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Franz Kafka
Der Prozeß
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Achtes Kapitel. Kaufmann Block - Kündigung des Advokaten
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Achtes
Kapitel
.
Kaufmann
Block
-
Kündigung
des
Advokaten
Endlich
hatte sich
K
. doch
entschlossen
, dem
Advokaten
seine
Vertretung
zu
entziehen
.
Zweifel
daran, ob es richtig war, so zu
handeln
,
waren
zwar nicht
auszurotten
, aber die
Überzeugung
von der
Notwendigkeit
dessen
überwog
. Die
Entschließung
hatte
K
. an dem
Tage
, an dem er zum
Advokaten
gehen
wollte
, viel
Arbeitskraft
entzogen
, er
arbeitete
besonders
langsam
, er
mußte
sehr
lange
im
Büro
bleiben
, und es war schon zehn
Uhr
vorüber
, als er
endlich
vor
der
Tür
des
Advokaten
stand
. Noch
ehe
er
läutete
,
überlegte
er, ob es nicht
besser
wäre
, dem
Advokaten
telephonisch
oder
brieflich
zu
kündigen
, die
persönliche
Unterredung
würde
gewiß
sehr
peinlich
werden. Trotzdem
wollte
K
.
schließlich
auf sie nicht
verzichten
, bei jeder
anderen
Art
der
Kündigung
würde
diese
stillschweigend
oder mit ein
paar
förmlichen
Worten
angenommen
werden, und
K
.
würde
, wenn nicht etwa
Leni
einiges
erforschen
könnte
,
niemals
erfahren
, wie der
Advokat
die
Kündigung
aufgenommen
hatte und was
für
Folgen
für
K
. diese
Kündigung
nach der nicht
unwichtigen
Meinung
des
Advokaten
haben
könnte
.
Saß
aber der
Advokat
K
.
gegenüber
und
wurde
er von der
Kündigung
überrascht
, so
würde
K
., selbst wenn der
Advokat
sich nicht viel
entlocken
ließ
, aus seinem
Gesicht
und seinem
Benehmen
alles, was er
wollte
,
leicht
entnehmen
können
. Es war sogar nicht
ausgeschlossen
, daß er
überzeugt
wurde
, daß es doch
gut
wäre
, dem
Advokaten
die
Verteidigung
zu
überlassen
und daß er dann seine
Kündigung
zurückzog
.
Das
erste
Läuten
an der
Tür
des
Advokaten
war, wie
gewöhnlich
,
zwecklos
. "
Leni
könnte
flinker
sein
",
dachte
K
. Aber es war schon ein
Vorteil
, wenn sich nicht die
andere
Partei
einmischte
, wie sie es
gewöhnlich
tat
,
sei
es, daß der Mann im
Schlafrock
oder sonst
jemand
zu
belästigen
anfing
.
Während
K
. zum
zweitenmal
den
Knopf
drückte
,
sah
er nach der
anderen
Tür
zurück
,
diesmal
aber
blieb
auch sie
geschlossen
.
Endlich
erschienen
an dem
Guckfenster
der
Tür
des
Advokaten
zwei
Augen
, es
waren
aber nicht
Lenis
Augen
.
Jemand
schloß
die
Tür
auf,
stemmte
sich aber
vorläufig
noch gegen sie,
rief
in die
Wohnung
zurück
: "Er ist es!" und
öffnete
erst
dann
vollständig
.
K
. hatte gegen die
Tür
gedrängt
,
denn
schon
hörte
er, wie hinter
ihm
in der
Tür
der
anderen
Wohnung
der
Schlüssel
hastig
im
Schloß
gedreht
wurde
. Als sich daher die
Tür
vor
ihm
endlich
öffnete
,
stürmte
er
geradezu
ins
Vorzimmer
und
sah
noch, wie durch den
Gang
, der zwischen den
Zimmern
hindurchführte
,
Leni
,
welcher
der
Warnungsruf
des
Türöffners
gegolten
hatte, im
Hemd
davonlief
. Er
blickte
ihr ein
Weilchen
nach und
sah
sich dann nach dem
Türöffner
um. Es war ein
kleiner
,
dürrer
Mann mit
Vollbart
, er
hielt
eine
Kerze
in der
Hand
. "Sie sind hier
angestellt
?"
fragte
K
. "Nein",
antwortete
der Mann, "ich bin hier
fremd
, der
Advokat
ist nur mein
Vertreter
, ich bin hier wegen einer
Rechtsangelegenheit
." "Ohne
Rock
?"
fragte
K
. und
zeigte
mit einer
Handbewegung
auf die
mangelhafte
Bekleidung
des
Mannes
. "
Ach
,
verzeihen
Sie!"
sagte
der Mann und
beleuchtete
sich selbst mit der
Kerze
, als
sähe
er selbst zum
erstenmal
seinen
Zustand
. "
Leni
ist Ihre
Geliebte
?"
fragte
K
.
kurz
. Er hatte die
Beine
ein wenig
gespreizt
, die
Hände
, in denen er den
Hut
hielt
,
hinten
verschlungen
. Schon durch den
Besitz
eines
starken
Überrocks
fühlte
er sich dem
mageren
Kleinen
sehr
überlegen
. "
O
Gott
",
sagte
der und
hob
die eine
Hand
in
erschrockener
Abwehr
vor
das
Gesicht
, "nein, nein, was
denken
Sie
denn
?" "Sie
sehen
glaubwürdig
aus",
sagte
K
.
lächelnd
, "trotzdem
kommen
Sie." Er
winkte
ihm
mit dem
Hut
und
ließ
ihn
vor
sich
gehen
. "Wie
heißen
Sie
denn
?"
fragte
K
. auf dem
Weg
. "
Block
,
Kaufmann
Block
",
sagte
der
Kleine
und
drehte
sich bei dieser
Vorstellung
nach
K
. um,
stehenbleiben
ließ
ihn
aber
K
. nicht. "Ist das Ihr
wirklicher
Name
?"
fragte
K
. "
Gewiß
", war die
Antwort
, "warum haben Sie
denn
Zweifel
?" "Ich
dachte
, Sie
könnten
Grund
haben, Ihren
Namen
zu
verschweigen
",
sagte
K
. Er
fühlte
sich so
frei
, wie man es sonst nur ist, wenn man in der
Fremde
mit
niedrigen
Leuten
spricht
, alles, was einen selbst
betrifft
, bei sich
behält
, nur
gleichmütig
von den
Interessen
der
anderen
redet
, sie
dadurch
vor
sich selbst
erhöht
, aber auch nach
Belieben
fallen
lassen
kann. Bei der
Tür
des
Arbeitszimmers
des
Advokaten
blieb
K
.
stehen
,
öffnete
sie und
rief
dem
Kaufmann
, der
folgsam
weitergegangen
war, zu: "Nicht so
eilig
!
Leuchten
Sie hier!"
K
.
dachte
,
Leni
könnte
sich hier
versteckt
haben, er
ließ
den
Kaufmann
alle
Winkel
absuchen
, aber das
Zimmer
war
leer
.
Vor
dem
Bild
des
Richters
hielt
K
. den
Kaufmann
hinten
an den
Hosenträgern
zurück
. "
Kennen
Sie den?"
fragte
er und
zeigte
mit dem
Zeigefinger
in die
Höhe
. Der
Kaufmann
hob
die
Kerze
,
sah
blinzelnd
hinauf und
sagte
: "Es ist ein
Richter
." "Ein
hoher
Richter
?"
fragte
K
. und
stellte
sich
seitlich
vor
den
Kaufmann
, um den
Eindruck
, den das
Bild
auf
ihn
machte
, zu
beobachten
. Der
Kaufmann
sah
bewundernd
aufwärts
. "Es ist ein
hoher
Richter
",
sagte
er. "Sie haben
keinen
großen
Einblick
",
sagte
K
. "Unter den
niedrigen
Untersuchungsrichtern
ist er der
niedrigste
." "Nun
erinnere
ich mich",
sagte
der
Kaufmann
und
senkte
die
Kerze
, "ich habe es auch schon
gehört
." "Aber
natürlich
",
rief
K
., "ich
vergaß
ja,
natürlich
müssen
Sie es schon
gehört
haben." "Aber warum
denn
, warum
denn
?"
fragte
der
Kaufmann
,
während
er sich, von
K
. mit den
Händen
angetrieben
, zur
Tür
fortbewegte
.
