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Franz Kafka
Der Prozeß
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Siebentes Kapitel. Advokat - Fabrikant - Maler
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Siebentes
Kapitel
.
Advokat
-
Fabrikant
-
Maler
An einem
Wintervormittag
-
draußen
fiel
Schnee
im
trüben
Licht
-
saß
K
.,
trotz
der
frühen
Stunde
schon
äußerst
müde
, in seinem
Büro
. Um sich
wenigstens
vor
den
unteren
Beamten
zu
schützen
, hatte er dem
Diener
den
Auftrag
gegeben
,
niemanden
von ihnen
einzulassen
,
da
er mit einer
größeren
Arbeit
beschäftigt
sei
. Aber statt zu
arbeiten
,
drehte
er sich in seinem
Sessel
,
verschob
langsam
einige
Gegenstände
auf dem
Tisch
,
ließ
dann aber, ohne es zu
wissen
, den
ganzen
Arm
ausgestreckt
auf der
Tischplatte
liegen
und
blieb
mit
gesenktem
Kopf
unbeweglich
sitzen
.
Der
Gedanke
an den
Prozeß
verließ
ihn
nicht mehr.
Öfters
schon hatte er
überlegt
, ob es nicht
gut
wäre
, eine
Verteidigungsschrift
auszuarbeiten
und bei
Gericht
einzureichen
. Er
wollte
darin eine
kurze
Lebensbeschreibung
vorlegen
und bei jedem irgendwie
wichtigeren
Ereignis
erklären
, aus
welchen
Gründen
er so
gehandelt
hatte, ob diese
Handlungsweise
nach seinem
gegenwärtigen
Urteil
zu
verwerfen
oder zu
billigen
war und
welche
Gründe
er
für
dieses oder
jenes
anführen
konnte. Die
Vorteile
einer
solchen
Verteidigungsschrift
gegenüber
der
bloßen
Verteidigung
durch den
übrigens
auch sonst nicht
einwandfreien
Advokaten
waren
zweifellos
.
K
.
wußte
ja
gar
nicht, was der
Advokat
unternahm
; viel war es
jedenfalls
nicht, schon einen
Monat
lang
hatte er
ihn
nicht mehr zu sich
berufen
, und auch bei keiner der
früheren
Besprechungen
hatte
K
. den
Eindruck
gehabt
, daß dieser Mann viel
für
ihn
erreichen
könne
.
Vor
allem hatte er
ihn
fast
gar
nicht
ausgefragt
. Und hier war doch so viel zu
fragen
.
Fragen
war die
Hauptsache
.
K
. hatte das
Gefühl
, als ob er selbst alle hier
nötigen
Fragen
stellen
könnte
. Der
Advokat
dagegen
, statt zu
fragen
,
erzählte
selbst oder
saß
ihm
stumm
gegenüber
,
beugte
sich,
wahrscheinlich
wegen seines
schwachen
Gehörs
, ein wenig über den
Schreibtisch
vor
,
zog
an einem
Bartstrahn
innerhalb
seines
Bartes
und
blickte
auf den
Teppich
nieder, vielleicht
gerade
auf die
Stelle
, wo
K
. mit
Leni
gelegen
war. Hier und
da
gab
er
K
. einige
leere
Ermahnungen
, wie man sie
Kindern
gibt
.
Ebenso
nutzlose
wie
langweilige
Reden
, die
K
. in der
Schlußabrechnung
mit
keinem
Heller
zu
bezahlen
gedachte
. Nachdem der
Advokat
ihn
genügend
gedemütigt
zu haben
glaubte
,
fing
er
gewöhnlich
an,
ihn
wieder ein wenig
aufzumuntern
. Er habe schon,
erzählte
er dann, viele
ähnliche
Prozesse
ganz
oder
teilweise
gewonnen
.
Prozesse
, die, wenn auch in
Wirklichkeit
vielleicht nicht so
schwierig
wie dieser,
äußerlich
noch
hoffnungsloser
waren
. Ein
Verzeichnis
dieser
Prozesse
habe er hier in der
Schublade
-
hierbei
klopfte
er an irgendeine
Lade
des
Tisches
- die
Schriften
könne
er
leider
nicht
zeigen
,
da
es sich um
Amtsgeheimnisse
handle
. Trotzdem
komme
jetzt
natürlich
die
große
Erfahrung
, die er durch alle diese
Prozesse
erworben
habe,
K
.
zugute
. Er habe
natürlich
sofort
zu
arbeiten
begonnen
, und die
erste
Eingabe
sei
schon fast
fertiggestellt
. Sie
sei
sehr
wichtig
, weil der
erste
Eindruck
, den die
Verteidigung
mache
,
oft
die
ganze
Richtung
des
Verfahrens
bestimme
.
Leider
, darauf
müsse
er
K
.
allerdings
aufmerksam
machen
,
geschehe
es manchmal, daß die
ersten
Eingaben
bei
Gericht
gar
nicht
gelesen
würden
. Man
lege
sie
einfach
zu den
Akten
und
weise
darauf hin, daß
vorläufig
die
Einvernahme
und
Beobachtung
des
Angeklagten
wichtiger
sei
als alles
Geschriebene
. Man
fügt
, wenn der
Petent
dringlich
wird, hinzu, daß man
vor
der
Entscheidung
,
sobald
alles
Material
gesammelt
ist, im
Zusammenhang
natürlich
, alle
Akten
, also auch diese
erste
Eingabe
,
überprüfen
wird.
Leider
sei
aber auch dies
meistens
nicht richtig, die
erste
Eingabe
werde
gewöhnlich
verlegt
oder
gehe
gänzlich
verloren
, und selbst wenn sie bis zum
Ende
erhalten
bleibt
,
werde
sie, wie der
Advokat
allerdings
nur
gerüchtweise
erfahren
hat,
kaum
gelesen
. Das alles
sei
bedauerlich
, aber nicht
ganz
ohne
Berechtigung
.
K
.
möge
doch nicht
außer
acht
lassen
, daß das
Verfahren
nicht
öffentlich
sei
, es kann, wenn das
Gericht
es
für
nötig
hält
,
öffentlich
werden, das
Gesetz
aber
schreibt
Öffentlichkeit
nicht
vor
.
Infolgedessen
sind auch die
Schriften
des
Gerichts
,
vor
allem die
Anklageschrift
, dem
Angeklagten
und seiner
Verteidigung
unzugänglich
, man
weiß
daher im
allgemeinen
nicht oder
wenigstens
nicht
genau
,
wogegen
sich die
erste
Eingabe
zu
richten
hat, sie kann daher
eigentlich
nur
zufälligerweise
etwas
enthalten
, was
für
die
Sache
von
Bedeutung
ist.
Wirklich
zutreffende
und
beweisführende
Eingaben
kann man
erst
später
ausarbeiten
, wenn im
Laufe
der
Einvernahmen
des
Angeklagten
die
einzelnen
Anklagepunkte
und ihre
Begründung
deutlicher
hervortreten
oder
erraten
werden
können
. Unter diesen
Verhältnissen
ist
natürlich
die
Verteidigung
in einer sehr
ungünstigen
und
schwierigen
Lage
. Aber auch das ist
beabsichtigt
. Die
Verteidigung
ist
nämlich
durch das
Gesetz
nicht
eigentlich
gestattet
,
sondern
nur
geduldet
, und selbst
darüber
, ob aus der
betreffenden
Gesetzesstelle
wenigstens
Duldung
herausgelesen
werden
soll
,
besteht
Streit
. Es
gibt
daher
strenggenommen
gar
keine vom
Gericht
anerkannten
Advokaten
, alle, die
vor
diesem
Gericht
als
Advokaten
auftreten
, sind im
Grunde
nur
Winkeladvokaten
. Das
wirkt
natürlich
auf den
ganzen
Stand
sehr
entwürdigend
ein, und wenn
K
.
nächstens
einmal
in die
Gerichtskanzleien
gehen
werde
,
könne
er sich ja, um auch das
einmal
gesehen
zu haben, das
Advokatenzimmer
ansehen
. Er
werde
vor
der
Gesellschaft
, die dort
beisammen
sei
,
vermutlich
erschrecken
. Schon die ihnen
zugewiesene
enge
,
niedrige
Kammer
zeige
die
Verachtung
, die das
Gericht
für
diese
Leute
hat.
