|
Unter den
Freveltaten aber und Verbrechen und so vielen anderen Unbilden sind auch noch
die Sünden der in der Heiligung Fortschreitenden, die von gerecht Urteilenden
nach dem Maße der erreichten Vollkommenheit getadelt und nach der Hoffnung auf
gute Frucht wie die lufgrüneride Saat gelobt werden. Auch sieht gar manches
einer Sünde und einem Verbrechen ähnlich und ist es doch gar nicht, weil es
weder dich, den Herrn unsern Gott, verletzt noch die menschliche Gesellschaft.
So wird z. B. etwas zu Nutz und Frommen des Lebens in günstiger Zeit erworben,
und ist es ungewiß, ob es nicht mir aus Habsucht geschieht, oder es wird
manches von der dazu verordneten Macht in der Absicht, Besserung zu bewirken,
bestraft, und ist unsicher, ob es nicht nur aus Schadenfreude geschah. Vieles,
was die Menschen verworfen, ist doch nach deinem Zeugnisse gebilligt; über
vieles aber dagegen, was die Menschen lobenswert finden, hast du dein
Verdammungsurteil ausgesprochen. Denn oft ist das Äußere einer Tat ganz anders
als Sinn und Absicht des Handelnden und die den Menschen in ihrer
Eigentümlichkeit verborgenen Zeitumstände. Wenn du ,iber irgend etwas völlig
Ungewohntes oder Unerwartetes gebietest, auch wenn du es einstmals verboten
hättest, so müßte doch jedenfalls dein .Befehl befolgt werden, selbst wenn du
die Ursache deines Gebotes zur Zeit noch verborgen hieltest und es gegen
gesellschaftlichen Brauch der Menschen wäre, wenn jene menschliche Gesellschaft
gerecht ist, welche dir dient Glücklich sind die, welche wissen, was du ihnen
befahlst, denn alles, was deine Diener tun, geschieht entweder zum Heile der Gegenwart
oder auf die Zukunft hin.
|