pflegte
K
. die
Abende
in der
Weise
zu
verbringen
, daß er nach der
Arbeit
, wenn dies noch
möglich
war - er
saß
meistens
bis neun
Uhr
im
Büro
-, einen
kleinen
Spaziergang
allein oder mit
Beamten
machte
und dann in eine
Bierstube
ging
, wo er an einem
Stammtisch
mit
meist
älteren
Herren
gewöhnlich
bis elf
Uhr
beisammensaß
. Es
gab
aber auch
Ausnahmen
von dieser
Einteilung
, wenn
K
. zum
Beispiel
vom
Bankdirektor
, der seine
Arbeitskraft
und
Vertrauenswürdigkeit
sehr
schätzte
, zu einer
Autofahrt
oder zu einem
Abendessen
in seiner
Villa
eingeladen
wurde
.
Außerdem
ging
K
.
einmal
in der
Woche
zu einem
Mädchen
namens
Elsa
, die
während
der
Nacht
bis in den
späten
Morgen
als
Kellnerin
in einer
Weinstube
bediente
und
während
des
Tages
nur vom
Bett
aus
Besuche
empfing
.
An diesem
Abend
aber - der
Tag
war unter
angestrengter
Arbeit
und
vielen
ehrenden
und
freundschaftlichen
Geburtstagswünschen
schnell
verlaufen
-
wollte
K
.
sofort
nach
Hause
gehen
. In
allen
kleinen
Pausen
der
Tagesarbeit
hatte er daran
gedacht
; ohne
genau
zu
wissen
, was er
meinte
,
schien
es
ihm
, als ob durch die
Vorfälle
des
Morgens
eine
große
Unordnung
in der
ganzen
Wohnung
der
Frau
Grubach
verursacht
worden
sei
und daß
gerade
er
nötig
sei
, um die
Ordnung
wiederherzustellen
. War aber
einmal
diese
Ordnung
hergestellt
, dann war jede
Spur
jener
Vorfälle
ausgelöscht
und alles
nahm
seinen
alten
Gang
wieder auf.
Insbesondere
von den drei
Beamten
war nichts zu
befürchten
, sie
waren
wieder in die
große
Beamtenschaft
der
Bank
versenkt
, es war keine
Veränderung
an ihnen zu
bemerken
.
K
. hatte sie
öfters
einzeln
und
gemeinsam
in
sein
Büro
berufen
, zu
keinem
andern
Zweck
, als um sie zu
beobachten
; immer hatte er sie
befriedigt
entlassen
können
.
Als er um
halb
zehn
Uhr
abends
vor
dem
Hause
, in dem er
wohnte
,
ankam
,
traf
er im
Haustor
einen
jungen
Burschen
, der dort
breitbeinig
stand
und eine
Pfeife
rauchte
. "Wer sind Sie?"
fragte
K
.
sofort
und
brachte
sein
Gesicht
nahe
an den
Burschen
, man
sah
nicht viel im
Halbdunkel
des
Flurs
. "Ich bin der
Sohn
des
Hausmeisters
,
gnädiger
Herr
",
antwortete
der
Bursche
,
nahm
die
Pfeife
aus dem
Mund
und
trat
zur
Seite
. "Der
Sohn
des
Hausmeisters
?"
fragte
K
. und
klopfte
mit seinem
Stock
ungeduldig
den
Boden
. "
Wünscht
der
gnädige
Herr
etwas?
Soll
ich den
Vater
holen
?" "Nein, nein",
sagte
K
., in seiner
Stimme
lag
etwas
Verzeihendes
, als habe der
Bursche
etwas
Böses
ausgeführt
, er aber
verzeihe
ihm
. "Es ist
gut
",
sagte
er dann und
ging
weiter, aber
ehe
er die
Treppe
hinaufstieg
,
drehte
er sich noch
einmal
um.
Er hätte
geradewegs
in
sein
Zimmer
gehen
können
, aber
da
er mit
Frau
Grubach
sprechen
wollte
,
klopfte
er
gleich
an ihre
Tür
an. Sie
saß
mit einem
Strickstrumpf
am
Tisch
, auf dem noch ein
Haufen
alter
Strümpfe
lag
.
K
.
entschuldigte
sich
zerstreut
, daß er so
spät
komme
, aber
Frau
Grubach
war sehr
freundlich
und
wollte
keine
Entschuldigung
hören
,
für
ihn
sei
sie immer zu
sprechen
, er
wisse
sehr
gut
, daß er ihr
bester
und
liebster
Mieter
sei
.