Licht
bekommt
die
Kammer
nur durch eine
kleine
Luke
, die so
hochgelegen
ist, daß man, wenn man
hinausschauen
will, wo einem
übrigens
der
Rauch
eines
knapp
davor
gelegenen
Kamins
in die
Nase
fährt
und das
Gesicht
schwärzt
,
erst
einen
Kollegen
suchen
muß
, der einen auf den
Rücken
nimmt
. Im
Fußboden
dieser
Kammer
- um nur noch ein
Beispiel
für
diese
Zustände
anzuführen
- ist nun schon seit mehr als einem
Jahr
ein
Loch
, nicht so
groß
, daß ein
Mensch
durchfallen
könnte
, aber
groß
genug, daß man mit einem
Bein
ganz
einsinkt
. Das
Advokatenzimmer
liegt
auf dem
zweiten
Dachboden
;
sinkt
also einer ein, so
hängt
das
Bein
in den
ersten
Dachboden
hinunter, und zwar
gerade
in den
Gang
, wo die
Parteien
warten
. Es ist nicht
zuviel
gesagt
, wenn man in
Advokatenkreisen
solche
Verhältnisse
schändlich
nennt
.
Beschwerden
an die
Verwaltung
haben nicht den
geringsten
Erfolg
,
wohl
aber ist es den
Advokaten
auf das
strengste
verboten
,
irgend
etwas in dem
Zimmer
auf eigene
Kosten
ändern
zu
lassen
. Aber auch diese
Behandlung
der
Advokaten
hat ihre
Begründung
. Man will die
Verteidigung
möglichst
ausschalten
, alles
soll
auf den
Angeklagten
selbst
gestellt
sein
. Kein
schlechter
Standpunkt
im
Grunde
, nichts
wäre
aber
verfehlter
, als daraus zu
folgern
, daß bei diesem
Gericht
die
Advokaten
für
den
Angeklagten
unnötig
sind. Im
Gegenteil
, bei
keinem
anderen
Gericht
sind sie so
notwendig
wie bei diesem. Das
Verfahren
ist
nämlich
im
allgemeinen
nicht nur
vor
der
Öffentlichkeit
geheim
,
sondern
auch
vor
dem
Angeklagten
.
Natürlich
nur
soweit
dies
möglich
ist, es ist aber in sehr
weitem
Ausmaß
möglich
. Auch der
Angeklagte
hat
nämlich
keinen
Einblick
in die
Gerichtsschriften
, und aus den
Verhören
auf die ihnen
zugrunde
liegenden
Schriften
zu
schließen
, ist sehr
schwierig
,
insbesondere
aber
für
den
Angeklagten
, der doch
befangen
ist und alle
möglichen
Sorgen
hat, die
ihn
zerstreuen
. Hier
greift
nun die
Verteidigung
ein. Bei den
Verhören
dürfen
im
allgemeinen
Verteidiger
nicht
anwesend
sein
, sie
müssen
daher nach den
Verhören
, und zwar
möglichst
noch an der
Tür
des
Untersuchungszimmers
, den
Angeklagten
über das
Verhör
ausforschen
und diesen
oft
schon sehr
vermischten
Berichten
das
für
die
Verteidigung
Taugliche
entnehmen
. Aber das
Wichtigste
ist dies nicht,
denn
viel kann man auf diese
Weise
nicht
erfahren
, wenn
natürlich
auch hier wie
überall
ein
tüchtiger
Mann mehr
erfährt
als
andere
. Das
Wichtigste
bleiben
trotzdem die
persönlichen
Beziehungen
des
Advokaten
, in ihnen
liegt
der
Hauptwert
der
Verteidigung
. Nun habe ja
wohl
K
. schon seinen
eigenen
Erlebnissen
entnommen
, daß die
allerunterste
Organisation
des
Gerichtes
nicht
ganz
vollkommen
ist,
pflichtvergessene
und
bestechliche
Angestellte
aufweist
,
wodurch
gewissermaßen
die
strenge
Abschließung
des
Gerichtes
Lücken
bekommt
. Hier nun
drängt
sich die
Mehrzahl
der
Advokaten
ein, hier wird
bestochen
und
ausgehorcht
, ja es
kamen
,
wenigstens
in
früherer
Zeit
, sogar
Fälle
von
Aktendiebstählen
vor
. Es ist nicht zu
leugnen
, daß auf diese
Weise
für
den
Augenblick
einige sogar
überraschend
günstige
Resultate
für
den
Angeklagten
sich
erzielen
lassen
, damit
stolzieren
auch diese
kleinen
Advokaten
herum
und
locken
neue
Kundschaft
an, aber
für
den
weiteren
Fortgang
des
Prozesses
bedeutet
es entweder nichts oder nichts
Gutes
.
Wirklichen
Wert
aber haben nur
ehrliche
persönliche
Beziehungen
, und zwar mit
höheren
Beamten
, womit
natürlich
nur
höhere
Beamten
der
unteren
Grade
gemeint
sind. Nur
dadurch
kann der
Fortgang
des
Prozesses
, wenn auch
zunächst
nur
unmerklich
,
später
aber immer
deutlicher
beeinflußt
werden. Das
können
natürlich
nur wenige
Advokaten
, und hier
sei
die
Wahl
K
.
s
sehr
günstig
gewesen
. Nur noch vielleicht ein oder zwei
Advokaten
könnten
sich mit
ähnlichen
Beziehungen
ausweisen
wie
Dr
.
Huld
. Diese
kümmern
sich
allerdings
um die
Gesellschaft
im
Advokatenzimmer
nicht und haben auch nichts mit ihr zu tun. Um so
enger
sei
aber die
Verbindung
mit den
Gerichtsbeamten
. Es
sei
nicht
einmal
immer
nötig
, daß
Dr
.
Huld
zu
Gericht
gehe
, in den
Vorzimmern
der
Untersuchungsrichter
auf ihr
zufälliges
Erscheinen
warte
und
je
nach ihrer
Laune
einen
meist
nur
scheinbaren
Erfolg
erziele
oder auch nicht
einmal
diesen. Nein,
K
. habe es ja selbst
gesehen
, die
Beamten
, und darunter
recht
hohe
,
kommen
selbst,
geben
bereitwillig
Auskunft
,
offene
oder
wenigstens
leicht
deutbare
,
besprechen
den
nächsten
Fortgang
der
Prozesse
, ja sie
lassen
sich sogar in
einzelnen
Fällen
überzeugen
und
nehmen
die
fremde
Ansicht
gern
an.
Allerdings
dürfe
man ihnen
gerade
in dieser
letzteren
Hinsicht
nicht
allzusehr
vertrauen
, so
bestimmt
sie ihre
neue
,
für
die
Verteidigung
günstige
Absicht
auch
aussprechen
,
gehen
sie doch vielleicht
geradewegs
in ihre
Kanzlei
und
geben
für
den
nächsten
Tag
einen
Gerichtsbeschluß
, der
gerade
das
Entgegengesetzte
enthält
und vielleicht
für
den
Angeklagten
noch viel
strenger
ist als ihre
erste
Absicht
, von der sie
gänzlich
abgekommen
zu
sein
behaupteten
.
