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| Oskar Mayer Rahab IntraText CT - Text |
HIRAM: Die mich geborgen hat
höre:
Hiram bin ich vom Stamme Dan des Volkes Israel.
Und Dank der unbekannten Frau.
RAHAB: Ist es Dein Volk, das um die Stadt liegt?
RAHAB: Wo kommt Ihr her,
und welcher arge Gott trieb Euch in dieses Land?
HIRAM: Gott treibt uns nicht;
auch ist's kein arger Gott
Aus fernen Landen hat er durch ein Meer uns hergeführt
also daß die Wellen wie Mauern standed.
Dann hat er vierzig lange Jahre in der Wüste sein Volk behalten
Dort bin ich geboren.
Nun aber gab er seinem Volk Gewalt
über die Könige der Amoriter Sihon und Og,
und all ihre Städte, denn es ist unser Land.
RAHAB: Was tat wohl Israel durch vierzig Jahre in der Wüste?
HIRAM: Es hatte Akker nicht noch
Häuser
kannte keine Städte mit festen Mauren;
Es zog das Volk so wie ihm Gott gebot,
mit seines Bundes Lade.
RAHAB: Wart ihr so gehetzt, daß
ihr nur Einen
von Euren Göttern habt mit Euch führen können?
HIRAM: Israel hatt'auch so lang
an einem Ort es saß nur einem Gott,
auch gibt es keine Götter neben ihm.
RAHAB: Ein Gott? ist
dieser eine etwa gut für Kampf und Friede,
Dürre un Gedeih'n? Gebietet, Einer über Haß und
Liebe, der obern wie der untern Welt und allen Sternen?
HIRAM: Der eine ist fürwahr genug
für Kampf und Friede Dürre und Gedeihn
für Haß und Liebe er allein gebietet über Erde,
Luft und Meer, der obern wie der untern Welt,
der Sonne auch, und allen Sternen.
RAHAB: Nun sag' warum kamst Du in die Stadt geschlichen?
HIRAM: Mich sandt' auf Kundschaft
Josua von Sittim her;
Doch sahn sie mich zu früh' und jagten mich.
RAHAB: Was Du nicht sahst das
sag' ich Dir;
zwar weiß ich nicht wie ihr den Wall ersteiget oder brecht,
doch ist's geschehn blebt Euch nichts übrig denn das Volk ist feig und scheut
den Kampf.
HIRAM: Wie find den Weg zum Lager ich zurück?
RAHAB: Dort steht der Wall an
einer Felsenwand,
Die jäh in einen Abgrund sich verliert den keiner aufwärts,
keiner abwärts klimmt;
deshalb sind keine Wachen hier bestellt,
und keines Spähers Aug' soll sehn,
laß ich an langem Seile Dich hinab.
Well erst die Nacht herein gebro[chen]...
HIRAM: Warum erst bei Nacht? Warum nicht gleich?
RAHAB: Man könnt es sehen Hiram.
HIRAM: Du sagtest doch der Wall sei unbewacht!
HIRAM: Warum dann erst bei Nacht?
RAHAB: Grausamer! Was fragst Du?
HIRAM: Wißen will ich, warum erst Nachts Du mich entlaßen willst!
(Rahab richtet sich in die Kniee auf, sieht Hiram lange an und nimmt seine Hände)
RAHAB: So höre Denk', Du lägest
hier so wie Du jetzt liegst;
und denke Dir es wäre Nacht, ganz dunkel,
und Du sähest bloß das Glänzen meiner Augen,
und fültest Dich mir nah;
im Finstern sucht'ich nach Deiner Hand
und näm'sie in meine und leises spräch ich zu Dir:
O Küngling. den vom Tode ich geretet
weil Deine Augen so hell wie ein strahlendes Gestirn,
Küß' meinen Mund im Dunkeln. Du Schöner,
und thu'mit mir nach Deines Herzens Lust.
(Rahab zieht Hiram's Kopf an ihre Brust. Die Sclavin Nahalal tritt leise aus
einer Kammertüre, links, und steht hinter den Beiden.)