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Das Zweite Vatikanische Konzil
Ad gentes

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    • 2. Kapitel: Die eigentliche Missionsarbeit
      • Artikel 2: Die Verkündigung des Evangeliums und die Sammlung des Gottesvolkes
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Artikel 2: Die Verkündigung des Evangeliums und die Sammlung des Gottesvolkes

13. Überall, wo Gott eine Tür für das Wort auftut, das Geheimnis Christi zu verkünden7, da muß allen Menschen8 mit Freimut und Festigkeit9 der lebendige Gott verkündet werden10 und der, den er zum Heil aller gesandt hat, Jesus Christus11, auf daß die Nichtchristen glaubend, mit einem Herzen, das ihnen der Heilige Geist geöffnet hat12, sich frei zum Herrn bekehren und ihm aufrichtig anhangen, da er als "der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6) all ihr geistliches Sehnen erfüllt, ja es unendlich überragt. Diese Bekehrung muß man gewiß notwendig als anfanghaft auffassen, aber doch als ausreichend, damit der Mensch verstehe, daß er, der Sünde entrissen, in das Geheimnis der Liebe Gottes eingeführt werde, der ihn zu seiner persönlichen Gemeinschaft in Christus ruft; denn unter dem Einfluß der Gnade beginnt der Neubekehrte seinen geistlichen Weg, auf dem er, durch den Glauben schon mit dem Geheimnis des Todes und der Auferstehung verbunden, vom alten Menschen hinüberschreitet zum neuen Menschen, der in Christus vollendet ist13. Dieser Übergang bringt einen fortschreitenden Wandel seines Empfindens und Verhaltens mit sich; er muß sich in seinen sozialen Auswirkungen kundtun und sich während des Katechumenates langsam entwickeln. Da der Herr, dem er glaubt, ein Zeichen des Widerspruchs ist14, muß der Neubekehrte oft Bruch und Trennung erleben, aber auch Freuden, die Gott nicht nach Maß austeilt15. Die Kirche verbietet streng, daß jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflußt oder angelockt werde, wie sie umgekehrt auch mit Nachdruck für das Recht eintritt, daß niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde16. Nach uraltem kirchlichem Brauch sollen die Motive der Bekehrung erkundet und wenn nötig gereinigt werden.

14. Wer den Glauben an Christus von Gott durch die Kirche empfangen hat17, soll durch liturgische Zeremonien zum Katechumenat zugelassen werden. Dieses besteht nicht in einer bloßen Erläuterung von Lehren und Geboten, sondern in der Einführung und genügend langen Einübung im ganzen christlichen Leben, wodurch die Jünger mit Christus, ihrem Meister, verbunden werden. Die Katechumenen müssen also in passender Weise in das Geheimnis des Heils eingeweiht werden; durch die Übung eines Lebenswandels nach dem Evangelium und durch eine Folge von heiligen Riten18 soll man sie stufenweise in das Leben des Glaubens, der Liturgie und der liebenden Gemeinschaft des Gottesvolkes einführen. Endlich werden sie durch die Sakramente der christlichen Initiation von der Macht der Finsternis befreit19; mit Christus sterben sie, werden sie begraben und erstehen sie20; sie empfangen den Geist der Kindschaft21 und feiern das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn mit dem ganzen Gottesvolk. Es ist zu wünschen, daß die Fasten- und Osterliturgie so erneuert werde, daß sie die Katechumenen zur Feier des österlichen Geheimnisses bereitet, bei deren festlicher Begehung sie durch die Taufe für Christus wiedergeboren werden. Um diese christliche Initiation im Katechumenat sollen sich aber nicht bloß Katechisten und Priester kümmern, sondern die ganze Gemeinde der Gläubigen, besonders aber die Taufpaten, so daß den Katechumenen von Anfang an zum Bewußtsein kommt, daß sie zum Gottesvolk gehören. Da das Leben der Kirche apostolisch ist, sollen die Katechumenen lernen, durch das Zeugnis des Lebens und das Bekenntnis des Glaubens zur Verkündigung des Evangeliums und zum Aufbau der Kirche wirksam mitzuarbeiten. Die Rechtsstellung der Katechumenen schließlich soll im neuen Gesetzbuch der Kirche klar umschrieben werden; denn sie sind schon mit der Kirche verbunden22, sie gehören schon zum Hause Christi23, und nicht selten führen sie schon ein Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.




7 Vgl. Kol 4,3.



8 Vgl. Mk 16,15.



9 Vgl. Apg 4,13.29.31; 9,27-28; 13,46; 14,3; 19,8; 26,26; 28,31; 1 Thess 2,2; 2 Kor 3,12; 7,4; Phil 1,20; Eph 3,12; 6,19.20



10 Vgl. 1 Kor 9,15; Röm 10,14.



11 Vgl. 1 Thess 1,9-10; 1 Kor 1,18-21; Gal 1,31; Apg 14,15-17; 17,22-31.



12 Vgl. Apg 16,14.



13 Vgl. Kol 3,5-10; Eph 4,20-24.



14 Vgl. Lk 2,34; Mt 10,34-39.



15 Vgl. 1 Thess 1,6.



16 Vgl. II. Vat. Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanæ, Nr. 2.4.10; Pastorale Konst. über die Kirche in der heutigen Welt Gaudium et spes, Nr. 21.



17 Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57 (1965) 20-21.



18 Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 64-65: AAS 56 (1964) 117.



19 Vgl. Kol 1,13. Über diese Befreiung von der Knechtschaft Satans und der Finsternis im Evangelium vgl. Mt 12,28; Joh 8,44; 12,31 (vgl. 1 Joh 3,8; Eph 2,1-2). In der Taufliturgie vgl. das römische Rituale.



20 Vgl. Röm 6,4-11; Kol 2,12-13; 1 Petr 3,21-22; Mk 16,16.



21 Vgl. 1 Thess 3,5-7; Apg 8,14-17.



22 Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 14: AAS 57 (1965) 19.



23 Vgl. Augustinus, Tract. in Ioann. 11, 4: PL 35, 1476.






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