Dagegen
könne
man sich
natürlich
nicht
wehren
,
denn
das, was sie zwischen vier
Augen
gesagt
haben, ist
eben
auch nur zwischen vier
Augen
gesagt
und
lasse
keine
öffentliche
Folgerung
zu, selbst wenn die
Verteidigung
nicht auch sonst
bestrebt
sein
müßte
, sich die
Gunst
der
Herren
zu
erhalten
.
Andererseits
sei
es
allerdings
auch richtig, daß die
Herren
nicht etwa nur aus
Menschenliebe
oder aus
freundschaftlichen
Gefühlen
sich mit der
Verteidigung
,
natürlich
nur mit einer
sachverständigen
Verteidigung
, in
Verbindung
setzen
, sie sind
vielmehr
in
gewisser
Hinsicht
auch auf sie
angewiesen
. Hier
mache
sich
eben
der
Nachteil
einer
Gerichtsorganisation
geltend
, die selbst in ihren
Anfängen
das
geheime
Gericht
festsetzt
. Den
Beamten
fehlt
der
Zusammenhang
mit der
Bevölkerung
,
für
die
gewöhnlichen
,
mittleren
Prozesse
sind sie
gut
ausgerüstet
, ein
solcher
Prozeß
rollt
fast von selbst auf seiner
Bahn
ab und
braucht
nur hier und
da
einen
Anstoß
,
gegenüber
den
ganz
einfachen
Fällen
aber, wie auch
gegenüber
den
besonders
schwierigen
sind sie
oft
ratlos
, sie haben, weil sie
fortwährend
,
Tag
und
Nacht
, in ihr
Gesetz
eingezwängt
sind, nicht den
richtigen
Sinn
für
menschliche
Beziehungen
, und das
entbehren
sie in
solchen
Fällen
schwer
. Dann
kommen
sie zum
Advokaten
um
Rat
, und hinter ihnen
trägt
ein
Diener
die
Akten
, die sonst so
geheim
sind. An diesem
Fenster
hätte man
manche
Herren
, von denen man es am
wenigsten
erwarten
würde
,
antreffen
können
, wie sie
geradezu
trostlos
auf die
Gasse
hinaussahen
,
während
der
Advokat
an seinem
Tisch
die
Akten
studierte
, um ihnen einen
guten
Rat
geben
zu
können
.
Übrigens
könne
man
gerade
bei
solchen
Gelegenheiten
sehen
, wie
ungemein
ernst
die
Herren
ihren
Beruf
nehmen
und wie sie über
Hindernisse
, die sie ihrer
Natur
nach nicht
bewältigen
können
, in
große
Verzweiflung
geraten
. Ihre
Stellung
sei
auch sonst nicht
leicht
, man
dürfe
ihnen nicht
Unrecht
tun und ihre
Stellung
nicht
für
leicht
ansehen
. Die
Rangordnung
und
Steigerung
des
Gerichtes
sei
unendlich
und selbst
für
den
Eingeweihten
nicht
absehbar
. Das
Verfahren
vor
den
Gerichtshöfen
sei
aber im
allgemeinen
auch
für
die
unteren
Beamten
geheim
, sie
können
daher die
Angelegenheiten
, die sie
bearbeiten
, in ihrem
ferneren
Weitergang
kaum
jemals
vollständig
verfolgen
, die
Gerichtssache
erscheint
also in ihrem
Gesichtskreis
, ohne daß sie
oft
wissen
, woher sie
kommt
, und sie
geht
weiter, ohne daß sie
erfahren
,
wohin
. Die
Belehrung
also, die man aus dem
Studium
der
einzelnen
Prozeßstadien
, der
schließlichen
Entscheidung
und ihrer
Gründe
schöpfen
kann,
entgeht
diesen
Beamten
. Sie
dürfen
sich nur mit jenem
Teil
des
Prozesses
befassen
, der vom
Gesetz
für
sie
abgegrenzt
ist, und
wissen
von dem
Weiteren
, also von den
Ergebnissen
ihrer
eigenen
Arbeit
,
meist
weniger
als die
Verteidigung
, die doch in der
Regel
fast bis zum
Schluß
des
Prozesses
mit dem
Angeklagten
in
Verbindung
bleibt
. Auch in dieser
Richtung
also
können
sie von der
Verteidigung
manches
Wertvolle
erfahren
.
Wundere
sich
K
. noch, wenn er alles dieses im
Auge
behalte
, über die
Gereiztheit
der
Beamten
, die sich manchmal den
Parteien
gegenüber
in - jeder
mache
diese
Erfahrung
-
beleidigender
Weise
äußert
. Alle
Beamten
seien
gereizt
, selbst wenn sie
ruhig
scheinen
.
Natürlich
haben die
kleinen
Advokaten
besonders
viel darunter zu
leiden
. Man
erzählt
zum
Beispiel
folgende
Geschichte
, die sehr den
Anschein
der
Wahrheit
hat. Ein
alter
Beamter
, ein
guter
,
stiller
Herr
, hatte eine
schwierige
Gerichtssache
,
welche
besonders
durch die
Eingaben
des
Advokaten
verwickelt
worden
war, einen
Tag
und eine
Nacht
ununterbrochen
studiert
- diese
Beamten
sind
tatsächlich
fleißig
, wie niemand sonst. - Gegen
Morgen
nun, nach
vierundzwanzigstündiger
,
wahrscheinlich
nicht sehr
ergiebiger
Arbeit
,
ging
er zur
Eingangstür
,
stellte
sich dort in
Hinterhalt
und
warf
jeden
Advokaten
, der
eintreten
wollte
, die
Treppe
hinunter. Die
Advokaten
sammelten
sich
unten
auf dem
Treppenabsatz
und
berieten
, was sie tun
sollten
;
einerseits
haben sie
keinen
eigentlichen
Anspruch
darauf,
eingelassen
zu werden,
können
daher
rechtlich
gegen den
Beamten
kaum
etwas
unternehmen
und
müssen
sich, wie schon
erwähnt
, auch
hüten
, die
Beamtenschaft
gegen sich
aufzubringen
.
Andererseits
aber ist jeder nicht bei
Gericht
verbrachte
Tag
für
sie
verloren
, und es
lag
ihnen also viel daran
einzudringen
.
schließlich
einigten
sie sich darauf, daß sie den
alten
Herrn
ermüden
wollten
. Immer wieder
wurde
ein
Advokat
ausgeschickt
, der die
Treppe
hinauflief
und sich dann unter
möglichstem
,
allerdings
passivem
Widerstand
hinunterwerfen
ließ
, wo er dann von den
Kollegen
aufgefangen
wurde
. Das
dauerte
etwa eine
Stunde
, dann
wurde
der
alte
Herr
, er war ja auch von der
Nachtarbeit
schon
erschöpft
,
wirklich
müde
und
ging
in seine
Kanzlei
zurück
. Die
unten
wollten
es
erst
gar
nicht
glauben
und
schickten
zuerst
einen aus, der hinter der
Tür
nachsehen
sollte
, ob dort
wirklich
leer
war. Dann
erst
zogen
sie ein und
wagten
wahrscheinlich
nicht
einmal
zu
murren
.
