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Daher ließ ich nicht ab, jene
Betrüger, die man Astrologen nennt, zu befragen, gleich als ob sie keine Opfer
gebracht hätten und an keinen Geist Gebete richteten, daß er ihnen seine Kraft
aus der Höhe sende, Dinge, welche die wahre christliche Frömmigkeit ihrem Wesen
nach streng verwirft. Gut ist es, dir, o Herr, zu bekennen und zu sagen: Herr,
sei mir gnädig, heile meine Seele, denn ich habe an dir gesündigt; nicht aber
deine Nachsicht zu sündiger Schrankenlosigkeit zu mißbrauchen, sondern
eingedenk zu sein deines göttlichen Wortes: Siehe zu, du bist gesund geworden,
sündige hinfort nicht, daß dir nicht Ärgeres widerfahre. Dieses unser Heil, das
uns gesunden macht, unterfangen jene sich zu vernichten, wenn sie sprechen: Vom
Himmel herab ist dir, o Herz, unvermeidliche Ursache zum Sündigen gekommen,
oder: Mars und Saturn haben es getan. Als wenn der Mensch, dieses Gewächs aus
Fleisch, Blut und stolzer Verwesung, ohne Schuld wäre, der Schöpfer und Lenker
des Himmels und der Gestirne aber zu beschuldigen sei. Und wer ist es, wenn
nicht unser Gott, unsere Wonne, die Quelle der Gerechtigkeit, der du einem
jeglichen vergiltst nach seinen Werken und ein zerstoßenes und demütiges Herz
nicht verachtest.
Zu jener Zeit lebte ein
scharfsinniger, in der Heilkunde wohlerfahrener und berühmter Mann, der in
Vertretung des Konsuls den Siegeskranz der Beredsamkeit meinem siechen Haupte
aufsetzte, freilich nicht, als sei er der Arzt. Denn du allein bist der Arzt
jener Krankheit, der du den Stolzen widerstehest und gibst Gnade den Demütigen.
Warst du mir aber nicht auch nahe in jenem Greise, oder ließest du ab, meiner
Seele beizustehen? Denn da ich ihm vertrauter wurde und an seinen Lippen hing -
denn seine Rede war einfach, ohne jedweden Schmuck, zog aber gewaltig an durch
den geistvollen, belebenden Inhalt -, da erkannte er aus meinem Gespräch, daß
ich mich auf das Studium der Bücher über Sterndeuterei gelegt habe, und mit
väterlichem Wohlwollen ermahnte er mich, sie wegzuwerfen und Zeit und Mühe, die
nützlicheren Dingen gebührten, nicht auf solche Nichtigkeiten zu wenden. Dabei
erwähnte er, daß auch er sie in seiner Jugend erlernt habe in der Absicht, sie
zu seinem Gewerbe zu machen und dadurch seinen Lebensunterhalt zu verdienen,
und da er Hippokrates verstanden habe, so hätte er wohl am Ende auch jene
Schriften verstehen können; doch habe er sie nur darum aufgegeben und sich dem
Studium der Heilkunde zugewandt, weil er sie in ihrer ganzen trügerischen
Nichtigkeit erkannt und als ehrlicher Mann es verschmäht habe, sich durch
Täuschung seiner Mitmenschen sein Brot zu erwerben. "Du aber", so
fuhr er fort, "hältst dich an die Redekunst, um dir deinen Unterhalt zu
verschaffen; diese Betrügereien aber treibst du nur aus Liebhaberei und nicht
aus Sorge um das tägliche Brot. Um so mehr mußt du mir aber Glauben schenken,
mir, der ich sie gründlich zu erlernen bemüht war, weil ich allein durch sie
mein Leben zu fristen beabsichtigte." Als ich ihn nun fragte, woher es
denn käme, daß so viele Prophezeiungen doch in Erfüllung gingen, da antwortete
er mir, daß es die Macht des Zufalls sei, der durch die ganze Welt hin
verbreitet sei. Wenn jemand sich Rat holt bei einem Dichter, der etwas ganz
anderes, dem Gegenstand der Anfrage ganz und gar nicht Entsprechendes besingt
und bezweckt und sich dann oft ein zu der Angelegenheit wunderbar stimmender
Vers darböte, so sei es nicht zu verwundern, wenn aus der menschlichen Seele
durch eine höhere Anregung, so daß sie selbst nicht wisse, was in ihr geschehe,
nicht durch Kunst, sondern durch Zufall etwas ausgesprochen würde, was mit der
Lage und dem Tun des Fragenden übereinstimmt. Dies ließest du nur von ihm oder
durch ihn mir zukommen. Und was ich selbst später durch eigene Forschung
kennenlernen sollte, dafür bahntest du in meinem Geiste den Weg zur Entwicklung
an. Doch damals vermochte weder er noch mein teurer Freund Nebridius, ein
braver und kluger Jüngling, der sich über jene ganze Deuterei lustig machte,
mich dazu zu bewegen, daß ich davon Abstand genommen hätte. genossen bei mir
ein allzu großes Ansehen; auch gesuchten sicheren Beweis noch nicht gefunden,
woher Gewißheit erhellte, daß das von dem Befragten Gesagte durch Zufall oder
durch das Geschick eingetroffen sei, nicht aber durch die Kunst derer, die in
den Gestirnen forschten.
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