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6. Vorbereitung auf die Ehe
Der Erfolg von allem, Ehrwürdige Brüder, hängt zu
einem guten Teil von der richtigen entfernten und näheren Vorbereitung auf die
Ehe ab. Denn das läßt sich nicht leugnen: das Fundament einer glücklichen und
die Ruinen einer unglücklichen werden in den Seelen der Knaben und Mädchen
bereits in den Jahren der Kindheit und Jugend grundgelegt. Ist doch zu
fürchten, daß die, die vor der Ehe in allem sich selbst und ihren Eigennutz
suchten, die allen ihren Begierden nachgaben, in der Ehe so sein werden, wie
sie vor der Ehe waren, und daß sie nun ernten müssen, was sie gesät
haben:89in ihrer Familie Freudlosigkeit, Mißmut, gegenseitige Verachtung, Streit,
Eifersucht, Widerwillen gegen das Zusammenleben, und, was das Entscheidende
ist, sie werden sich selbst mit ihren unbeherrschten Leidenschaften vorfinden.
Nur nach gründlicher Vorbereitung sollen die
Brautleute also in die Ehe treten, damit sie wirklich fähig sind, entsprechend
ihrem Stand sich gegenseitig in den Wechselfällen des Lebens Stütze zu sein und
sich gegenseitig zu helfen in der Sorge für ihr ewiges Heil und in der
Gestaltung des inneren Menschen zur Vollreife Christi.90Diese ernste Vorbereitung wird es ihnen auch ermöglichen, ihren Kindern Eltern
zu sein nach dem Herzen Gottes: ein Vater, der wirklich Vater, und eine Mutter,
die eine wahre Mutter ist; durch deren Treue und Liebe und nimmermüde Sorge das
Elternhaus (auch wenn inmitten dieses Tränentals die materiellen Güter mangeln)
den Kindern zu einem Paradies wird, ein letztes Stück jenes Paradieses, in das
Gott die ersten Menschen gesetzt hatte. Dann wird es auch geschehen, daß sie
ihre Kinder zu vollkommenen Menschen und Christen heranbilden, ihnen das echte
katholische Empfinden übermitteln und dazu hochsinnige Liebe zum Vaterland
einpflanzen, wie Pietät und Dankbarkeit des Herzens es verlangen.
Mögen darum alle, die sich mit dem Gedanken tragen,
später einmal zu heiraten, sowie jene, die für die Erziehung der Jugend zu
sorgen haben, jetzt schon das Gute grundlegen und dem Bösen vorbeugen. Sie
sollen sich ins Gedächtnis zurückrufen, was Wir in Unserem Rundschreiben über
die christliche Erziehung der Jugend mahnend ausgesprochen haben: „Von der
zartesten Kindheit an sind daher die ungeordneten Neigungen zu verbessern, die
guten zu fördern und zu ordnen. Vor allem muß der Verstand erleuchtet und der
Wille gefestigt werden mit den übernatürlichen Wahrheiten und den
Gnadenmitteln, ohne die es unmöglich ist, die verkehrten Triebe zu beherrschen
oder das Erziehungsideal der Kirche vollkommen zu verwirklichen, die Christus
mit seiner göttlichen Lehre und seinen Sakramenten ausgestattet hat, damit sie
die erfolgreiche Lehrerin aller Menschen sei.“91 Zu der näheren Vorbereitung auf eine gute Ehe gehört
sodann die Sorgfalt in der Wahl des Gatten; denn von ihr hängt es zum guten
Teil ab, ob die künftige Ehe glücklich sein wird oder nicht, und zwar deshalb,
weil der eine Gatte dem andern eine starke Hilfe, aber auch eine schwere Gefahr
und ein Hindernis für die christliche Lebensführung in der Ehe sein kann.
Wollen darum die Brautleute nicht ihr ganzes Leben unter den Folgen einer unüberlegten
Wahl leiden, so mögen sie zuerst reiflich überlegen, bevor sie sich für
jemanden entscheiden, mit dem sie nachher auf Lebenszeit zusammen sein müssen.
Bei dieser Überlegung mögen sie vor allem auf Gott schauen und der wahren
Religion Jesu Christi Rechnung tragen, sodann an sich selbst denken, an ihren
Ehegatten, an die zukünftige Nachkommenschaft, sowie an die bürgerliche und
menschliche Gesellschaft, deren Quelle die Ehe ist. Inbrünstig sollen sie zu
Gott um Hilfe beten, daß sie ihre Wahl nach christlicher Klugheit treffen und
sich nicht von dem blinden Drängen der Leidenschaft leiten lassen. Ihre Wahl
soll auch nicht ausschließlich von der Sucht nach materiellem Gewinn oder
anderen weniger edlen Beweggründen bestimmt werden, sondern von wahrer, echter
Liebe und aufrichtiger Zuneigung zum künftigen Gatten. Sie mögen jene Ziele und
Zwecke in der Ehe suchen, um derentwillen sie von Gott eingesetzt worden ist.
Sie sollen es endlich nicht unterlassen, bei der Wahl des Lebensgefährten den
Rat der Eltern einzuholen; sie sollen diesen Rat nicht gering anschlagen, um
durch der Eltern reifes Urteil und Lebenserfahrung vor verhängnisvollem
Fehlgriff bewahrt zu bleiben und sich beim Eintritt in die Ehe den Gottessegen
des vierten Gebots zu sichern: „Ehre Vater und Mutter,“ – was das erste Gebot
mit einer Verheißung ist – „damit es dir wohl ergehe und du lange lebest auf
Erden.“92
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