erscheint er dem Herrn
gegenüber nicht bloß als ein Verstockter, sondern sogar als ein Undankbarer.
Weiterhin sündigt
nicht wenig gegen den Herrn, wer, nachdem er dessen Gegner, dem Teufel, durch
die Buße widersagt und damit dem Herrn den Vorzug vor ihm gegeben hat, dann
wiederum jenen emporhebt und sich zu einem Gegenstand der Freude für ihn macht,
so daß der böse Feind sich gegen den Herrn rühmen kann, ihm eine Beute
abgenommen zu haben. Es ist zwar gefährlich, es auszusprechen, aber ich muß es
zur Auferbauung doch sagen, — er stellt den Teufel über Gott. Denn bei jemand,
der beide kennen gelernt hat, scheint es, als habe er eine Vergleichung
zwischen ihnen aufgestellt und als Urteil verkündet, der sei vorzüglicher, dem
er hinterher doch lieber wieder angehören will. Wer durch Reue über seine
Sünden begonnen hat, Gott genug zu tun, der würde durch eine andere Art Reue,
eine Reue über seine Reue, nun dem Teufel Genugtuung leisten und Gott um so
mehr zuwider sein, eine je angenehmere Person er dem Teufel geworden ist.
Gewisse Leute
behaupten jedoch, es genüge Gott, wenn er im Herzen und im Geiste hochgehalten
wird, wenn es gleich in den Handlungen weniger geschähe, und wenn Gottesfurcht
und Glaube durch die Sünde nicht verletzt würden. Das würde soviel heißen, als
ohne Verletzung der Keuschheit Ehebrüche begehen, ohne Verletzung der
kindlichen Liebe seinem Vater Gift mischen. Wie solche ohne Verletzung der
Gottesfurcht sündigen, werden sie auch ohne Verletzung der Barmherzigkeit in
die Hölle gestoßen werden. Es ist der erste und größte Beweis der Verkehrtheit,
daß sie sündigen, obwohl sie doch fürchten. Es will mir fast scheinen, sie
würden gar nicht gesündigt haben, wenn sie keine Gottesfurcht gehabt hätten.
Mithin, wer Gott nicht beleidigen will, der möge ihn auch gar nicht fürchten —
wenn nämlich die Furcht ein Deckmantel gegen das Beleidigen ist. Aber Scherz
beiseite! Diese klugen Leute gehen gewöhnlich aus der Sippe der Heuchler
hervor; ihre Freundschaft mit dem Teufel ist eine unzertrennliche, ihre
Bekehrung niemals zuverlässig.