K
.
sah
sich im
Zimmer
um, es war wieder
vollkommen
in seinem
alten
Zustand
, das
Frühstücksgeschirr
, das
früh
auf dem
Tischchen
beim
Fenster
gestanden
hatte, war auch schon
weggeräumt
. "
Frauenhände
bringen
doch im
stillen
viel
fertig
",
dachte
er, er hätte das
Geschirr
vielleicht auf der
Stelle
zerschlagen
, aber
gewiß
nicht
hinaustragen
können
. Er
sah
Frau
Grubach
mit einer
gewissen
Dankbarkeit
an. "Warum
arbeiten
Sie noch so
spät
?"
fragte
er. Sie
saßen
nun
beide
am
Tisch
, und
K
.
vergrub
von
Zeit
zu
Zeit
seine
Hand
in die
Strümpfe
. "Es
gibt
viel
Arbeit
",
sagte
sie, "
während
des
Tages
gehöre
ich den
Mietern
; wenn ich meine
Sachen
in
Ordnung
bringen
will,
bleiben
mir nur die
Abende
." "Ich habe Ihnen
heute
wohl
noch eine
außergewöhnliche
Arbeit
gemacht
?" "Wieso
denn
?"
fragte
sie, etwas
eifriger
werdend
, die
Arbeit
ruhte
in ihrem
Schoße
. "Ich meine die
Männer
, die
heute
früh
hier
waren
." "
Ach
so",
sagte
sie und
kehrte
wieder in ihre
Ruhe
zurück
, "das hat mir keine
besondere
Arbeit
gemacht
."
K
.
sah
schweigend
zu, wie sie den
Strickstrumpf
wieder
vornahm
. Sie
scheint
sich zu
wundern
, daß ich davon
spreche
,
dachte
er, sie
scheint
es nicht
für
richtig zu
halten
, daß ich davon
spreche
.
Desto
wichtiger
ist es, daß ich es
tue
. Nur mit einer
alten
Frau
kann ich davon
sprechen
. "Doch,
Arbeit
hat es
gewiß
gemacht
",
sagte
er dann, "aber es wird nicht wieder
vorkommen
." "Nein, das kann nicht wieder
vorkommen
",
sagte
sie
bekräftigend
und
lächelte
K
. fast
wehmütig
an. "Meinen Sie das
ernstlich
?"
fragte
K
. "Ja",
sagte
sie
leiser
, "aber
vor
allem
dürfen
Sie es nicht zu
schwer
nehmen
. Was
geschieht
nicht alles in der
Welt
!
Da
Sie so
vertraulich
mit mir
reden
,
Herr
K
., kann ich Ihnen ja
eingestehen
, daß ich ein wenig hinter der
Tür
gehorcht
habe und daß mir auch die
beiden
Wächter
einiges
erzählt
haben. Er
handelt
sich ja um Ihr
Glück
und das
liegt
mir
wirklich
am
Herzen
, mehr als mir vielleicht
zusteht
,
denn
ich bin ja
bloß
die
Vermieterin
. Nun, ich habe also
einiges
gehört
, aber ich kann nicht
sagen
, daß es etwas
besonders
Schlimmes
war. Nein. Sie sind zwar
verhaftet
, aber nicht so wie ein
Dieb
verhaftet
wird. Wenn man wie ein
Dieb
verhaftet
wird, so ist es
schlimm
, aber diese
Verhaftung
-. Es
kommt
mir wie etwas
Gelehrtes
vor
,
entschuldigen
Sie, wenn ich etwas
Dummes
sage
, es
kommt
mir wie etwas
Gelehrtes
vor
, das ich zwar nicht
verstehe
, das man aber auch nicht
verstehen
muß
."
"Es ist
gar
nichts
Dummes
was Sie
gesagt
haben,
Frau
Grubach
,
wenigstens
bin auch ich zum
Teil
Ihrer
Meinung
, nur
urteile
ich über das
Ganze
noch
schärfer
als Sie und
halte
es
einfach
nicht
einmal
für
etwas
Gelehrtes
,
sondern
überhaupt
für
nichts. Ich
wurde
überrumpelt
, das war es.