Draußen
auf dem
Gang
sagte
K
.: "Sie
wissen
doch, wo sich
Leni
versteckt
hat?" "
Versteckt
?"
sagte
der
Kaufmann
, "nein, sie
dürfte
aber in der
Küche
sein
und dem
Advokaten
eine
Suppe
kochen
." "Warum haben Sie das nicht
gleich
gesagt
?"
fragte
K
. "Ich
wollte
Sie ja
hinführen
, Sie haben mich aber wieder
zurückgerufen
",
antwortete
der
Kaufmann
, wie
verwirrt
durch die
widersprechenden
Befehle
. "Sie
glauben
wohl
sehr
schlau
zu
sein
",
sagte
K
., "
führen
Sie mich also!" In der
Küche
war
K
. noch
nie
gewesen
, sie war
überraschend
groß
und
reich
ausgestattet
. Allein der
Herd
war
dreimal
so
groß
wie
gewöhnliche
Herde
, von dem
übrigen
sah
man keine
Einzelheiten
,
denn
die
Küche
wurde
jetzt nur von einer
kleinen
Lampe
beleuchtet
, die beim
Eingang
hing
. Am
Herd
stand
Leni
in
weißer
Schürze
, wie immer, und
leerte
Eier
in einen
Topf
aus, der auf einem
Spiritusfeuer
stand
. "
Guten
Abend
,
Josef
",
sagte
sie mit einem
Seitenblick
. "
Guten
Abend
",
sagte
K
. und
zeigte
mit einer
Hand
auf einen
abseits
stehenden
Sessel
, auf den sich der
Kaufmann
setzen
sollte
, was dieser auch
tat
.
K
. aber
ging
ganz
nahe
hinter
Leni
,
beugte
sich über ihre
Schulter
und
fragte
: "Wer ist der Mann?"
Leni
umfaßte
K
. mit einer
Hand
, die
andere
quirlte
die
Suppe
,
zog
ihn
nach vorn zu sich und
sagte
: "Es ist ein
bedauernswerter
Mensch
, ein
armer
Kaufmann
, ein
gewisser
Block
.
Sieh
ihn
nur an." Sie
blickten
beide
zurück
. Der
Kaufmann
saß
auf dem
Sessel
, auf den
ihn
K
.
gewiesen
hatte, er hatte die
Kerze
, deren
Licht
jetzt
unnötig
war,
ausgepustet
und
drückte
mit den
Fingern
den
Docht
, um den
Rauch
zu
verhindern
. "Du
warst
im
Hemd
",
sagte
K
. und
wendete
ihren
Kopf
mit der
Hand
wieder dem
Herd
zu. Sie
schwieg
. "Er ist dein
Geliebter
?"
fragte
K
. Sie
wollte
nach dem
Suppentopf
greifen
, aber
K
.
nahm
ihre
beiden
Hände
und
sagte
: "Nun
antworte
!". Sie
sagte
: "
Komm
ins
Arbeitszimmer
, ich
werde
dir alles
erklären
." "Nein",
sagte
K
., "ich will, daß du es hier
erklärst
." Sie
hing
sich an
ihn
und
wollte
ihn
küssen
.
K
.
wehrte
sie aber ab und
sagte
: "Ich will nicht, daß du mich jetzt
küßt
." "
Josef
",
sagte
Leni
und
sah
K
.
bittend
und doch
offen
in die
Augen
, "du
wirst
doch nicht auf
Herrn
Block
eifersüchtig
sein
. -
Rudi
",
sagte
sie dann, sich an den
Kaufmann
wendend
, "so
hilf
mir doch, du
siehst
, ich
werde
verdächtigt
,
laß
die
Kerze
." Man hätte
denken
können
, er hätte nicht
achtgegeben
, aber er war
vollständig
eingeweiht
. "Ich
wüßte
auch nicht, warum Sie
eifersüchtig
sein
sollten
",
sagte
er wenig
schlagfertig
. "Ich
weiß
es
eigentlich
auch nicht",
sagte
K
. und
sah
den
Kaufmann
lächelnd
an.
Leni
lachte
laut
,
benützte
die
Unaufmerksamkeit
K
.
s
, um sich in seinen
Arm
einzuhängen
, und
flüsterte
: "
Laß
ihn
jetzt, du
siehst
ja, was
für
ein
Mensch
er ist. Ich habe mich seiner ein wenig
angenommen
, weil er eine
große
Kundschaft
des
Advokaten
ist, aus
keinem
andern
Grund
. Und du?
Willst
du noch
heute
mit dem
Advokaten
sprechen
? Er ist
heute
sehr
krank
, aber wenn du
willst
,
melde
ich dich doch an. Über
Nacht
bleibst
du aber bei mir,
ganz
gewiß
. Du
warst
auch schon so
lange
nicht bei uns, selbst der
Advokat
hat nach dir
gefragt
.
Vernachlässige
den
Prozeß
nicht! Auch ich habe dir
Verschiedenes
mitzuteilen
, was ich
erfahren
habe. Nun aber
zieh
fürs
erste
deinen
Mantel
aus!" Sie
half
ihm
, sich
auszuziehen
,
nahm
ihm
den
Hut
ab,
lief
mit den
Sachen
ins
Vorzimmer
, sie
anzuhängen
,
lief
dann wieder
zurück
und
sah
nach der
Suppe
. "
Soll
ich
zuerst
dich
anmelden
oder
ihm
zuerst
die
Suppe
bringen
?" "
Melde
mich
zuerst
an",
sagte
K
. Er war
ärgerlich
, er hatte
ursprünglich
beabsichtigt
, mit
Leni
seine
Angelegenheit
,
insbesondere
die
fragliche
Kündigung
genau
zu
besprechen
, die
Anwesenheit
des
Kaufmanns
hatte
ihm
aber die
Lust
dazu
genommen
. Jetzt aber
hielt
er seine
Sache
doch
für
zu
wichtig
, als daß dieser
kleine
Kaufmann
vielleicht
entscheidend
eingreifen
sollte
, und so
rief
er
Leni
, die schon auf dem
Gang
war, wieder
zurück
. "
Bring
ihm
doch
zuerst
die
Suppe
",
sagte
er, "er
soll
sich
für
die
Unterredung
mit mir
stärken
, er wird es
nötig
haben." "Sie sind auch ein
Klient
des
Advokaten
",
sagte
, wie zur
Feststellung
, der
Kaufmann
leise
aus seiner
Ecke
. Es
wurde
aber nicht
gut
aufgenommen
. "Was
kümmert
Sie
denn
das?"
sagte
K
., und
Leni
sagte
. "
Wirst
du
still
sein
. - Dann
bringe
ich
ihm
also
zuerst
die
Suppe
",
sagte
Leni
zu
K
. und
goß
die
Suppe
auf einen
Teller
. "Es ist dann nur zu
befürchten
, daß er
bald
einschläft
, nach dem
Essen
schläft
er
bald
ein." "Das, was ich
ihm
sagen
werde
, wird
ihn
wacherhalten
",
sagte
K
., er
wollte
immerfort
durchblicken
lassen
, daß er etwas
Wichtiges
mit dem
Advokaten
zu
verhandeln
beabsichtige
, er
wollte
von
Leni
gefragt
werden, was es
sei
, und dann
erst
sie um
Rat
fragen
. Aber sie
erfüllte
pünktlich
bloß
die
ausgesprochenen
Befehle
. Als sie mit der
Tasse
an
ihm
vorüberging
,
stieß
sie
absichtlich
sanft
an
ihn
und
flüsterte
: "Wenn er die
Suppe
gegessen
hat,
melde
ich dich
gleich
an, damit ich dich
möglichst
bald
wiederbekomme
." "Geh nur",
sagte
K
., "geh nur." "
Sei
doch
freundlicher
",
sagte
sie und
drehte
sich in der
Tür
mit der
Tasse
nochmals
ganz
um.
