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Katechismus der Katholischen Kirche

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  • VIERTER TEIL DAS CHRISTLICHE GEBET
    • ZWEITER ABSCHNITT DAS GEBET DES HERRN: „VATER UNSER!"
        • ARTIKEL 3 DIE SIEBEN BITTEN
          • V „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern"
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VVergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern"

 

2838 Diese Bitte erstaunt. Enthielte sie nur den ersten Teil des Satzes, „Vergib uns unsere Schuld", so könnte sie schon in den drei ersten Bitten des Vaterunsers enthalten sein, da das Opfer Christi „zur Vergebung der Sünden" dient. Gemäß dem zweiten Satzteil jedoch wird unsere Bitte nur dann erhört, wenn wir zuvor einer Anforderung entsprochen haben. Unsere Bitte richtet sich auf die Zukunft; unsere Antwort muß ihr vorausgegangen sein; ein Wort verbindet beide: „wie".

 

Vergib uns unsere Schuld . .

 

2839 In kühnem Vertrauen haben wir begonnen, zu unserem Vater zu beten. In der Bitte, daß sein Name geheiligt werde, haben wir darum gebetet, selbst immer mehr geheiligt zu werden. Obwohl wir das Taufkleid tragen, hören wir nicht auf, zu sündigen, uns von Gott abzuwenden. Jetzt, in dieser neuen Bitte, kehren wir wie der verlorene Sohn [Vgl. Lk 15,11-32.] zu ihm zurück und bekennen uns vor ihm als Sünder, wie der Zöllner es getan hat [Vgl. Lk 18,13]. Unsere Bitte beginnt mit einer „Beichte", in der wir zugleich unser Elend und Gottes Barmherzigkeit bekennen. Unsere Hoffnung ist unerschütterlich, denn in seinem Sohn „haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden" (Kol 1,14; Eph 1,7). In den Sakramenten seiner Kirche finden wir das wirksame und nicht anzuzweifelnde Zeichen seiner Vergebung [Vgl. Mt 26,28;Joh 20,23].

 

2840 Es ist erschreckend, daß diese Barmherzigkeit nicht in unser Herz eindringen kann, bevor wir nicht unseren Schuldigern vergeben haben. Wie der Leib Christi ist auch die Liebe unteilbar. Wir können Gott, den wir nicht sehen, nicht lieben, wenn wir den Bruder und die Schwester, die wir sehen, nicht lieben [Vgl. 1 Job 4,20]. Wenn wir uns weigern, den Brüdern und Schwestern zu vergeben, verschließt sich unser Herz und seine Härte wird undurchdringbar für die barmherzige Liebe des Vaters. Im Bekennen unserer Sünde aber öffnet sich unser Herz seiner Gnade.

 

2841 Diese Bitte ist so wichtig, daß sie die einzige ist, auf die der Herr in der Bergpredigt zu sprechen kommt und die er dort auch darlegt [Vgl. Mt 6,14-15; 5,23-24; Mk 11,25]. Dem Menschen ist es zwar nicht möglich, diese entscheidende Forderung des Mysteriums des Bundes zu erfüllen, doch „für Gott ist nichts unmöglich".

 

...... wie auch wir Vergeben unsern Schuldigern"

 

2842 Dieses „Wie" ist nicht das einzige der Lehre Jesu: „Ihr sollt ... vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist" (Mt 5,48). „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist" (Lk 6,36). „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe . . .„ (Joh 13,34). Es wäre nicht möglich, das Gebot des Herrn zu befolgen, wenn es sich darum handelte, das göttliche Vorbild äußerlich nachzuahmen. Es handelt sich aber um eine lebendige, „aus den Tiefen des Herzens" kommende Teilnahme an der Heiligkeit, an der Barmherzigkeit und an der Liebe unseres Gottes. Nur der Geist, aus dem wir „leben" (Gal 5,25), kann die Gesinnung Jesu zu „unserer" machen [Vgl. Phil 2,1.5]. Die Einheit der Vergebung wird möglich, wenn wir einander verzeihen, „weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat" (Eph 4,32).

 

2843 So nehmen die Worte des Herrn über die Vergebung, das heißt über diese Liebe, die bis zum Äußersten liebt [Vgl. Job 13,1.], Leben an. Das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht, das die Lehre des Herrn über die kirchliche Gemeinschaft abschließt [Vgl. Mt 18,23-35], endet mit den Worten: „Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt". Davon, vom ganzenHerzen", hängt alles ab. Es liegt nicht in unserer Macht, eine Schuld nicht mehr zu spüren und so zu vergessen; doch das Herz, das sich dem Heiligen Geist öffnet, läßt diese Verletzung zu Mitleid werden und reinigt das Gedächtnis, indem es die Schuld zu einer Fürbitte werden läßt.

 

2844 Das christliche Gebet geht so weit, den Feinden zu vergeben [Vgl. Mt 5,43-44]. Es verklärt den Jünger, indem es ihn seinem Meister gleichgestaltet. Die Vergebung ist ein Höhepunkt des christlichen Betens. Deshalb kann nur ein Herz, das mit dem göttlichen Mitleid übereinstimmt, die Gabe des Gebetes in sich aufnehmen. Die Vergebung bezeugt auch, daß in unserer Welt die Liebe stärker ist als die Sünde. Die Märtyrer von gestern und heute legen für Jesus dieses Zeugnis ab. Die Vergebung ist die Grundbedingung für die Versöhnung [Vgl. 2 Kor 5,18-21] der Kinder Gottes mit ihrem Vater und der Menschen untereinander [Vgl. Johannes Paul II., Enz. „Dives in misericordia" 14].

 

2845 Diese der Natur nach göttliche Vergebung kennt weder Maß noch Grenzen [Vgl. Mt 18,21-22; Lk 17,3-4]. Wenn es sich um Schuld (nach Lk 11,4 „Sünden"; nach Mt 6,12 „Schulden") handelt, sind eigentlich immer wir die Schuldner: „Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer" (Röm 13, 8). Die Gemeinschaft der heiligsten Dreifaltigkeit ist Ursprung und Maßstab der Echtheit jeder Beziehung [Vgl. 1 Joh 3,19-24]. Im Gebet, vor allem in der Eucharistie wird sie gelebt [Vgl. Mt 5,23-24].

 

Gott nimmt das Opfer unversöhnlicher Menschen nicht an und schickt sie vom Altar weg, um sich zuvor mit ihrem Bruder auszusöhnen, damit sie dann durch ihre friedfertigen Bitten auch bei Gott Frieden finden. Das schönste Opfer in Gottes Augen ist es, wenn Friede und brüderliche Eintracht unter uns herrschen und wenn das Volk in der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes verbunden ist" (Cyprian, Dom. orat. 23).

 




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