Denn
den
Advokaten
- und selbst der
Kleinste
kann doch die
Verhältnisse
wenigstens
zum
Teil
übersehen
-
liegt
es
vollständig
ferne
, bei
Gericht
irgendwelche
Verbesserungen
einführen
oder
durchsetzen
zu
wollen
,
während
- und dies ist sehr
bezeichnend
- fast jeder
Angeklagte
, selbst
ganz
einfältige
Leute
,
gleich
beim
allerersten
Eintritt
in den
Prozeß
an
Verbesserungsvorschläge
zu
denken
anfangen
und damit
oft
Zeit
und
Kraft
verschwenden
, die anders viel
besser
verwendet
werden
könnten
. Das
einzig
Richtige
sei
es, sich mit den
vorhandenen
Verhältnissen
abzufinden
. Selbst wenn es
möglich
wäre
,
Einzelheiten
zu
verbessern
- es ist aber ein
unsinniger
Aberglaube
-, hätte man
bestenfalls
für
künftige
Fälle
etwas
erreicht
, sich selbst aber
unermeßlich
dadurch
geschadet
, daß man die
besondere
Aufmerksamkeit
der immer
rachsüchtigen
Beamtenschaft
erregt
hat. Nur keine
Aufmerksamkeit
erregen
! Sich
ruhig
verhalten
, selbst wenn es einem noch so sehr gegen den
Sinn
geht
!
Einzusehen
versuchen
, daß dieser
große
Gerichtsorganismus
gewissermaßen
ewig
in der
Schwebe
bleibt
und daß man zwar, wenn man auf seinem
Platz
selbständig
etwas
ändert
, den
Boden
unter den
Füßen
sich
wegnimmt
und selbst
abstürzen
kann,
während
der
große
Organismus
sich selbst
für
die
kleine
Störung
leicht
an einer
anderen
Stelle
- alles ist doch in
Verbindung
-
Ersatz
schafft
und
unverändert
bleibt
, wenn er nicht etwa, was sogar
wahrscheinlich
ist, noch
geschlossener
, noch
aufmerksamer
, noch
strenger
, noch
böser
wird. Man
überlasse
doch die
Arbeit
dem
Advokaten
, statt sie zu
stören
.
Vorwürfe
nützen
ja nicht viel,
besonders
wenn man ihre
Ursachen
in ihrer
ganzen
Bedeutung
nicht
begreiflich
machen
kann, aber
gesagt
müsse
es doch werden, wieviel
K
. seiner
Sache
durch das
Verhalten
gegenüber
dem
Kanzleidirektor
geschadet
habe. Dieser
einflußreiche
Mann
sei
aus der
Liste
jener
, bei denen man
für
K
. etwas
unternehmen
könne
, schon fast zu
streichen
. Selbst
flüchtige
Erwähnungen
des
Prozesses
überhöre
er mit
deutlicher
Absicht
. In
manchem
seien
ja die
Beamten
wie
Kinder
.
Oft
können
sie durch
Harmlosigkeiten
, unter die
allerdings
K
.
s
Verhalten
leider
nicht
gehöre
,
derartig
verletzt
werden, daß sie selbst mit
guten
Freunden
zu
reden
aufhören
, sich von ihnen
abwenden
, wenn sie ihnen
begegnen
, und ihnen in allem
möglichen
entgegenarbeiten
. Dann aber
einmal
,
überraschenderweise
ohne
besonderen
Grund
,
lassen
sie sich durch einen
kleinen
Scherz
, den man nur deshalb
wagt
, weil alles
aussichtslos
scheint
, zum
Lachen
bringen
und sind
versöhnt
. Es
sei
eben
gleichzeitig
schwer
und
leicht
, sich mit ihnen zu
verhalten
,
Grundsätze
dafür
gibt
es
kaum
. Manchmal
sei
es zum
Verwundern
, daß ein
einziges
Durchschnittsleben
dafür
hinreiche
, um so viel zu
erfassen
, daß man hier mit
einigem
Erfolg
arbeiten
könne
. Es
kommen
allerdings
trübe
Stunden
, wie sie ja jeder hat, wo man
glaubt
, nicht das
geringste
erzielt
zu haben, wo es einem
scheint
, als
hätten
nur die von
Anfang
an
für
einen
guten
Ausgang
bestimmten
Prozesse
ein
gutes
Ende
genommen
, wie es auch ohne
Mithilfe
geschehen
wäre
,
während
alle
anderen
verlorengegangen
sind,
trotz
allem
Nebenherlaufen
, aller
Mühe
,
allen
kleinen
,
scheinbaren
Erfolgen
, über die man solche
Freude
hatte. Dann
scheint
einem
allerdings
nichts mehr
sicher
, und man
würde
auf
bestimmte
Fragen
hin nicht
einmal
zu
leugnen
wagen
, daß man ihrem
Wesen
nach
gut
verlaufende
Prozesse
gerade
durch die
Mithilfe
auf
Abwege
gebracht
hat. Auch das ist ja eine
Art
Selbstvertrauen
, aber es ist das
einzige
, das dann
übrigbleibt
.
Solchen
Anfällen
- es sind
natürlich
nur
Anfälle
, nichts weiter - sind
Advokaten
besonders
dann
ausgesetzt
, wenn ihnen ein
Prozeß
, den sie
weit
genug und
zufriedenstellend
geführt
haben,
plötzlich
aus der
Hand
genommen
wird. Das ist
wohl
das
Ärgste
, das einem
Advokaten
geschehen
kann. Nicht etwa durch den
Angeklagten
wird ihnen der
Prozeß
entzogen
, das
geschieht
wohl
niemals
, ein
Angeklagter
, der
einmal
einen
bestimmten
Advokaten
genommen
hat,
muß
bei
ihm
bleiben
,
geschehe
was immer. Wie
könnte
er sich
überhaupt
, wenn er
einmal
Hilfe
in
Anspruch
genommen
hat, allein noch
erhalten
? Das
geschieht
also nicht,
wohl
aber
geschieht
es manchmal, daß der
Prozeß
eine
Richtung
nimmt
, wo der
Advokat
nicht mehr
mitkommen
darf
. Der
Prozeß
und der
Angeklagte
und alles wird dem
Advokaten
einfach
entzogen
; dann
können
auch die
besten
Beziehungen
zu den
Beamten
nicht mehr
helfen
,
denn
sie selbst
wissen
nichts. Der
Prozeß
ist
eben
in ein
Stadium
getreten
, wo keine
Hilfe
mehr
geleistet
werden
darf
, wo
ihn
unzugängliche
Gerichtshöfe
bearbeiten
, wo auch der
Angeklagte
für
den
Advokaten
nicht mehr
erreichbar
ist. Man
kommt
dann eines
Tages
nach
Hause
und
findet
auf seinem
Tisch
alle die
vielen
Eingaben
, die man mit allem
Fleiß
und mit den
schönsten
Hoffnungen
in dieser
Sache
gemacht
hat, sie sind
zurückgestellt
worden
,
da
sie in das
neue
Prozeßstadium
nicht
übertragen
werden
dürfen
, es sind
wertlose
Fetzen
. Dabei
muß
der
Prozeß
noch nicht
verloren
sein
,
durchaus
nicht,
wenigstens
liegt
kein
entscheidender
Grund
für
diese
Annahme
vor
, man
weiß
bloß
nichts mehr von dem
Prozeß
und wird auch nichts mehr von
ihm
erfahren
. Nun sind ja solche
Fälle
glücklicherweise
Ausnahmen
, und selbst wenn
K
.
s
Prozeß
ein
solcher
Fall
sein
sollte
,
sei
er doch
vorläufig
noch
weit
von
solchem
Stadium
entfernt
. Hier
sei
aber noch
reichliche
Gelegenheit
für
Advokatenarbeit
gegeben
, und daß sie
ausgenutzt
werde
, dessen
dürfe
K
.
sicher
sein
. Die
Eingabe
sei
, wie
erwähnt
, noch nicht
überreicht
, das
eile
aber auch nicht, viel
wichtiger
seien
die
einleitenden
Besprechungen
mit
maßgebenden
Beamten
, und die
hätten
schon
stattgefunden
. Mit
verschiedenem
Erfolg
, wie
offen
zugestanden
werden
soll
. Es
sei
viel
besser
,
vorläufig
Einzelheiten
nicht zu
verraten
, durch die
K
. nur
ungünstig
beeinflußt
und
allzu
hoffnungsfreudig
oder
allzu
ängstlich
gemacht
werden
könnte
, nur so viel
sei
gesagt
, daß sich
einzelne
sehr
günstig
ausgesprochen
und sich auch sehr
bereitwillig
gezeigt
haben,
während
andere
sich
weniger
günstig
geäußert
, aber doch ihre
Mithilfe
keineswegs
verweigert
haben. Das
Ergebnis
sei
also im
ganzen
sehr
erfreulich
, nur
dürfe
man daraus keine
besonderen
Schlüsse
ziehen
,
da
alle
Vorverhandlungen
ähnlich
beginnen
und
durchaus
erst
die
weitere
Entwicklung
den
Wert
dieser
Vorverhandlungen
zeigt
.
