Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Pius XI
Casti connubii

IntraText CT - Text

  • III. Die Heilmittel gegen die Ehezerrüttung
    • 3. Gehorsam gegenüber den kirchlichen Weisungen
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden

3. Gehorsam gegenüber den kirchlichen Weisungen

 

Die Angleichung der Ehe und Ehemoral an das göttliche Gesetz, ohne die die Erneuerung der Ehe erfolglos wäre, setzt sodann voraus, daß Gottes Gesetze von allen leicht, mit voller Sicherheit und ohne Beimischung von Irrtum erkann werden. Nun weiß aber ein jeder, wie vielen Täuschungen das Tor geöffnet und wie viel Irrtum der Wahrheit beigemischt würde, wenn man ein Problem dem bloßen Licht der Vernunft oder der privaten Auslegung der Offenbarung überlassen würde. Wenn das schon von vielen anderen Wahrheiten der sittlichen Ordnung gilt, so gilt es erst recht in Sachen der Ehe, wo die sinnliche Leidenschaft den schwachen Menschen so leicht überfallen, täuschen und verführen kann. Dies um so mehr, als die Beobachtung des göttlichen Gebotes von den Gatten zuweilen schwere und langandauernde Opfer verlangt, Opfer, gegen die der schwache Mensch, wie die Erfahrung lehrt, ebenso viele Entschuldigungen vorbringt, um sich von der Beobachtung des Gottesgebotes zu entbinden.

Damit also nicht irgendeine selbstgemachte oder verdrehte Idee vom göttlichen Gesetz, sondern echte und korrekte Erkenntnis den menschlichen Geist erleuchte und die sittliche Entscheidung führe, muß zu der Hingabe an Gott und zu dem aufrichtigen Verlangen, ihm zu dienen, der kindliche und demütige Gehorsam gegen die Kirche hinzutreten. Denn die Kirche wurde von Christus dem Herrn zur Lehrerin der Wahrheit bestellt, auch zur Leitung und Führung im sittlichen Leben, wenngleich hier vieles dem Menschenverstand an sich nicht unzugänglich ist. Denn gleichwie Gott bezüglich der natürlichen religiösen und sittlichen Wahrheiten dem Lichte der Vernunft die Offenbarung beigegeben hat, damit, was recht und wahr ist, „auch im gegenwärtigen Zustand des Menschengeschlechts von allen leicht, mit voller Sicherheit und ohne Beimischung von Irrtum erkannt werden kann“81so hat er zum selben Zwecke die Kirche zur Hüterin und Lehrerin aller religiösen und sittlichen Wahrheiten bestimmt. Der Kirche sollen daher die Gläubigen gehorchen und ihr Denken und Sinnen unterordnen, um ihren Geist vor Irrtum und ihr sittliches Leben vor Verderbnis zu bewahren. Und damit sie sich dieser ihnen von Gott in seiner Freigebigkeit geschenkten Hilfe nicht berauben, müssen sie nicht nur den feierlichen Entscheidungen der Kirche, sondern entsprechend auch den übrigen Satzungen und Bestimmungen, durch die gewisse Ansichten als gefährlich oder verkehrt verboten und verurteilt werden, Gehorsam leisten.82

Daher sollen sich die Christgläubigen auch in den heutigen Ehefragen vor Überspannung der Unabhängigkeit des eigenen Urteils und vor der falsch verstandenen menschlichen Freiheit, der sogenanntenAutonomie“, hüten. Denn es paßt ganz und gar nicht zu einem wahren Christen, seinem eigenen Urteil so stolz zu vertrauen, daß er nur dem, was er selbst durch Einsicht in die inneren Gründe erkannt hat, seine Zustimmung gibt, die Kirche aber, die von Gott zur Unterweisung und Leitung aller Völker gesandt wurde, als rückständig und weltfremd ansieht oder auch nur dem zustimmt und sich unterordnet, was sie durch die genannten feierlichen Entscheidungen befiehlt, gerade als ob ihre anderen Entscheidungen zunächst einmal als falsch angenommen werden könnten oder als ob sie nicht hinreichende Gewähr für ihre Wahrheit und Sittengemäßheit böten. Es ist dagegen allen wahren Jüngern Christi, ob gebildeten oder ungebildeten, eigen, in allen Belangen des Glaubens und der Sitte sich von der heiligen Kirche Gottes leiten und führen zu lassen durch ihren obersten Hirten, den Römischen Papst, der seinerseits von Jesus Christus Unserem Herrn geleitet wird.

Auf das Gesetz und die Gedanken Gottes muß also alles zurückstreben, wenn eine allumfassende und dauerhafte Erneuerung der Ehe zustande kommen soll. Daher ist es von hoher Bedeutung, daß die Gläubigen über die Ehe genau unterrichtet werden: durch das geschriebene und gesprochene Wort, nicht nur einmal und nur oberflächlich, sondern oft und gründlich, mit klaren und überzeugenden Gedanken, so daß die Wahrheit den Verstand gefangen nimmt und bis in das innerste Herz hineindringt. Die Gläubigen sollen viel darüber nachdenken, wieviel Weisheit, Heiligkeit und Güte Gott dem Menschengeschlecht gezeigt hat, indem er die Ehe einsetzte und sie mit heiligen Gesetzen umhegte, noch viel mehr aber dadurch, daß er sie zu der hohen Würde eines Sakramentes erhob. Dadurch ist den christlichen Eheleuten eine reichlich fließende Gnadenquelle eröffnet, damit sie den hohen Zwecken der Ehe in Reinheit und Treue dienen können zum Wohl und Heil ihrer selbst, ihrer Kinder, ihres Volkes und der ganzen Menschheit.

 




81 Vat. Sess. III, c. 2.



82 Vgl. Vat. Sess. III, c. 4; CIC c. 1324.






zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by Èulogos SpA - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License