K
.
sah
ihr nach; nun war es
endgültig
beschlossen
, daß der
Advokat
entlassen
würde
, es war
wohl
auch
besser
, daß er
vorher
mit
Leni
nicht mehr
darüber
sprechen
konnte; sie hatte
kaum
den
genügenden
Überblick
über das
Ganze
, hätte
gewiß
abgeraten
, hätte
möglicherweise
K
. auch
wirklich
von der
Kündigung
diesmal
abgehalten
, er
wäre
weiterhin
in
Zweifel
und
Unruhe
geblieben
, und
schließlich
hätte er nach
einiger
Zeit
seinen
Entschluß
doch
ausgeführt
,
denn
dieser
Entschluß
war
allzu
zwingend
.
Je
früher
er aber
ausgeführt
wurde
,
desto
mehr
Schaden
wurde
abgehalten
. Vielleicht
wußte
übrigens
der
Kaufmann
etwas
darüber
zu
sagen
.
K
.
wandte
sich um,
kaum
bemerkte
das der
Kaufmann
, als er
sofort
aufstehen
wollte
. "
Bleiben
Sie
sitzen
",
sagte
K
. und
zog
einen
Sessel
neben
ihn
. "Sind Sie schon ein
alter
Klient
des
Advokaten
?"
fragte
K
. "Ja",
sagte
der
Kaufmann
, "ein sehr
alter
Klient
." "Wieviel
Jahre
vertritt
er Sie
denn
schon?"
fragte
K
. "Ich
weiß
nicht, wie Sie es meinen",
sagte
der
Kaufmann
, "in
geschäftlichen
Rechtsangelegenheiten
- ich habe ein
Getreidegeschäft
-
vertritt
mich der
Advokat
schon, seit ich das
Geschäft
übernommen
habe, also etwa seit zwanzig
Jahren
, in
meinem
eigenen
Prozeß
, auf den Sie
wahrscheinlich
anspielen
,
vertritt
er mich auch seit
Beginn
, es ist schon
länger
als
fünf
Jahre
. Ja,
weit
über
fünf
Jahre
",
fügte
er dann hinzu und
zog
eine
alte
Brieftasche
hervor
, "hier habe ich alles
aufgeschrieben
; wenn Sie
wollen
,
sage
ich Ihnen die
genauen
Daten
. Es ist
schwer
, alles zu
behalten
. Mein
Prozeß
dauert
wahrscheinlich
schon viel
länger
, er
begann
kurz
nach dem
Tod
meiner
Frau
, und das ist schon
länger
als
fünfeinhalb
Jahre
."
K
.
rückte
näher
zu
ihm
. "Der
Advokat
übernimmt
also auch
gewöhnliche
Rechtssachen
?"
fragte
er. Diese
Verbindung
der
Gerichte
und
Rechtswissenschaften
schien
K
.
ungemein
beruhigend
. "
Gewiß
",
sagte
der
Kaufmann
und
flüsterte
dann
K
. zu: "Man
sagt
sogar, daß er in diesen
Rechtssachen
tüchtiger
ist als in den
anderen
." Aber dann
schien
er das
Gesagte
zu
bereuen
, er
legte
K
. eine
Hand
auf die
Schulter
und
sagte
: "Ich
bitte
Sie sehr,
verraten
Sie mich nicht."
K
.
klopfte
ihm
zur
Beruhigung
auf den
Schenkel
und
sagte
: "Nein, ich bin kein
Verräter
." "Er ist
nämlich
rachsüchtig
",
sagte
der
Kaufmann
. "Gegen einen so
treuen
Klienten
wird er
gewiß
nichts tun",
sagte
K
. "
Odoch
",
sagte
der
Kaufmann
, "wenn er
aufgeregt
ist,
kennt
er keine
Unterschiede
,
übrigens
bin ich
ihm
nicht
eigentlich
treu
." "Wieso
denn
nicht?"
fragte
K
. "
Soll
ich es Ihnen
anvertrauen
?"
fragte
der
Kaufmann
zweifelnd
. "Ich
denke
, Sie
dürfen
es",
sagte
K
. "Nun",
sagte
der
Kaufmann
, "ich
werde
es Ihnen zum
Teil
anvertrauen
, Sie
müssen
mir aber auch ein
Geheimnis
sagen
, damit wir uns
gegenüber
dem
Advokaten
gegenseitig
festhalten
." "Sie sind sehr
vorsichtig
",
sagte
K
., "aber ich
werde
Ihnen ein
Geheimnis
sagen
, das Sie
vollständig
beruhigen
wird.
Worin
besteht
also Ihre
Untreue
gegenüber
dem
Advokaten
?" "Ich habe",
sagte
der
Kaufmann
zögernd
und in einem
Ton
, als
gestehe
er etwas
Unehrenhaftes
ein, "ich habe
außer
ihm
noch
andere
Advokaten
." "Das ist doch nichts so
Schlimmes
",
sagte
K
., ein wenig
enttäuscht
. "Hier ja",
sagte
der
Kaufmann
, der noch seit seinem
Geständnis
schwer
atmete
,
infolge
K
.
s
Bemerkung
aber mehr
Vertrauen
faßte
. "Es ist nicht
erlaubt
. Und am
allerwenigsten
ist es
erlaubt
, neben einem
sogenannten
Advokaten
auch noch
Winkeladvokaten
zu
nehmen
. Und
gerade
das habe ich
getan
, ich habe
außer
ihm
noch
fünf
Winkeladvokaten
." "
Fünf
!"
rief
K
.,
erst
die
Zahl
setzte
ihn
in
Erstaunen
, "
fünf
Advokaten
außer
diesem?" Der
Kaufmann
nickte
: "Ich
verhandle
gerade
noch mit einem
sechsten
." "Aber wozu
brauchen
Sie
denn
soviel
Advokaten
?"
fragte
K
. "Ich
brauche
alle",
sagte
der
Kaufmann
. "
Wollen
Sie mir das nicht
erklären
?"
fragte
K
. "
Gern
",
sagte
der
Kaufmann
. "
Vor
allem will ich doch meinen
Prozeß
nicht
verlieren
, das ist doch
selbstverständlich
.