Jedenfalls
sei
noch nichts
verloren
, und wenn es noch
gelingen
sollte
, den
Kanzleidirektor
trotz
allem zu
gewinnen
- es
sei
schon
verschiedenes
zu diesem
Zwecke
eingeleitet
-, dann
sei
das
Ganze
- wie die
Chirurgen
sagen
- eine
reine
Wunde
, und man
könne
getrost
das
Folgende
erwarten
.
In
solchen
und
ähnlichen
Reden
war der
Advokat
unerschöpflich
. Sie
wiederholten
sich bei jedem
Besuch
. Immer
gab
es
Fortschritte
,
niemals
aber konnte die
Art
dieser
Fortschritte
mitgeteilt
werden.
Immerfort
wurde
an der
ersten
Eingabe
gearbeitet
, aber sie
wurde
nicht
fertig
, was sich
meistens
beim
nächsten
Besuch
als
großer
Vorteil
herausstellte
,
da
die
letzte
Zeit
, was man nicht hätte
voraussehen
können
,
für
die
Übergabe
sehr
ungünstig
gewesen
wäre
.
Bemerkte
K
. manchmal,
ganz
ermattet
von den
Reden
, daß es doch, selbst unter
Berücksichtigung
aller
Schwierigkeiten
, sehr
langsam
vorwärtsgehe
,
wurde
ihm
entgegnet
, es
gehe
gar
nicht
langsam
vorwärts
,
wohl
aber
wäre
man schon viel weiter, wenn
K
. sich
rechtzeitig
an den
Advokaten
gewendet
hätte. Das hatte er aber
leider
versäumt
, und dieses
Versäumnis
werde
auch noch
weitere
Nachteile
bringen
, nicht nur
zeitliche
.
Die
einzige
wohltätige
Unterbrechung
dieser
Besuche
war
Leni
, die es immer so
einzurichten
wußte
, daß sie dem
Advokaten
in
Anwesenheit
K
.
s
den
Tee
brachte
. Dann
stand
sie hinter
K
.,
sah
scheinbar
zu, wie der
Advokat
, mit einer
Art
Gier
tief
zur
Tasse
hinabgebeugt
, den
Tee
eingoß
und
trank
, und
ließ
im
geheimen
ihre
Hand
von
K
.
erfassen
. Es
herrschte
völliges
Schweigen
. Der
Advokat
trank
.
K
.
drückte
Lenis
Hand
, und
Leni
wagte
es manchmal,
K
.
s
Haare
sanft
zu
streicheln
. "Du
bist
noch hier?"
fragte
der
Advokat
, nachdem er
fertig
war. "Ich
wollte
das
Geschirr
wegnehmen
",
sagte
Leni
, es
gab
noch einen
letzten
Händedruck
, der
Advokat
wischte
sich den
Mund
und
begann
mit
neuer
Kraft
auf
K
.
einzureden
.
War es
Trost
oder
Verzweiflung
, was der
Advokat
erreichen
wollte
?
K
.
wußte
es nicht,
wohl
aber
hielt
er es
für
feststehend
, daß seine
Verteidigung
nicht in
guten
Händen
war. Es
mochte
ja alles richtig
sein
, was der
Advokat
erzählte
, wenn es auch
durchsichtig
war, daß er sich
möglichst
in den
Vordergrund
stellen
wollte
und
wahrscheinlich
noch
niemals
einen so
großen
Prozeß
geführt
hatte, wie es
K
.
s
Prozeß
seiner
Meinung
nach war.
Verdächtig
aber
blieben
die
unaufhörlich
hervorgehobenen
persönlichen
Beziehungen
zu den
Beamten
.
Mußten
sie
denn
ausschließlich
zu
K
.
s
Nutzen
ausgebeutet
werden? Der
Advokat
vergaß
nie
zu
bemerken
, daß es sich nur um
niedrige
Beamte
handelte
, also um
Beamte
in sehr
abhängiger
Stellung
,
für
deren
Fortkommen
gewisse
Wendungen
der
Prozesse
wahrscheinlich
von
Bedeutung
sein
konnten
.
Benützten
sie vielleicht den
Advokaten
dazu, um solche
für
den
Angeklagten
natürlich
immer
ungünstige
Wendungen
zu
erzielen
? Vielleicht
taten
sie das nicht in jedem
Prozeß
,
gewiß
, das war nicht
wahrscheinlich
, es
gab
dann
wohl
wieder
Prozesse
, in deren
Verlauf
sie dem
Advokaten
für
seine
Dienste
Vorteile
einräumten
,
denn
es
mußte
ihnen ja auch daran
gelegen
sein
, seinen
Ruf
ungeschädigt
zu
erhalten
.
Verhielt
es sich aber
wirklich
so, in
welcher
Weise
würden
sie bei
K
.
s
Prozeß
eingreifen
, der, wie der
Advokat
erklärte
, ein sehr
schwieriger
, also
wichtiger
Prozeß
war und
gleich
anfangs
bei
Gericht
große
Aufmerksamkeit
erregt
hatte? Es konnte nicht sehr
zweifelhaft
sein
, was sie tun
würden
.
Anzeichen
dessen konnte man ja schon darin
sehen
, daß die
erste
Eingabe
noch immer nicht
überreicht
war, obwohl der
Prozeß
schon
Monate
dauerte
und daß sich alles, den
Angaben
des
Advokaten
nach, in den
Anfängen
befand
, was
natürlich
sehr
geeignet
war, den
Angeklagten
einzuschläfern
und
hilflos
zu
erhalten
, um
ihn
dann
plötzlich
mit der
Entscheidung
zu
überfallen
oder
wenigstens
mit der
Bekanntmachung
, daß die zu seinen
Ungunsten
abgeschlossene
Untersuchung
an die
höheren
Behörden
weitergegeben
werde
.
Es war
unbedingt
nötig
, daß
K
. selbst
eingriff
.
Gerade
in
Zuständen
großer
Müdigkeit
, wie an diesem
Wintervormittag
, wo
ihm
alles
willenlos
durch den
Kopf
zog
, war diese
Überzeugung
unabweisbar
. Die
Verachtung
, die er
früher
für
den
Prozeß
gehabt
hatte,
galt
nicht mehr.