Wäre
ich
gleich
nach dem
Erwachen
, ohne mich durch das
Ausbleiben
der
Anna
beirren
zu
lassen
,
aufgestanden
und ohne
Rücksicht
auf
irgend
jemand
, der mir in den
Weg
getreten
wäre
, zu Ihnen
gegangen
, hätte ich
diesmal
ausnahmsweise
etwa in der
Küche
gefrühstückt
, hätte mir von Ihnen die
Kleidungsstücke
aus
meinem
Zimmer
bringen
lassen
,
kurz
, hätte ich
vernünftig
gehandelt
, so
wäre
nichts weiter
geschehen
, es
wäre
alles, was werden
wollte
,
erstickt
worden
. Man ist aber so wenig
vorbereitet
. In der
Bank
zum
Beispiel
bin ich
vorbereitet
, dort
könnte
mir etwas
Derartiges
unmöglich
geschehen
, ich habe dort einen
eigenen
Diener
, das
allgemeine
Telephon
und das
Bürotelephon
stehen
vor
mir auf dem
Tisch
,
immerfort
kommen
Leute
,
Parteien
und
Beamte
,
außerdem
aber und
vor
allem bin ich dort
immerfort
im
Zusammenhang
der
Arbeit
, daher
geistesgegenwärtig
, es
würde
mir
geradezu
ein
Vergnügen
machen
, dort einer
solchen
Sache
gegenübergestellt
zu werden. Nun, es ist
vorüber
und ich
wollte
eigentlich
auch
gar
nicht mehr
darüber
sprechen
, nur Ihr
Urteil
, das
Urteil
einer
vernünftigen
Frau
,
wollte
ich
hören
und bin sehr
froh
, daß wir darin
übereinstimmen
. Nun
müssen
Sie mir aber die
Hand
reichen
, eine solche
Übereinstimmung
muß
durch
Handschlag
bekräftigt
werden."
Ob sie mir die
Hand
reichen
wird? Der
Aufseher
hat mir die
Hand
nicht
gereicht
,
dachte
er und
sah
die
Frau
anders als
früher
,
prüfend
an. Sie
stand
auf, weil auch er
aufgestanden
war, sie war ein wenig
befangen
, weil ihr nicht alles, was
K
.
gesagt
hatte,
verständlich
gewesen
war.
Infolge
dieser
Befangenheit
sagte
sie aber etwas, was sie
gar
nicht
wollte
und was auch
gar
nicht am
Platze
war: "
Nehmen
Sie es doch nicht so
schwer
,
Herr
K
.",
sagte
sie, hatte
Tränen
in der
Stimme
und
vergaß
natürlich
auch den
Handschlag
. "Ich
wüßte
nicht, daß ich es
schwer
nehme
",
sagte
K
.,
plötzlich
ermüdet
und das
Wertlose
aller
Zustimmungen
dieser
Frau
einsehend
.
Bei der
Tür
fragte
er noch: "Ist
Fräulein
Bürstner
zu
Hause
?" "Nein",
sagte
Frau
Grubach
und
lächelte
bei dieser
trockenen
Auskunft
mit einer
verspäteten
vernünftigen
Teilnahme
. "Sie ist im
Theater
.
Wollten
Sie etwas von ihr?
Soll
ich ihr etwas
ausrichten
?" "
Ach
, ich
wollte
nur ein
paar
Worte
mit ihr
reden
." "Ich
weiß
leider
nicht, wann sie
kommt
; wenn sie im
Theater
ist,
kommt
sie
gewöhnlich
spät
." "Das ist ja
ganz
gleichgültig
",
sagte
K
. und
drehte
schon den
gesenkten
Kopf
der
Tür
zu, um
wegzugehen
, "ich
wollte
mich nur bei ihr
entschuldigen
, daß ich
heute
ihr
Zimmer
in
Anspruch
genommen
habe." "Das ist nicht
nötig
,
Herr
K
., Sie sind zu
rücksichtsvoll
, das
Fräulein
weiß
ja von
gar
nichts, sie war seit dem
frühen
Morgen
noch nicht zu
Hause
, es ist auch schon alles in
Ordnung
gebracht
,
sehen
Sie selbst." Und sie
öffnete
die
Tür
zu
Fräulein
Bürstners
Zimmer
. "
Danke
, ich
glaube
es",
sagte
K
.,
ging
dann aber doch zu der
offenen
Tür
. Der
Mond
schien
still
in das
dunkle
Zimmer
. Soviel man
sehen
konnte, war
wirklich
alles an seinem
Platz
, auch die
Bluse
hing
nicht mehr an der
Fensterklinke
.
Auffallend
hoch
schienen
die
Polster
im
Bett
, sie
lagen
zum
Teil
im
Mondlicht
. "Das
Fräulein
kommt
oft
spät
nach
Hause
",
sagte
K
. und
sah
Frau
Grubach
an, als
trage
sie die
Verantwortung
dafür. "Wie
eben