Infolgedessen
darf
ich nichts, was mir
nützen
könnte
,
außer
acht
lassen
; selbst wenn die
Hoffnung
auf
Nutzen
in einem
bestimmten
Falle
nur
ganz
gering
ist,
darf
ich sie auch nicht
verwerfen
. Ich habe deshalb alles, was ich
besitze
, auf den
Prozeß
verwendet
. So habe ich zum
Beispiel
alles
Geld
meinem
Geschäft
entzogen
,
früher
füllten
die
Büroräume
meines
Geschäfts
fast ein
Stockwerk
,
heute
genügt
eine
kleine
Kammer
im
Hinterhaus
, wo ich mit einem
Lehrjungen
arbeite
. Diesen
Rückgang
hat
natürlich
nicht nur die
Entziehung
des
Geldes
verschuldet
,
sondern
mehr noch die
Entziehung
meiner
Arbeitskraft
. Wenn man
für
seinen
Prozeß
etwas tun will, kann man sich mit
anderem
nur wenig
befassen
." "Sie
arbeiten
also auch selbst bei
Gericht
?"
fragte
K
. "
Gerade
darüber
möchte
ich
gern
etwas
erfahren
." "
Darüber
kann ich nur wenig
berichten
",
sagte
der
Kaufmann
, "
anfangs
habe ich es
wohl
auch
versucht
, aber ich habe
bald
wieder davon
abgelassen
. Es ist zu
erschöpfend
und
bringt
nicht viel
Erfolg
. Selbst dort zu
arbeiten
und zu
unterhandeln
, hat sich
wenigstens
für
mich als
ganz
unmöglich
erwiesen
. Es ist ja dort schon das
bloße
Sitzen
und
Warten
eine
große
Anstrengung
. Sie
kennen
ja selbst die
schwere
Luft
in den
Kanzleien
." "Wieso
wissen
Sie
denn
, daß ich dort war?"
fragte
K
. "Ich war
gerade
im
Wartezimmer
, als Sie
durchgingen
." "Was
für
ein
Zufall
das ist!"
rief
K
.,
ganz
hingenommen
und die
frühere
Lächerlichkeit
des
Kaufmanns
ganz
vergessend
. "Sie haben mich also
gesehen
! Sie
waren
im
Wartezimmer
, als ich
durchging
. Ja, ich bin dort
einmal
durchgegangen
." "Es ist kein so
großer
Zufall
",
sagte
der
Kaufmann
, "ich bin dort fast
jeden
Tag
." "Ich
werde
nun
wahrscheinlich
auch
öfters
hingehen
müssen
",
sagte
K
., "nur
werde
ich
wohl
kaum
mehr so
ehrenvoll
aufgenommen
werden wie damals. Alle
standen
auf. Man
dachte
wohl
, ich
sei
ein
Richter
." "Nein",
sagte
der
Kaufmann
, "wir
grüßten
damals den
Gerichtsdiener
. Daß Sie ein
Angeklagter
sind, das
wußten
wir. Solche
Nachrichten
verbreiten
sich sehr
rasch
." "Das
wußten
Sie also schon",
sagte
K
., "dann
erschien
Ihnen aber mein
Benehmen
vielleicht
hochmütig
.
Sprach
man sich nicht
darüber
aus?" "Nein",
sagte
der
Kaufmann
, "im
Gegenteil
. Aber das sind
Dummheiten
." "Was
für
Dummheiten
denn
?"
fragte
K
. "Warum
fragen
Sie danach?"
sagte
der
Kaufmann
ärgerlich
. "Sie
scheinen
die
Leute
dort noch nicht zu
kennen
und werden es vielleicht
unrichtig
auffassen
. Sie
müssen
bedenken
, daß in diesem
Verfahren
immer wieder viele
Dinge
zur
Sprache
kommen
,
für
die der
Verstand
nicht mehr
ausreicht
, man ist
einfach
zu
müde
und
abgelenkt
für
vieles
, und zum
Ersatz
verlegt
man sich auf den
Aberglauben
. Ich
rede
von den
anderen
, bin aber selbst
gar
nicht
besser
. Ein
solcher
Aberglaube
ist es zum
Beispiel
, daß viele aus dem
Gesicht
des
Angeklagten
,
insbesondere
aus der
Zeichnung
der
Lippen
, den
Ausgang
des
Prozesses
erkennen
wollen
. Diese
Leute
also haben
behauptet
, Sie
würden
, nach Ihren
Lippen
zu
schließen
,
gewiß
und
bald
verurteilt
werden. Ich
wiederhole
, es ist ein
lächerlicher
Aberglaube
und in den
meisten
Fällen
durch die
Tatsachen
auch
vollständig
widerlegt
, aber wenn man in
jener
Gesellschaft
lebt
, ist es
schwer
, sich
solchen
Meinungen
zu
entziehen
.
Denken
Sie nur, wie
stark
dieser
Aberglaube
wirken
kann. Sie haben doch einen dort
angesprochen
, nicht? Er konnte Ihnen aber
kaum
antworten
. Es
gibt
natürlich
viele
Gründe
, um dort
verwirrt
zu
sein
, aber einer davon war auch der
Anblick
Ihrer
Lippen
. Er hat
später
erzählt
, er hätte auf Ihren
Lippen
auch das
Zeichen
seiner
eigenen
Verurteilung
zu
sehen
geglaubt
." "Meine
Lippen
?"
fragte
K
.,
zog
einen
Taschenspiegel
hervor
und
sah
sich an. "Ich kann an meinen
Lippen
nichts
Besonderes
erkennen
. Und Sie?" "Ich auch nicht",
sagte
der
Kaufmann
, "
ganz
und
gar
nicht." "Wie
abergläubisch
diese
Leute
sind!"
rief
K
. aus. "
Sagte
ich es nicht?"
fragte
der
Kaufmann
. "
Verkehren
sie
denn
soviel
untereinander
und
tauschen
sie ihre
Meinungen
aus?"
sagte
K
. "Ich habe mich
bisher
ganz
abseits
gehalten
." "Im
allgemeinen
verkehren
sie nicht
miteinander
",
sagte
der
Kaufmann
, "das
wäre
nicht
möglich
, es sind ja so viele. Es
gibt
auch wenig
gemeinsame
Interessen
. Wenn manchmal in einer
Gruppe
der
Glaube
an ein
gemeinsames
Interesse
auftaucht
, so
erweist
er sich
bald
als ein
Irrtum
.
Gemeinsam
läßt
sich gegen das
Gericht
nichts
durchsetzen
. Jeder
Fall
wird
für
sich
untersucht
, es ist ja das
sorgfältigste
Gericht
.
Gemeinsam
kann man also nichts
durchsetzen
, nur ein
einzelner
erreicht
manchmal etwas im
geheimen
;
erst
wenn es
erreicht
ist,
erfahren
es die
anderen
; keiner
weiß
, wie es
geschehen
ist. Es
gibt
also keine
Gemeinsamkeit
, man
kommt
zwar
hie
und
da
in den
Wartezimmern
zusammen
, aber dort wird wenig
besprochen
. Die
abergläubischen
Meinungen
bestehen
schon seit
alters
her und
vermehren
sich
förmlich
von selbst." "Ich
sah
die
Herren
dort im
Wartezimmer
",
sagte
K
., "ihr
Warten
kam
mir so
nutzlos
vor
." "Das
Warten
ist nicht
nutzlos
",
sagte
der
Kaufmann
, "
nutzlos
ist nur das
selbständige
Eingreifen
. Ich
sagte
schon, daß ich jetzt
außer
diesem noch
fünf
Advokaten
habe. Man
sollte
doch
glauben
- ich selbst
glaubte
es
zuerst
-, jetzt
könnte
ich ihnen die
Sache
vollständig
überlassen
. Das
wäre
aber
ganz
falsch
. Ich kann sie ihnen
weniger
überlassen
, als wenn ich nur einen hätte. Sie
verstehen
das
wohl
nicht?" "Nein",
sagte
K
. und
legte
, um den
Kaufmann
an seinem
allzu
schnellen
Reden
zu
hindern
, die
Hand
beruhigend
auf seine
Hand
, "ich
möchte
Sie nur
bitten
, ein wenig
langsamer
zu
reden
, es sind doch
lauter
für
mich sehr
wichtige
Dinge
, und ich kann Ihnen nicht
recht
folgen
." "
Gut
, daß Sie mich daran
erinnern
",
sagte
der
Kaufmann
, "Sie sind ja ein
Neuer
, ein
Junger
. Ihr
Prozeß
ist ein
halbes
Jahr
alt
, nicht
wahr
? Ja, ich habe davon
gehört
. Ein so
junger
Prozeß
! Ich aber habe diese
Dinge
schon
unzähligemal
durchgedacht
, sie sind mir das
Selbstverständlichste
auf der
Welt
." "Sie sind
wohl
froh
, daß Ihr
Prozeß
schon so
weit
fortgeschritten
ist?"
fragte
K
., er
wollte
nicht
geradezu
fragen
, wie die
Angelegenheiten
des
Kaufmanns
stünden
. Er
bekam
aber auch keine
deutliche
Antwort
. "Ja, ich habe meinen
Prozeß
fünf
Jahre
lang
fortgewälzt
",
sagte
der
Kaufmann
und
senkte
den
Kopf
, "es ist keine
kleine
Leistung
." Dann
schwieg
er ein
Weilchen
.