Wäre
er allein in der
Welt
gewesen
, hätte er den
Prozeß
leicht
mißachten
können
, wenn es
allerdings
auch
sicher
war, daß dann der
Prozeß
überhaupt
nicht
entstanden
wäre
. Jetzt aber hatte
ihn
der
Onkel
schon zum
Advokaten
gezogen
,
Familienrücksichten
sprachen
mit; seine
Stellung
war nicht mehr
vollständig
unabhängig
von dem
Verlauf
des
Prozesses
, er selbst hatte
unvorsichtigerweise
mit einer
gewissen
unerklärlichen
Genugtuung
vor
Bekannten
den
Prozeß
erwähnt
,
andere
hatten auf
unbekannte
Weise
davon
erfahren
, das
Verhältnis
zu
Fräulein
Bürstner
schien
entsprechend
dem
Prozeß
zu
schwanken
-
kurz
, er hatte
kaum
mehr die
Wahl
, den
Prozeß
anzunehmen
oder
abzulehnen
, er
stand
mitten
darin und
mußte
sich
wehren
. War er
müde
, dann war es
schlimm
.
Zu
übertriebener
Sorge
war
allerdings
vorläufig
kein
Grund
. Er hatte es
verstanden
, sich in der
Bank
in
verhältnismäßig
kurzer
Zeit
zu seiner
hohen
Stellung
emporzuarbeiten
und sich, von
allen
anerkannt
, in dieser
Stellung
zu
erhalten
, er
mußte
jetzt nur diese
Fähigkeiten
, die
ihm
das
ermöglicht
hatten, ein wenig dem
Prozeß
zuwenden
, und es war kein
Zweifel
, das es
gut
ausgehen
müßte
.
Vor
allem war es, wenn etwas
erreicht
werden
sollte
,
notwendig
,
jeden
Gedanken
an eine
mögliche
Schuld
von
vornherein
abzulehnen
. Es
gab
keine
Schuld
. Der
Prozeß
war nichts
anderes
als ein
großes
Geschäft
, wie er es schon
oft
mit
Vorteil
für
die
Bank
abgeschlossen
hatte, ein
Geschäft
,
innerhalb
dessen, wie das die
Regel
war,
verschiedene
Gefahren
lauerten
, die
eben
abgewehrt
werden
mußten
. Zu diesem
Zwecke
durfte
man
allerdings
nicht mit
Gedanken
an irgendeine
Schuld
spielen
,
sondern
den
Gedanken
an den
eigenen
Vorteil
möglichst
festhalten
. Von diesem
Gesichtspunkt
aus war es auch
unvermeidlich
, dem
Advokaten
die
Vertretung
sehr
bald
, am
besten
noch an diesem
Abend
, zu
entziehen
. Es war zwar nach seinen
Erzählungen
etwas
Unerhörtes
und
wahrscheinlich
sehr
Beleidigendes
, aber
K
. konnte nicht
dulden
, daß seinen
Anstrengungen
in dem
Prozeß
Hindernisse
begegneten
, die vielleicht von seinem
eigenen
Advokaten
veranlaßt
waren
. War aber
einmal
der
Advokat
abgeschüttelt
, dann
mußte
die
Eingabe
sofort
überreicht
und
womöglich
jeden
Tag
darauf
gedrängt
werden, daß man sie
berücksichtige
. Zu diesem
Zwecke
würde
es
natürlich
nicht
genügen
, daß
K
. wie die
anderen
im
Gang
saß
und den
Hut
unter die
Bank
stellte
. Er selbst oder die
Frauen
oder
andere
Boten
mußten
Tag
für
Tag
die
Beamten
überlaufen
und sie
zwingen
, statt durch das
Gitter
auf den
Gang
zu
schauen
, sich zu ihrem
Tisch
zu
setzen
und
K
.
s
Eingabe
zu
studieren
. Von diesen
Anstrengungen
dürfte
man nicht
ablassen
, alles
müßte
organisiert
und
überwacht
werden, das
Gericht
sollte
einmal
auf einen
Angeklagten
stoßen
, der
sein
Recht
zu
wahren
verstand
.
Wenn sich aber auch
K
. dies alles
durchzuführen
getraute
, die
Schwierigkeit
der
Abfassung
der
Eingabe
war
überwältigend
.
Früher
, etwa noch
vor
einer
Woche
, hatte er nur mit einem
Gefühl
der
Scham
daran
denken
können
, daß er
einmal
genötigt
sein
könnte
, eine solche
Eingabe
selbst zu
machen
; daß dies auch
schwierig
sein
konnte, daran hatte er
gar
nicht
gedacht
. Er
erinnerte
sich, wie er
einmal
an einem
Vormittag
, als er
gerade
mit
Arbeit
überhäuft
war,
plötzlich
alles zur
Seite
geschoben
und den
Schreibblock
vorgenommen
hatte, um
versuchsweise
den
Gedankengang
einer
derartigen
Eingabe
zu
entwerfen
und
ihn
vielleicht dem
schwerfälligen
Advokaten
zur
Verfügung
zu
stellen
, und wie
gerade
in diesem
Augenblick
die
Tür
des
Direktionszimmers
sich
öffnete
und der
Direktor-Stellvertreter
mit
großem
Gelächter
eintrat
. Es war
für
K
. damals sehr
peinlich
gewesen
, obwohl der
Direktor-Stellvertreter
natürlich
nicht über die
Eingabe
gelacht
hatte, von der er nichts
wußte
,
sondern
über einen
Börsenwitz
, den er
eben
gehört
hatte, einen
Witz
, der zum
Verständnis
eine
Zeichnung
erforderte
, die nun der
Direktor-Stellvertreter
, über
K
.
s
Tisch
gebeugt
, mit
K
.
s
Bleistift
, den er
ihm
aus der
Hand
nahm
, auf dem
Schreibblock
ausführte
, der
für
die
Eingabe
bestimmt
gewesen
war.
Heute
wußte
K
. nichts mehr von
Scham
, die
Eingabe
mußte
gemacht
werden. Wenn er im
Büro
keine
Zeit
für
sie
fand
, was sehr
wahrscheinlich
war, dann
mußte
er sie zu
Hause
in den
Nächten
machen
.
Würden
auch die
Nächte
nicht
genügen
, dann
mußte
er einen
Urlaub
nehmen
. Nur nicht auf
halbem
Wege
stehenbleiben
, das war nicht nur in
Geschäften
,
sondern
immer und
überall
das
Unsinnigste
. Die
Eingabe
bedeutete
freilich
eine fast
endlose
Arbeit
. Man
mußte
keinen
sehr
ängstlichen
Charakter
haben und konnte doch
leicht
zu dem
Glauben
kommen
, daß es
unmöglich
war, die
Eingabe
jemals
fertigzustellen
. Nicht aus
Faulheit
oder
Hinterlist
, die den
Advokaten
allein an der
Fertigstellung
hindern
konnten
,
sondern
weil in
Unkenntnis
der
vorhandenen
Anklage
und
gar
ihrer
möglichen
Erweiterungen
das
ganze
Leben
in den
kleinsten
Handlungen
und
Ereignissen
in die
Erinnerung
zurückgebracht
,
dargestellt
und von
allen
Seiten
überprüft
werden
mußte
. Und wie
traurig
war eine solche
Arbeit
überdies
. Sie war vielleicht
geeignet
,
einmal
nach der
Pensionierung
den
kindisch
gewordenen
Geist
zu
beschäftigen
und
ihm
zu
helfen
, die
langen
Tage
hinzubringen
. Aber jetzt, wo
K
. alle
Gedanken
zu seiner
Arbeit
brauchte
, wo jede
Stunde
,
da
er noch im
Aufstieg
war und schon
für
den
Direktor-Stellvertreter
eine
Drohung
bedeutete
, mit
größter
Schnelligkeit
verging
und wo er die
kurzen
Abende
und
Nächte
als
junger
Mensch
genießen
wollte
, jetzt
sollte
er mit der
Verfassung
dieser
Eingabe
beginnen
. Wieder
ging
sein
Denken
in
Klagen
aus. Fast
unwillkürlich
, nur um dem ein
Ende
zu
machen
,
tastete
er mit dem
Finger
nach dem
Knopf
der
elektrischen
Glocke
, die
ins
Vorzimmer
führte
.
