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Pius XI
Casti connubii

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  • III. Die Heilmittel gegen die Ehezerrüttung
    • 2. Unterwerfung des menschlichen Willens unter den Willen Gottes, Gebrauch der übernatürlichen Gnadenmittel
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2. Unterwerfung des menschlichen Willens unter den Willen Gottes,
Gebrauch der übernatürlichen Gnadenmittel

 

Diesem Streben stellt sich nun aber sofort die Macht der ungezähmten Begierlichkeit entgegen, die ja auch die Hauptquelle der Sünden gegen die heiligen Ehegesetze ist. Und da sich der Mensch seine Leidenschaften nicht gefügig machen kann, wenn er sich nicht erst selbst Gott fügt, so wird nach der von Gott gewollten Ordnung zunächst für das letztere Sorge zu tragen sein. Denn es ist ein festes Gesetz: Wer sich Gott unterwirft, erfährt mit Freuden, wie auch ihm mit Hilfe der göttlichen Gnade seine Leidenschaften unterwürfig werden. Wer sich aber gegen Gott empört, muß die traurige Erfahrung machen, daß der Sturm der Leidenschaften den Krieg in seinem eigenen Inneren entfacht. Wie weise das so angeordnet ist, legt der hl. Augustinus mit folgenden Worten dar: „So ist es recht: das Niedere muß sich dem Höheren unterordnen. Wer will, daß das was unter ihm liegt, sich ihm unterwerfe, unterwerfe sich erst selbst dem, der über ihm steht. Erkenne diese Ordnung an, schaffe dir Frieden! Du Gott, dir das Fleisch. Was gibt es Gerechteres? Was Schöneres? Du dem Höheren, dir der Niedrigere. Diene du dem, der dich geschaffen hat, damit dir diene, was deinetwegen geschaffen worden ist. Denn die Ordnung der Dinge kennen wir nicht, und die Ordnung empfehlen wir auch nicht: Dir das Fleisch und du Gott! Nein: Du Gott und dir das Fleisch! Wenn du aber das ‚du Gottaußer acht läßt, wirst du nie das ‚dir das Fleischerreichen. Wenn du deinem Herrn nicht gehorchst, wirst du von deinem Sklaven tyrannisiert werden.“77

Diese von der göttlichen Weisheit gewollte Ordnung der Dinge bezeugt unter Eingebung des Hl. Geistes auch der Völkerapostel. Wo er von den alten Philosophen spricht, die den von ihnen erkannten und erforschten Schöpfer aller Dinge anzubeten und zu verehren sich weigerten, sagt er: „Darum gab sie Gott den Gelüsten ihres Herzens, der Unlauterkeit preis, so daß sie sich gegenseitig schändeten.“ Und noch einmal: „Deshalb gab sie Gott schändlichen Leidenschaften preis.“78DennGott widersteht den Stolzen, den Demütigen dagegen gibt er seine Gnade79ohne die, wieder nach der Mahnung des Völkerapostels, der Mensch die aufrührerische Begierlichkeit nicht zu beherrschen vermag.80

Ihr zügelloses Ungestüm kann also unmöglich, wie es notwendig ist, in Schranken gehalten werden, wenn nicht erst der Geist seinem Schöpfer in Demut das Opfer gottesfürchtiger Verehrung darbringt. Es ist also vor allem unbedingt notwendig, daß diejenigen, die zum hl. Sakrament der Ehe hinzutreten, innerlich und aufrichtig von kindlichem und frommem Sinn Gott gegenüber tief durchdrungen sind, von einer Gesinnung, die ihrem gesamten Leben das Gepräge gibt und ihr Denken und Wollen mit höchster Ehrfurcht gegen Gottes heilige Majestät erfüllt.

Sehr richtig und ganz im christlichen Sinne handeln also jene Seelenhirten, die die Ehegatten, damit sie in der Ehe nicht von Gottes Gesetz abweichen, in erster Linie zu den religiösen Übungen anhalten: daß sie sich ganz Gott weihen, beharrlich um seine Hilfe flehen, die heiligen Sakramente häufig empfangen, immer und in allem bereitwillige Hingabe an Gott pflegen und wahren.

In schwerer Täuschung sind demgegenüber jene befangen, die die Menschen unter Vernachlässigung der übernatürlichen Mittel durch die Anwendung und Auswertung der Naturwissenschaften (der Biologie, der Vererbungslehre und anderer ähnlicher) zur Zügelung der sinnlichen Triebe bringen zu können glauben. Damit soll nicht gesagt sein, daß die sittlich einwandfreien natürlichen Mittel gering zu achten seien. Denn einer ist der Urheber der Natur und der Gnade, Gott, der die Güter beider Ordnungen zum Gebrauch und Nutzen der Menschen bestimmt hat. Darum kann und soll den Gläubigen auch durch die natürlichen Mittel geholfen werden. Nur irrt, wer meint, das genüge, um die Keuschheit des Ehebundes sicherzustellen, oder der glaubt, es wohne den natürlichen Mitteln eine größere Kraft inne als der übernatürlichen Gnadenhilfe.

 




77 Augustinus, Enarr. in ps. 143.



78 Röm 1,24.26.



79 Jak 4,6.



80 Vgl. Röm 7; 8.






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