K
.
horchte
, ob
Leni
nicht schon
komme
.
Einerseits
wollte
er nicht, daß sie
komme
,
denn
er hatte noch
vieles
zu
fragen
und
wollte
auch nicht von
Leni
in diesem
vertraulichen
Gespräch
mit dem
Kaufmann
angetroffen
werden,
andererseits
aber
ärgerte
er sich
darüber
, daß sie
trotz
seiner
Anwesenheit
so
lange
beim
Advokaten
blieb
, viel
länger
, als zum
Reichen
der
Suppe
nötig
war. "Ich
erinnere
mich noch an die
Zeit
genau
",
begann
der
Kaufmann
wieder, und
K
. war
gleich
voll
Aufmerksamkeit
, "als mein
Prozeß
etwa so
alt
war wie jetzt Ihr
Prozeß
. Ich hatte damals nur diesen
Advokaten
, war aber nicht sehr mit
ihm
zufrieden
." Hier
erfahre
ich ja alles,
dachte
K
. und
nickte
lebhaft
mit dem
Kopf
, als
könne
er
dadurch
den
Kaufmann
aufmuntern
, alles
Wissenswerte
zu
sagen
. "Mein
Prozeß
",
fuhr
der
Kaufmann
fort
, "
kam
nicht
vorwärts
, es
fanden
zwar
Untersuchungen
statt, ich
kam
auch zu jeder,
sammelte
Material
,
erlegte
alle meine
Geschäftsbücher
bei
Gericht
, was, wie ich
später
erfuhr
, nicht
einmal
nötig
war, ich
lief
immer wieder zum
Advokaten
, er
brachte
auch
verschiedene
Eingaben
ein -." "
Verschiedene
Eingaben
?"
fragte
K
. "Ja,
gewiß
",
sagte
der
Kaufmann
. "Das ist mir sehr
wichtig
",
sagte
K
., "in
meinem
Fall
arbeitet
er noch immer an der
ersten
Eingabe
. Er hat noch nichts
getan
. Ich
sehe
jetzt, er
vernachlässigt
mich
schändlich
." "Daß die
Eingabe
noch nicht
fertig
ist, kann
verschiedene
berechtigte
Gründe
haben",
sagte
der
Kaufmann
. "
übrigens
hatte es sich bei meinen
Eingaben
später
gezeigt
, daß sie
ganz
wertlos
waren
. Ich habe sogar eine durch das
Entgegenkommen
eines
Gerichtsbeamten
selbst
gelesen
. Sie war zwar
gelehrt
, aber
eigentlich
inhaltlos
.
Vor
allem sehr viel
Latein
, das ich nicht
verstehe
, dann
seitenlange
allgemeine
Anrufungen
des
Gerichtes
, dann
Schmeicheleien
für
einzelne
bestimmte
Beamte
, die zwar nicht
genannt
waren
, die aber ein
Eingeweihter
jedenfalls
erraten
mußte
, dann
Selbstlob
des
Advokaten
,
wobei
er sich auf
geradezu
hündische
Weise
vor
dem
Gericht
demütigte
, und
endlich
Untersuchungen
von
Rechtsfällen
aus
alter
Zeit
, die dem
meinigen
ähnlich
sein
sollten
. Diese
Untersuchungen
waren
allerdings
,
soweit
ich ihnen
folgen
konnte, sehr
sorgfältig
gemacht
. Ich will auch mit diesem
allen
kein
Urteil
über die
Arbeit
des
Advokaten
abgeben
, auch war die
Eingabe
, die ich
gelesen
habe, nur eine unter
mehreren
,
jedenfalls
aber, und davon will ich jetzt
sprechen
, konnte ich damals in
meinem
Prozeß
keinen
Fortschritt
sehen
." "Was
für
einen
Fortschritt
wollten
Sie
denn
sehen
?"
fragte
K
. "Sie
fragen
ganz
vernünftig
",
sagte
der
Kaufmann
lächelnd
, "man kann in diesem
Verfahren
nur
selten
Fortschritte
sehen
. Aber damals
wußte
ich das nicht. Ich bin
Kaufmann
und war es damals noch viel mehr als
heute
, ich
wollte
greifbare
Fortschritte
haben, das
Ganze
sollte
sich zum
Ende
neigen
oder
wenigstens
den
regelrechten
Aufstieg
nehmen
. Statt dessen
gab
es nur
Einvernehmungen
, die
meist
den
gleichen
Inhalt
hatten; die
Antworten
hatte ich schon
bereit
wie eine
Litanei
;
mehrmals
in der
Woche
kamen
Gerichtsboten
in mein
Geschäft
, in meine
Wohnung
oder wo sie mich sonst
antreffen
konnten
; das war
natürlich
störend
(
heute
ist es
wenigstens
in dieser
Hinsicht
viel
besser
, der
telephonische
Anruf
stört
viel
weniger
), auch unter meinen
Geschäftsfreunden
,
insbesondere
aber unter meinen
Verwandten
,
fingen
Gerüchte
von
meinem
Prozeß
sich zu
verbreiten
an,
Schädigungen
gab
es also von
allen
Seiten
, aber nicht das
geringste
Anzeichen
sprach
dafür, daß auch nur die
erste
Gerichtsverhandlung
in der
nächsten
Zeit
stattfinden
würde
. Ich
ging
also zum
Advokaten
und
beklagte
mich. Er
gab
mir zwar
lange
Erklärungen
,
lehnte
es aber
entschieden
ab, etwas in
meinem
Sinne
zu tun, niemand habe
Einfluß
auf die
Festsetzung
der
Verhandlung
, in einer
Eingabe
darauf zu
dringen
- wie ich es
verlangte
-,
sei
einfach
unerhört
und
würde
mich und
ihn
verderben
. Ich
dachte
: Was dieser
Advokat
nicht will oder kann, wird ein anderer
wollen
und
können
. Ich
sah
mich also nach
anderen
Advokaten
um. Ich will es
gleich
vorwegnehmen
: keiner hat die
Festsetzung
der
Hauptverhandlung
verlangt
oder
durchgesetzt
, es ist,
allerdings
mit einem
Vorbehalt
, von dem ich noch
sprechen
werde
,
wirklich
unmöglich
,
hinsichtlich
dieses
Punktes
hat mich also dieser
Advokat
nicht
getäuscht
; im
übrigen
aber hatte ich es nicht zu
bedauern
, mich noch an
andere
Advokaten
gewendet
zu haben. Sie
dürften
wohl
von
Dr
.
Huld
auch schon
manches
über die
Winkeladvokaten
gehört
haben, er hat sie Ihnen
wahrscheinlich
als sehr
verächtlich
dargestellt
, und das sind sie
wirklich
.