Während
er
ihn
niederdrückte
,
blickte
er zur
Uhr
auf. Es war elf
Uhr
, zwei
Stunden
, eine
lange
,
kostbare
Zeit
, hatte er
verträumt
und war
natürlich
noch
matter
als
vorher
.
Immerhin
war die
Zeit
nicht
verloren
, er hatte
Entschlüsse
gefaßt
, die
wertvoll
sein
konnten
. Die
Diener
brachten
außer
verschiedener
Post
zwei
Visitenkarten
von
Herren
, die schon
längere
Zeit
auf
K
.
warteten
. Es
waren
gerade
sehr
wichtige
Kundschaften
der
Bank
, die man
eigentlich
auf
keinen
Fall
hätte
warten
lassen
sollen
. Warum
kamen
sie zu so
ungelegener
Zeit
, und warum, so
schienen
wieder die
Herren
hinter der
geschlossenen
Tür
zu
fragen
,
verwendete
der
fleißige
K
.
für
Privatangelegenheiten
die
beste
Geschäftszeit
?
Müde
von dem
Vorhergegangenen
und
müde
das
Folgende
erwartend
,
stand
K
. auf, um den
ersten
zu
empfangen
.
Es war ein
kleiner
,
munterer
Herr
, ein
Fabrikant
, den
K
.
gut
kannte
. Er
bedauerte
,
K
. in
wichtiger
Arbeit
gestört
zu haben, und
K
.
bedauerte
seinerseits
, daß er den
Fabrikanten
so
lange
hatte
warten
lassen
. Schon dieses
Bedauern
aber
sprach
er in
derartig
mechanischer
Weise
und mit fast
falscher
Betonung
aus, daß der
Fabrikant
, wenn er nicht
ganz
von der
Geschäftssache
eingenommen
gewesen
wäre
, es hätte
bemerken
müssen
. Statt dessen
zog
er
eilig
Rechnungen
und
Tabellen
aus
allen
Taschen
,
breitete
sie
vor
K
. aus,
erklärte
verschiedene
Posten
,
verbesserte
einen
kleinen
Rechenfehler
, der
ihm
sogar bei diesem
flüchtigen
Überblick
aufgefallen
war,
erinnerte
K
. an ein
ähnliches
Geschäft
, das er mit
ihm
vor
etwa einem
Jahr
abgeschlossen
hatte,
erwähnte
nebenbei
, daß sich
diesmal
eine
andere
Bank
unter
größten
Opfern
um das
Geschäft
bewerbe
, und
verstummte
schließlich
, um nun
K
.
s
Meinung
zu
erfahren
.
K
. hatte auch
tatsächlich
im
Anfang
die
Rede
des
Fabrikanten
gut
verfolgt
, der
Gedanke
an das
wichtige
Geschäft
hatte dann auch
ihn
ergriffen
, nur
leider
nicht
für
die
Dauer
, er war
bald
vom
Zuhören
abgekommen
, hatte dann noch ein
Weilchen
zu den
lauteren
Ausrufen
des
Fabrikanten
mit dem
Kopf
genickt
, hatte aber
schließlich
auch das
unterlassen
und sich darauf
eingeschränkt
, den
kahlen
, auf die
Papiere
hinabgebeugten
Kopf
anzusehen
und sich zu
fragen
, wann der
Fabrikant
endlich
erkennen
werde
, daß seine
ganze
Rede
nutzlos
sei
. Als er nun
verstummte
,
glaubte
K
.
zuerst
wirklich
, es
geschehe
dies deshalb, um
ihm
Gelegenheit
zu dem
Eingeständnis
zu
geben
, daß er nicht
fähig
sei
,
zuzuhören
. Nur mit
Bedauern
merkte
er aber an dem
gespannten
Blick
des
offenbar
auf alle
Entgegnungen
gefaßten
Fabrikanten
, daß die
geschäftliche
Besprechung
fortgesetzt
werden
müsse
. Er
neigte
also den
Kopf
wie
vor
einem
Befehl
und
begann
mit dem
Bleistift
langsam
über den
Papieren
hin-
und
herzufahren
, hier und
da
hielt
er
inne
und
starrte
eine
Ziffer
an. Der
Fabrikant
vermutete
Einwände
, vielleicht
waren
die
Ziffern
wirklich
nicht
feststehend
, vielleicht
waren
sie nicht das
Entscheidende
,
jedenfalls
bedeckte
der
Fabrikant
die
Papiere
mit der
Hand
und
begann
von
neuem
,
ganz
nahe
an
K
.
heranrückend
, eine
allgemeine
Darstellung
des
Geschäftes
. "Es ist
schwierig
",
sagte
K
.,
rümpfte
die
Lippen
und
sank
,
da
die
Papiere
, das
einzig
Faßbare
,
verdeckt
waren
,
haltlos
gegen die
Seitenlehne
. Er
blickte
sogar nur
schwach
auf, als sich die
Tür
des
Direktionszimmers
öffnete
und dort, nicht
ganz
deutlich
, etwa wie hinter einem
Gazeschleier
, der
Direktor-Stellvertreter
erschien
.
K
.
dachte
nicht weiter
darüber
nach,
sondern
verfolgte
nur die
unmittelbare
Wirkung
, die
für
ihn
sehr
erfreulich
war.
Denn
sofort
hüpfte
der
Fabrikant
vom
Sessel
auf und
eilte
dem
Direktor-Stellvertreter
entgegen
,
K
. aber hätte
ihn
noch
zehnmal
flinker
machen
wollen
,
denn
er
fürchtete
, der
Direktor-Stellvertreter
könnte
wieder
verschwinden
. Es war
unnütze
Furcht
, die
Herren
trafen
einander
,
reichten
einander
die
Hände
und
gingen
gemeinsam
auf
K
.
s
Schreibtisch
zu. Der
Fabrikant
beklagte
sich, daß er beim
Prokuristen
so wenig
Neigung
für
das
Geschäft
gefunden
habe, und
zeigte
auf
K
., der sich unter dem
Blick
des
Direktor-Stellvertreters
wieder über die
Papiere
beugte
. Als dann die
beiden
sich an den
Schreibtisch
lehnten
und der
Fabrikant
sich daran
machte
, nun den
Direktor-Stellvertreter
für
sich zu
erobern
, war es
K
., als
werde
über seinem
Kopf
von zwei
Männern
, deren
Größe
er sich
übertrieben
vorstellte
, über
ihn
selbst
verhandelt
.
Langsam
suchte
er mit
vorsichtig
aufwärts
gedrehten
Augen
zu
erfahren
, was sich oben
ereignete
,
nahm
vom
Schreibtisch
, ohne
hinzusehen
, eines der
Papiere
,
legte
es auf die
flache
Hand
und
hob
es
allmählich
,
während
er selbst
aufstand
, zu den
Herren
hinauf. Er
dachte
hierbei
an nichts
Bestimmtes
,
sondern
handelte
nur in dem
Gefühl
, daß er sich so
verhalten
müßte
, wenn er
einmal
die
große
Eingabe
fertiggestellt
hätte, die
ihn
gänzlich
entlasten
sollte
. Der
Direktor-Stellvertreter
, der sich an dem
Gespräch
mit aller
Aufmerksamkeit
beteiligte
,
sah
nur
flüchtig
auf das
Papier
,
überlas
gar
nicht, was dort
stand
,
denn
was dem
Prokuristen
wichtig
war, war
ihm
unwichtig
,
nahm
es aus
K
.
s
Hand
,
sagte
: "
Danke
, ich
weiß
schon alles" und
legte
es
ruhig
wieder auf den
Tisch
zurück
.
