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Oskar Mayer
Rahab

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Scene IV. Bar Tan, Rahab, Tinmath, Ahelab, Sisera, Nirjath

 

BAR TAN (atemlos): Weiber! Saht ihr keinen Fremden?

RAHAB (ruhig): Lange schon kommt kein Fremder mehr nach Jericho.

BAR TAN: Ich meine von den Wilden einer etwelche in der Stadt!

TINMATH: Von den Feinden in der Wüste.

AHELAB & NIRJATH: Viele schon!

SISERA: Viele schon! Wehe, Jericho! Weh meinen Frauen und meinem Wein!

TINMATH: So weit ist's noch nicht, daß Du heulen müßtest wie ein Hund.

SISERA: Du hast leicht reden! Gestern erst hab ich eine Skavin gekauft,
der Händler sagte sie sei aus Babylonien.
Ich sage Dir: Ein Mädchen!
Jung und zart und schön wie der Tag.
Sie kost und schertzt, kann singen und tanzen und...

CHOR (Hinter der Scene, ganz nahe): Wo ist der Fremde, der unverraten will?
Wehe, Wehe Jericho!

SISERA: Sie schlagen uns tot, sie spießen uns auf!
Wehe, Wehe, Sie nehmen sich unsre Weiber.

CHOR: Sein Blut muß fließen!

BAR TAN (zu Rahab): Warst Du immer hier mit Deinen Sklavinnen?

RAHAB(Anbefangen): Ja, wir waren steta hier.

AHELAB: Habt nichtsge hört?

JABIN: Habt gar geschlafen?

RAHAB: Wohl warren wir wach und hörten...

NIRJATH, BAR TAN & JABIN: Was?

RAHAB: Nichts.

TINMATH: Was gelten Weiberreden! Kommt! laßt uns selbst suchen.

(Tinmath gefolgt von Ahelab und Nirjath geht suchend in die Kammern links. Jabin und Sisera bleiben im Hintergrunde.)

BAR TAN: Sprich, bist Du nicht Rahab?

RAHAB: Die bin ich.

BAR TAN: Ich heiß' Bar Tan; der Name wird Dir sagen, daß ich reich bin.

RAHAB: (Spöttisch) Lang' bist Du's nicht mehr:

(Er nähert sich Rahab)

BAR TAN: Man sagt daß Du jetzt jede Nacht Deine Tür versperrst.

RAHAB: Mein Tor bleibt zu.

BAR TAN: Willst Du es heut' nacht für mich auftun Rahab?

RAHAB: Dir nicht und keinem aus der Stadt!
Ich haß Euch alle!

BAR TAN (Drohend): So birgst Du wohl am Ende unsern Feind!?

RAHAB: Das sagt ich nicht.

CHOR (Hinter der Scene, entfernt): Hier her, hierher! Herbei!

BAR TAN (nach hinten rufend): Habt ihr ihn?

(Ein durch dringender Schrei hinter der Scene)
EINE MÄNNERSTIMME (Hinter den Scene): Nein!

RAHAB: Göttin, laß dies vorübergehn!

NAHALAL: Herrin! Herrin!

RAHAB: Schweig!

SISERA (zu Jabin): S'ist alles umsonst! Wir sind verloren!

CHOR: Wehe Jericho! Schon naht das Ende!
Weh uns allen!

JABIN: Dort alles leer?

TINMATH: Wir finden nichts.

RAHAB: Leute es ist niemand hier. Ihr aber lärmt und tobt,
dringt in mein Haus wie die Räuber.

AHELAB: Du hörst doch: ein Feind sclich hier in die Stadt.

RAHAB: Wenn Euch nach Feinden so gelüstet,
dann sucht sie draußen, dort findet Ihr genug.

TINMATH: Die Kammern sind wohl leer...

RAHAB: So geht.

BAR TAN: Die eine aber dort, die scheint versperrt.
(Rahab stürtzt zu der verschloßenen Tür)
Höre Mensch, bist Du von Sinnen? Weißt Du auch welche Tür das ist?
Sie führt zum Schlafgemache der Rahab;
die Fürsten gehen zitternd dahinein!
Du aber rüttelst am Griff als war's die Tür zu Deiner Kälber Stall?
(Stößt ihn zurück)

BAR TAN: Stall oder nicht, ich will hier hinein!

JABIN: S'ist Rahab, die Dirne.

SISERA: Ei was ! Rahab die Mächtige!

TINMATH: Das Weib hat eine jähe Rede!

SISERA: Wie schön sie ist!

BAR TAN: Fort Weib! Gieb Raum!

RAHAB: Zurück! (sie zieht ein Meßer)
Und weichst Du nicht so gehs Du, ich schwör Dir's,
Lebend nicht von hier!

TINMATH: Laß sie! Komm, das Weib ist von Sinnen!

JABIN: Sieht Du nicht, daß sie ein Meßer hat?

AHELAB: Sie hat Anhang unter den Mächtigen.

(Tinmath, Jabin, Ahelab & Nirjath führen und drägen den sich sträubenden Bar Tan langsam durch das Tor, rechts. Sisera folgt als Letzter.)

TINMATH & NIRJATH: Ja es könnt' Dir übel ergehn.

SISERA: S'ist doch alles umsonst, wir sind verloren;
Schon naht der Feind wehe Jericho!
(Hier sind bereits alle dem Blicke entschwunden)

JABIN: Wohl sind wir verloren; Schon naht der Feind.

AHELAB & NIRJATH: Ja er naht.

(Rahab hört auf die verhallenden Schritte und Rufe)
EINIGE MÄNNERSTIMMEN (hinter der Scene): Wehe Jericho... Wehe...

(Rahab wirft sich aufatmend auf ihr Lager)

RAHAB: Schließt auf! Führt mir ihn her und geht.

(Der Sclavinnen offnen die Tür im Hintergrund und gehen dann in die Kammern, links, ab. Hiram tritt aus seinem Versteck und schreitet langsam zum Lager der Rahab.)




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