Allerdings
unterläuft
ihm
immer, wenn er von ihnen
spricht
und sich und seine
Kollegen
zu ihnen in
Vergleich
setzt
, ein
kleiner
Fehler
, auf den ich Sie
ganz
nebenbei
auch
aufmerksam
machen
will. Er
nennt
dann immer die
Advokaten
seines
Kreises
zur
Unterscheidung
die "
großen
Advokaten
". Das ist
falsch
, es kann sich
natürlich
jeder "
groß
"
nennen
, wenn es
ihm
beliebt
, in diesem
Fall
aber
entscheidet
doch nur der
Gerichtsgebrauch
. Nach diesem
gibt
es
nämlich
außer
den
Winkeladvokaten
noch
kleine
und
große
Advokaten
. Dieser
Advokat
und seine
Kollegen
sind
jedoch
nur die
kleinen
Advokaten
, die
großen
Advokaten
aber, von denen ich nur
gehört
und die ich
nie
gesehen
habe,
stehen
im
Rang
unvergleichlich
höher
über den
kleinen
Advokaten
als diese über den
verachteten
Winkeladvokaten
." "Die
großen
Advokaten
?"
fragte
K
. "Wer sind
denn
die? Wie
kommt
man zu ihnen?" "Sie haben also noch
nie
von ihnen
gehört
",
sagte
der
Kaufmann
. "Es
gibt
kaum
einen
Angeklagten
, der nicht, nachdem er von ihnen
erfahren
hat, eine
Zeitlang
von ihnen
träumen
würde
.
Lassen
Sie sich
lieber
nicht dazu
verführen
. Wer die
großen
Advokaten
sind,
weiß
ich nicht, und zu ihnen
kommen
kann man
wohl
gar
nicht. Ich
kenne
keinen
Fall
, von dem sich mit
Bestimmtheit
sagen
liege
, daß sie
eingegriffen
hätten
.
Manchen
verteidigen
sie, aber durch
eigenen
Willen
kann man das nicht
erreichen
, sie
verteidigen
nur den, den sie
verteidigen
wollen
. Die
Sache
, deren sie sich
annehmen
,
mag
aber
wohl
über das
niedrige
Gericht
schon
hinausgekommen
sein
. Im
übrigen
ist es
besser
, nicht an sie zu
denken
,
denn
sonst
kommen
einem die
Besprechungen
mit den
anderen
Advokaten
, deren
Ratschläge
und deren
Hilfeleistungen
so
widerlich
und
nutzlos
vor
, ich habe es selbst
erfahren
, daß man am
liebsten
alles
wegwerfen
, sich zu
Hause
ins
Bett
legen
und von nichts mehr
hören
wollte
. Das
wäre
aber
natürlich
wieder das
Dümmste
, auch hätte man im
Bett
nicht
lange
Ruhe
." "Sie
dachten
damals also nicht an die
großen
Advokaten
?"
fragte
K
. "Nicht
lange
",
sagte
der
Kaufmann
und
lächelte
wieder, "
vollständig
vergessen
kann man sie
leider
nicht,
besonders
die
Nacht
ist
solchen
Gedanken
günstig
. Aber damals
wollte
ich ja
sofortige
Erfolge
, ich
ging
daher zu den
Winkeladvokaten
."
"Wie ihr hier
beieinander
sitzt
!"
rief
Leni
, die mit der
Tasse
zurückgekommen
war und in der
Tür
stehenblieb
. Sie
saßen
wirklich
eng
beisammen
, bei der
kleinsten
Wendung
mußten
sie mit den
Köpfen
aneinanderstoßen
, der
Kaufmann
, der,
abgesehen
von seiner
Kleinheit
, auch noch den
Rücken
gekrümmt
hielt
, hatte
K
.
gezwungen
, sich auch
tief
zu
bücken
, wenn er alles
hören
wollte
. "Noch ein
Weilchen
!"
rief
K
.
Leni
abwehrend
zu und
zuckte
ungeduldig
mit der
Hand
, die er noch immer auf des
Kaufmanns
Hand
liegen
hatte. "Er
wollte
, daß ich
ihm
von
meinem
Prozeß
erzähle
",
sagte
der
Kaufmann
zu
Leni
. "
Erzähle
nur,
erzähle
",
sagte
diese. Sie
sprach
mit dem
Kaufmann
liebevoll
, aber doch auch
herablassend
,
K
.
gefiel
das nicht; wie er jetzt
erkannt
hatte, hatte der Mann doch einen
gewissen
Wert
,
zumindest
hatte er
Erfahrungen
, die er
gut
mitzuteilen
verstand
.
Leni
beurteilte
ihn
wahrscheinlich
unrichtig
. Er
sah
ärgerlich
zu, als
Leni
jetzt dem
Kaufmann
die
Kerze
, die er die
ganze
Zeit
über
festgehalten
hatte,
abnahm
,
ihm
die
Hand
mit ihrer
Schürze
abwischte
und dann neben
ihm
niederkniete
, um etwas
Wachs
wegzukratzen
, das von der
Kerze
auf seine
Hose
getropft
war. "Sie
wollten
mir von den
Winkeladvokaten
erzählen
",
sagte
K
. und
schob
, ohne eine
weitere
Bemerkung
,
Lenis
Hand
weg
. "Was
willst
du
denn
?"
fragte
Leni
,
schlug
leicht
nach
K
. und
setzte
ihre
Arbeit
fort
. "Ja, von den
Winkeladvokaten
",
sagte
der
Kaufmann
und
fuhr
sich über die
Stirn
, als
denke
er nach.
K
.
wollte
ihm
nachhelfen
und
sagte
: "Sie
wollten
sofortige
Erfolge
haben und
gingen
deshalb zu den
Winkeladvokaten
." "
Ganz
richtig",
sagte
der
Kaufmann
,
setzte
aber nicht
fort
. "Er will vielleicht
vor
Leni
nicht davon
sprechen
",
dachte
K
.,
bezwang
seine
Ungeduld
, das
Weitere
gleich
jetzt zu
hören
, und
drang
nun nicht mehr weiter in
ihn
.
"Hast du mich
angemeldet
?"
fragte
er
Leni
. "
Natürlich
",
sagte
diese, "er
wartet
auf dich.
Laß
jetzt
Block
, mit
Block
kannst
du auch
später
reden
, er
bleibt
doch hier."
K
.
zögerte
noch. "Sie
bleiben
hier?"
fragte
er den
Kaufmann
, er
wollte
dessen eigene
Antwort
, er
wollte
nicht, daß
Leni
vom
Kaufmann
wie von einem
Abwesenden
sprach
, er war
heute
gegen
Leni
voll
geheimen
Ärgers
. Und wieder
antwortete
nur
Leni
: "Er
schläft
hier
öfters
." "
Schläft
hier?"
rief
K
., er hatte
gedacht
, der
Kaufmann
werde
hier nur auf
ihn
warten
,
während
er die
Unterredung
mit dem
Advokaten
rasch
erledigen
würde
, dann aber
würden
sie
gemeinsam
fortgehen
und alles
gründlich
und
ungestört
besprechen
. "Ja",
sagte
Leni
, "nicht jeder wird wie du,
Josef
, zu
beliebiger
Stunde
beim
Advokaten
vorgelassen
. Du
scheinst
dich ja
gar
nicht
darüber
zu
wundern
, daß dich der
Advokat
trotz
seiner
Krankheit
noch um elf
Uhr
nachts
empfängt
. Du
nimmst
das, was deine
Freunde
für
dich tun, doch als
gar
zu
selbstverständlich
an. Nun, deine
Freunde
, oder
zumindest
ich, tun es
gerne
. Ich will
keinen
anderen
Dank
und
brauche
auch
keinen
anderen
, als daß du mich
liebhast
." "Dich
liebhaben
?"
dachte
K
. im
ersten
Augenblick
,
erst
dann
ging
es
ihm
durch den
Kopf
: "Nun ja, ich habe sie
lieb
." Trotzdem
sagte
er, alles
andere
vernachlässigend
: "Er
empfängt
mich, weil ich
sein
Klient
bin. Wenn auch dafür noch
fremde
Hilfe
nötig
wäre
,
müßte
man bei jedem
Schritt
immer
gleichzeitig
betteln
und
danken
." "Wie
schlimm
er
heute
ist, nicht?"
fragte
Leni
den
Kaufmann
. "Jetzt bin ich der
Abwesende
",
dachte
K
. und
wurde
fast sogar auf den
Kaufmann
böse
, als dieser, die
Unhöflichkeit
Lenis
übernehmend
,
sagte
: "Der
Advokat
empfängt
ihn
auch noch aus
anderen
Gründen
.