K
.
sah
ihn
verbittert
von der
Seite
an. Der
Direktor-Stellvertreter
aber
merkte
es
gar
nicht oder
wurde
, wenn er es
merkte
,
dadurch
nur
aufgemuntert
,
lachte
öfters
laut
auf,
brachte
einmal
durch eine
schlagfertige
Entgegnung
den
Fabrikanten
in
deutliche
Verlegenheit
, aus der er
ihn
aber
sofort
riß
,
indem
er sich selbst einen
Einwand
machte
, und
lud
ihn
schließlich
ein, in
sein
Büro
hinüberzukommen
, wo sie die
Angelegenheit
zu
Ende
führen
könnten
. "Es ist eine sehr
wichtige
Sache
",
sagte
er zu dem
Fabrikanten
, "ich
sehe
das
vollständig
ein. Und dem
Herrn
Prokuristen
" - selbst bei dieser
Bemerkung
redete
er
eigentlich
nur zum
Fabrikanten
- "wird es
gewiß
lieb
sein
, wenn wir es
ihm
abnehmen
. Die
Sache
verlangt
ruhige
Überlegung
. Er aber
scheint
heute
sehr
überlastet
zu
sein
, auch
warten
ja einige
Leute
im
Vorzimmer
schon
stundenlang
auf
ihn
."
K
. hatte
gerade
noch
genügend
Fassung
, sich vom
Direktor-Stellvertreter
wegzudrehen
und
sein
freundliches
, aber
starres
Lächeln
nur dem
Fabrikanten
zuzuwenden
, sonst
griff
er
gar
nicht ein,
stützte
sich, ein wenig
vorgebeugt
, mit
beiden
Händen
auf den
Schreibtisch
wie ein
Kommis
hinter dem
Pult
und
sah
zu, wie die zwei
Herren
unter
weiteren
Reden
die
Papiere
vom
Tisch
nahmen
und im
Direktionszimmer
verschwanden
. In der
Tür
drehte
sich noch der
Fabrikant
um,
sagte
, er
verabschiede
sich noch nicht,
sondern
werde
natürlich
dem
Herrn
Prokuristen
über den
Erfolg
der
Besprechung
berichten
, auch habe er
ihm
noch eine
andere
kleine
Mitteilung
zu
machen
.
Endlich
war
K
. allein. Er
dachte
gar
nicht daran, irgendeine
andere
Partei
vorzulassen
, und nur
undeutlich
kam
ihm
zu
Bewußtsein
, wie
angenehm
es
sei
, daß die
Leute
draußen
in dem
Glauben
waren
, er
verhandle
noch mit dem
Fabrikanten
und es
könne
aus diesem
Grunde
niemand, nicht
einmal
der
Diener
, bei
ihm
eintreten
. Er
ging
zum
Fenster
,
setzte
sich auf die
Brüstung
,
hielt
sich mit einer
Hand
an der
Klinke
fest
und
sah
auf den
Platz
hinaus. Der
Schnee
fiel
noch immer, es hatte sich noch
gar
nicht
aufgehellt
.
Lange
saß
er so, ohne zu
wissen
, was
ihm
eigentlich
Sorgen
machte
, nur von
Zeit
zu
Zeit
blickte
er ein wenig
erschreckt
über die
Schulter
hinweg
zur
Vorzimmertür
, wo er
irrtümlicherweise
ein
Geräusch
zu
hören
geglaubt
hatte.
Da
aber niemand
kam
,
wurde
er
ruhiger
,
ging
zum
Waschtisch
,
wusch
sich mit
kaltem
Wasser
und
kehrte
mit
freierem
Kopf
zu seinem
Fensterplatz
zurück
. Der
Entschluß
, seine
Verteidigung
selbst in die
Hand
zu
nehmen
,
stellte
sich
ihm
schwerwiegender
dar
, als er
ursprünglich
angenommen
hatte.
Solange
er die
Verteidigung
auf den
Advokaten
überwälzt
hatte, war er doch noch vom
Prozeß
im
Grunde
wenig
betroffen
gewesen
, er hatte
ihn
von der
Ferne
beobachtet
und hatte
unmittelbar
von
ihm
kaum
erreicht
werden
können
, er hatte
nachsehen
können
, wann er
wollte
, wie seine
Sache
stand
, aber er hatte auch den
Kopf
wieder
zurückziehen
können
, wann er
wollte
. Jetzt
hingegen
, wenn er seine
Verteidigung
selbst
führen
würde
,
mußte
er sich -
wenigstens
für
den
Augenblick
-
ganz
und
gar
dem
Gericht
aussetzen
, der
Erfolg
dessen
sollte
ja
für
später
seine
vollständige
und
endgültige
Befreiung
sein
, aber um diese zu
erreichen
,
mußte
er sich
vorläufig
jedenfalls
in viel
größere
Gefahr
begeben
als
bisher
. Hätte er daran
zweifeln
wollen
, so hätte
ihn
das
heutige
Beisammensein
mit dem
Direktor-Stellvertreter
und dem
Fabrikanten
hinreichend
vom
Gegenteil
überzeugen
können
. Wie war er doch
dagesessen
, schon vom
bloßen
Entschluß
, sich selbst zu
verteidigen
,
gänzlich
benommen
? Wie
sollte
es aber
später
werden? Was
für
Tage
standen
ihm
bevor
!
Würde
er den
Weg
finden
, der durch alles
hindurch
zum
guten
Ende
führte
?
Bedeutete
nicht eine
sorgfältige
Verteidigung
- und alles
andere
war
sinnlos
-,
bedeutete
nicht eine
sorgfältige
Verteidigung
gleichzeitig
die
Notwendigkeit
, sich von allem
anderen
möglichst
abzuschließen
?
Würde
er das
glücklich
überstehen
? Und wie
sollte
ihm
die
Durchführung
dessen in der
Bank
gelingen
? Es
handelte
sich ja nicht nur um die
Eingabe
,
für
die ein
Urlaub
vielleicht
genügt
hätte, obwohl die
Bitte
um einen
Urlaub
gerade
jetzt ein
großes
Wagnis
gewesen
wäre
, es
handelte
sich doch um einen
ganzen
Prozeß
, dessen
Dauer
unabsehbar
war. Was
für
ein
Hindernis
war
plötzlich
in
K
.
s
Laufbahn
geworfen
worden
!
Und jetzt
sollte
er
für
die
Bank
arbeiten
? Er
sah
auf den
Schreibtisch
hin. - Jetzt
sollte
er
Parteien
vorlassen
und mit ihnen
verhandeln
?
Während
sein
Prozeß
weiterrollte
,
während
oben auf dem
Dachboden
die
Gerichtsbeamten
über den
Schriften
dieses
Prozesses
saßen
,
sollte
er die
Geschäfte
der
Bank
besorgen
?
Sah
es nicht aus wie eine
Folter
, die, vom
Gericht
anerkannt
, mit dem
Prozeß
zusammenhing
und
ihn
begleitete
? Und
würde
man etwa in der
Bank
bei der
Beurteilung
seiner
Arbeit
seine
besondere
Lage
berücksichtigen
? Niemand und
niemals
.
Ganz
unbekannt
war ja
sein
Prozeß
nicht, wenn es auch noch nicht
ganz
klar
war, wer davon
wußte
und wieviel. Bis zum
Direktor-Stellvertreter
aber war das
Gerücht
hoffentlich
noch nicht
gedrungen
, sonst hätte man schon
deutlich
sehen
müssen
, wie er es ohne jede
Kollegialität
und
Menschlichkeit
gegen
K
.
ausnützen
würde
. Und