|
Aufbau der Kirche und
kontemplative Anbetung
Die Enzyklika möchte den
ganzen spirituellen Reichtum der Eucharistie aufzeigen; einerseits macht sie
deren wesentlichen Beitrag zum Aufbau der Kirche deutlich, und andererseits
versäumt sie es nicht, die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung des Kultes der
Realpräsenz außerhalb der heiligen Messe zu lenken. Das ist ein
äußerst wertvoller und fruchtbarer Aspekt, der uns selbst und den
Gläubigen in Erinnerung gebracht werden muß.
Das Zweite Vatikanische Konzil
lehrt in Einklang und Kontinuität mit dem bisherigen Lehramt, daß
die Feier der Eucharistie die Mitte des Wachstumsprozesses der Kirche ist. Es
erklärt, wie das Reich Christi in der Welt wächst: »Sooft das
Kreuzesopfer, in dem Christus, unser Osterlamm, dahingegeben wurde (1 Kor
5,7), auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer
Erlösung. Zugleich wird durch das Sakrament des eucharistischen Brotes die
Einheit der Gläubigen, die einen Leib in Christus bilden, dargestellt und
verwirklicht (vgl. 1 Kor 10,17).«
Ein ursächlicher
Einfluß der Eucharistie auf die Entwicklung der Kirche zeigt sich schon
im Ursprung, wie beim Letzten Abendmahl offenkundig wird: Die Handlungen und
Worte Jesu »legen das Fundament für die neue messianische Gemeinschaft,
das Volk des Neuen Bundes«. »Von diesem Augenblick an bis zum Ende der Zeiten
wird die Kirche durch die sakramentale Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes
auferbaut, der sich für uns geopfert hat« (21).
So wird die konstruktive Rolle
des Priesters deutlich, der in dem bedeutendsten Werk zur Umwandlung der Welt,
die sich durch die Kraft der Eucharistie vollzieht, von Christus eingesetzt
ist. Mit dieser Rolle ist eine weitere Aufgabe des Priesters verbunden,
nämlich die Gegenwart des Herrn in der Eucharistie mit dem kontemplativen
Blick der Anbetung und äußerster Feinfühligkeit zu empfangen.
»Der Kult, welcher der
Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen
unschätzbaren Wert im Leben der Kirche« (25). An die Verantwortung des
Priesters in diesem Kult wird so erinnert: »Es obliegt den Hirten, zur Pflege
des eucharistischen Kultes zu ermutigen, auch durch ihr persönliches
Zeugnis, insbesondere zur Aussetzung des Allerheiligsten sowie zum anbetenden
Verweilen vor Christus, der unter den eucharistischen Gestalten
gegenwärtig ist.«
Der Papst ermutigt nicht nur jeden
Priester zu diesem Zeugnis, sondern teilt uns selbst sein eigenes Zeugnis mit:
»Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der
sich an seine Brust lehnte (vgl. Joh 13,25), von der unendlichen Liebe
seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer
Zeit vor allem durch die ›Kunst des Gebetes‹ auszeichnen soll, wie könnte
man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen
Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus
zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine
lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht und daraus
Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!«
Es handelt sich um eine
wiederholt vom Lehramt lebhaft empfohlene Frömmigkeitsübung, für
die uns überaus zahlreiche Heilige ein Beispiel geben. Das
persönliche Zeugnis des Stellvertreters Christi ermutigt alle Priester,
die die Enzyklika lesen, die geheimen Gnadenmomente, die uns die Anbetung des
Allerheiligsten bereitet, bekannt zu machen und für ihre Würdigung zu
sorgen. Die Eucharistie wird so zur Quelle heiligmachender und fruchtbringender
Betrachtung.
|