Sein
Fall
ist
nämlich
interessanter
als der meine.
Außerdem
aber ist
sein
Prozeß
in den
Anfängen
, also
wahrscheinlich
noch nicht sehr
verfahren
,
da
beschäftigt
sich der
Advokat
noch
gern
mit
ihm
.
Später
wird das anders werden." "Ja, ja",
sagte
Leni
und
sah
den
Kaufmann
lachend
an, "wie er
schwatzt
!
Ihm
darfst
du
nämlich
",
hierbei
wandte
sie sich an
K
., "
gar
nichts
glauben
. So
lieb
er ist, so
geschwätzig
ist er. Vielleicht
mag
ihn
der
Advokat
auch deshalb nicht
leiden
.
Jedenfalls
empfängt
er
ihn
nur, wenn er in
Laune
ist. Ich habe mir schon viel
Mühe
gegeben
, das zu
ändern
, aber es ist
unmöglich
.
Denke
nur, manchmal
melde
ich
Block
an, er
empfängt
ihn
aber
erst
am
dritten
Tag
nachher. Ist
Block
aber zu der
Zeit
, wenn er
vorgerufen
wird, nicht zur
Stelle
, so ist alles
verloren
und er
muß
von
neuem
angemeldet
werden. Deshalb habe ich
Block
erlaubt
, hier zu
schlafen
, es ist ja schon
vorgekommen
, daß er in der
Nacht
um
ihn
geläutet
hat. Jetzt ist also
Block
auch in der
Nacht
bereit
.
Allerdings
geschieht
es jetzt wieder, daß der
Advokat
, wenn es sich
zeigt
, daß
Block
da
ist, seinen
Auftrag
,
ihn
vorzulassen
, manchmal
widerruft
."
K
.
sah
fragend
zum
Kaufmann
hin. Dieser
nickte
und
sagte
, so
offen
wie er
früher
mit
K
.
gesprochen
hatte, vielleicht war er
zerstreut
vor
Beschämung
: "Ja, man wird
später
sehr
abhängig
von seinem
Advokaten
." "Er
klagt
ja nur zum
Schein
",
sagte
Leni
. "Er
schläft
ja hier sehr
gern
, wie er mir schon
oft
gestanden
hat." Sie
ging
zu einer
kleinen
Tür
und
stieß
sie auf. "
Willst
du
sein
Schlafzimmer
sehen
?"
fragte
sie.
K
.
ging
hin und
sah
von der
Schwelle
aus in den
niedrigen
fensterlosen
Raum
, der von einem
schmalen
Bett
vollständig
ausgefüllt
war. In dieses
Bett
mußte
man über den
Bettpfosten
steigen
. Am
Kopfende
des
Bettes
war eine
Vertiefung
in der
Mauer
, dort
standen
,
peinlich
geordnet
, eine
Kerze
,
Tintenfaß
und
Feder
sowie
ein
Bündel
Papiere
,
wahrscheinlich
Prozeßschriften
. "Sie
schlafen
im
Dienstmädchenzimmer
?"
fragte
K
. und
wendete
sich zum
Kaufmann
zurück
. "
Leni
hat es mir
eingeräumt
",
antwortete
der
Kaufmann
, "es ist sehr
vorteilhaft
."
K
.
sah
ihn
lange
an; der
erste
Eindruck
, den er von dem
Kaufmann
erhalten
hatte, war vielleicht doch der
richtige
gewesen
;
Erfahrungen
hatte er,
denn
sein
Prozeß
dauerte
schon
lange
, aber er hatte diese
Erfahrungen
teuer
bezahlt
.
Plötzlich
ertrug
K
. den
Anblick
des
Kaufmanns
nicht mehr. "
Bring
ihn
doch
ins
Bett
!"
rief
er
Leni
zu, die
ihn
gar
nicht zu
verstehen
schien
. Er selbst aber
wollte
zum
Advokaten
gehen
und durch die
Kündigung
sich nicht nur vom
Advokaten
,
sondern
auch von
Leni
und dem
Kaufmann
befreien
. Aber noch
ehe
er zur
Tür
gekommen
war,
sprach
ihn
der
Kaufmann
mit
leiser
Stimme
an: "
Herr
Prokurist
",
K
.
wandte
sich mit
bösem
Gesicht
um. "Sie haben Ihr
Versprechen
vergessen
",
sagte
der
Kaufmann
und
streckte
sich von seinem
Sitz
aus
bittend
K
.
entgegen
. "Sie
wollten
mir noch ein
Geheimnis
sagen
." "
Wahrhaftig
",
sagte
K
. und
streifte
auch
Leni
, die
ihn
aufmerksam
ansah
, mit einem
Blick
, "also
hören
Sie: es ist
allerdings
fast kein
Geheimnis
mehr. Ich
gehe
jetzt zum
Advokaten
, um
ihn
zu
entlassen
." "Er
entläßt
ihn
!"
rief
der
Kaufmann
,
sprang
vom
Sessel
und
lief
mit
erhobenen
Armen
in der
Küche
umher
. Immer wieder
rief
er: "Er
entläßt
den
Advokaten
!"
Leni
wollte
gleich
auf
K
.
losfahren
, aber der
Kaufmann
kam
ihr in den
Weg
, wofür sie
ihm
mit den
Fäusten
einen
Hieb
gab
. Noch mit den zu
Fäusten
geballten
Händen
lief
sie dann hinter
K
., der aber einen
großen
Vorsprung
hatte. Er war schon in das
Zimmer
des
Advokaten
eingetreten
, als
ihn
Leni
einholte
. Die
Tür
hatte er hinter sich fast
geschlossen
, aber
Leni
, die mit dem
Fuß
den
Türflügel
offenhielt
,
faßte
ihn
beim
Arm
und
wollte
ihn
zurückziehen
. Aber er
drückte
ihr
Handgelenk
so
stark
, daß sie unter einem
Seufzer
ihn
loslassen
mußte
.
Ins
Zimmer
einzutreten
,
wagte
sie nicht
gleich
,
K
. aber
versperrte
die
Tür
mit dem
Schlüssel
.
"Ich
warte
schon sehr
lange
auf Sie",
sagte
der
Advokat
vom
Bett
aus,
legte
ein
Schriftstück
, das er beim
Licht
einer
Kerze
gelesen
hatte, auf das
Nachttischchen
und
setzte
sich eine
Brille
auf, mit der er
K
.
scharf
ansah
. Statt sich zu
entschuldigen
,
sagte
K
.: "Ich
gehe
bald
wieder
weg
." Der
Advokat
hatte
K
.
s
Bemerkung
, weil sie keine
Entschuldigung
war,
unbeachtet
gelassen
und
sagte
: "Ich
werde
Sie
nächstens
zu dieser
späten
Stunde
nicht mehr
vorlassen
." "Das
kommt
meinem
Anliegen
entgegen
",
sagte
K
. Der
Advokat
sah
ihn
fragend
an. "
Setzen
Sie sich",
sagte
er. "Weil Sie es
wünschen
",
sagte
K
.,
zog
einen
Sessel
zum
Nachttischchen
und
setzte
sich. "Es
schien
mir, daß Sie die
Tür
abgesperrt
haben",
sagte
der
Advokat
. "Ja",
sagte
K
., "es war
Lenis
wegen." Er hatte nicht die
Absicht
,
irgend
jemanden
zu
schonen
. Aber der
Advokat
fragte
: "War sie wieder
zudringlich
?" "
Zudringlich
?"
fragte
K
. "Ja",
sagte
der
Advokat
, er
lachte
dabei,
bekam
einen
Hustenanfall
und
begann
, nachdem dieser
vergangen
war, wieder zu
lachen
. "Sie haben doch
wohl
ihre
Zudringlichkeit
schon
bemerkt
?"
fragte
er und
klopfte
K
. auf die
Hand
, die dieser
zerstreut
auf das
Nachttischchen
gestützt
hatte und die er jetzt
rasch
zurückzog
. "Sie
legen
dem nicht viel
Bedeutung
bei",
sagte
der
Advokat
, als
K
.
schwieg
, "
desto
besser
. Sonst hätte ich mich vielleicht bei Ihnen
entschuldigen
müssen
. Es ist eine
Sonderbarkeit
Lenis
, die ich ihr
übrigens
längst
verziehen
habe und von der ich auch nicht
reden
würde
, wenn Sie nicht
eben
jetzt die
Tür
abgesperrt
hätten
. Diese
Sonderbarkeit
, Ihnen
allerdings
müßte
ich sie
wohl
am
wenigsten
erklären
, aber Sie
sehen
mich so
bestürzt
an und deshalb
tue
ich es, diese
Sonderbarkeit
besteht
darin, daß
Leni
die
meisten
Angeklagten
schön
findet
. Sie
hängt
sich an alle,
liebt
alle,
scheint
allerdings
auch von
allen
geliebt
zu werden; um mich zu
unterhalten
,
erzählt
sie mir dann, wenn ich es
erlaube
, manchmal davon. Ich bin über das
Ganze
nicht so
erstaunt
, wie Sie es zu
sein
scheinen
. Wenn man den
richtigen
Blick
dafür hat,
findet
man die
Angeklagten
wirklich
oft
schön
. Das
allerdings
ist eine
merkwürdige
,
gewissermaßen
naturwissenschaftliche
Erscheinung
. Es
tritt
natürlich
als
Folge
der
Anklage
nicht etwa eine
deutliche
,
genau
zu
bestimmende
Veränderung
des
Aussehens
ein. Es ist doch nicht wie bei
anderen
Gerichtssachen
, die
meisten
bleiben
in ihrer
gewöhnlichen
Lebensweise
und werden, wenn sie einen
guten
Advokaten
haben, der
für
sie
sorgt
, durch den
Prozeß
nicht
behindert
. Trotzdem sind
diejenigen
,
welche
darin
Erfahrung
haben,
imstande
, aus der
größten
Menge
die
Angeklagten
, Mann
für
Mann, zu
erkennen
.
Woran
? werden Sie
fragen
. Meine
Antwort
wird Sie nicht
befriedigen
. Die
Angeklagten
sind
eben
die
Schönsten
. Es kann nicht die
Schuld
sein
, die sie
schön
macht
,
denn
- so
muß
wenigstens
ich als
Advokat
sprechen
- es sind doch nicht alle
schuldig
, es kann auch nicht die
richtige
Strafe
sein
, die sie jetzt schon
schön
macht
,
denn
es werden doch nicht alle
bestraft
, es kann also nur an dem gegen sie
erhobenen
Verfahren
liegen
, das ihnen irgendwie
anhaftet
.
Allerdings
gibt
es unter den
Schönen
auch
besonders
schöne
.
Schön
sind aber alle, selbst
Block
, dieser
elende
Wurm
."
K
. war, als der
Advokat
geendet
hatte,
vollständig
gefaßt
, er hatte sogar zu den
letzten
Worten
auffallend
genickt
und sich so selbst die
Bestätigung
seiner
alten
Ansicht
gegeben
, nach
welcher
der
Advokat
ihn
immer und so auch
diesmal
durch
allgemeine
Mitteilungen
, die nicht zur
Sache
gehörten
, zu
zerstreuen
und von der
Hauptfrage
, was er an
tatsächlicher
Arbeit
für
K
.
s
Sache
getan
hatte,
abzulenken
suchte
. Der
Advokat
merkte
wohl
, daß
ihm
K
.
diesmal
mehr
Widerstand
leistete
als sonst,
denn
er
verstummte
jetzt, um
K
. die
Möglichkeit
zu
geben
, selbst zu
sprechen
, und
fragte
dann,
da
K
.
stumm
blieb
: "Sind Sie
heute
mit einer
bestimmten
Absicht
zu mir
gekommen
?" "Ja",
sagte
K
. und
blendete
mit der
Hand
ein wenig die
Kerze
ab, um den
Advokaten
besser
zu
sehen
, "ich
wollte
Ihnen
sagen
, daß ich Ihnen mit dem
heutigen
Tage
meine
Vertretung
entziehe
." "
Verstehe
ich Sie
recht
?"
fragte
der
Advokat
,
erhob
sich
halb
im
Bett
und
stützte
sich mit einer
Hand
auf die
Kissen
. "Ich
nehme
es an",
sagte
K
., der
straff
aufgerichtet
, wie auf der
Lauer
,
dasaß
. "Nun, wir
können
ja auch diesen
Plan
besprechen
",
sagte
der
Advokat
nach einem
Weilchen
. "Es ist kein
Plan
mehr",
sagte
K
. "
Mag
sein
",
sagte
der
Advokat
, "wir
wollen
aber trotzdem nichts
übereilen
." Er
gebrauchte
das
Wort
"wir", als habe er nicht die
Absicht
,
K
.
freizulassen
, und als
wolle
er, wenn er schon nicht
sein
Vertreter
sein
dürfte
,
wenigstens
sein
Berater
bleiben
. "Es ist nicht
übereilt
",
sagte
K
.,
stand
langsam
auf und
trat
hinter seinen
Sessel
, "es ist
gut
überlegt
und vielleicht sogar zu
lange
. Der
Entschluß
ist
endgültig
." "Dann
erlauben
Sie mir nur noch einige
Worte
",
sagte
der
Advokat
,
hob
das
Federbett
weg
und
setzte
sich auf den
Bettrand
. Seine
nackten
,
weißhaarigen
Beine
zitterten
vor
Kälte
. Er
bat
K
.,
ihm
vom
Kanapee
eine
Decke
zu
reichen
.
K
.
holte
die
Decke
und
sagte
: "Sie
setzten
sich
ganz
unnötig
einer
Verkühlung
aus." "Der
Anlaß
ist
wichtig
genug",
sagte
der
Advokat
,
während
er mit dem
Federbett
den
Oberkörper
umhüllte
und dann die
Beine
in die
Decke
einwickelte
. "Ihr
Onkel
ist mein
Freund
, und auch Sie sind mir im
Laufe
der
Zeit
lieb
geworden
. Ich
gestehe
das
offen
ein. Ich
brauche
mich dessen nicht zu
schämen
." Diese
rührseligen
Reden
des
alten
Mannes
waren
K
. sehr
unwillkommen
,
denn
sie
zwangen
ihn
zu einer
ausführlicheren
Erklärung
, die er
gern
vermieden
hätte, und sie
beirrten
ihn
außerdem
, wie er sich
offen
eingestand
, wenn sie
allerdings
auch seinen
Entschluß
niemals
rückgängig
machen
konnten
. "Ich
danke
Ihnen
für
Ihre
freundliche
Gesinnung
",
sagte
er, "ich
erkenne
auch an, daß Sie sich meiner
Sache
so sehr
angenommen
haben, wie es Ihnen
möglich
ist und wie es Ihnen
für
mich
vorteilhaft
scheint
. Ich
jedoch
habe in der
letzten