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Reden will ich vor dem Angesichte
meines Gottes von jener Zeit, da ich neunundzwanzig Jahre alt war. Da kam nach
Karthago ein Bischof der Manichäer, Faustinus mit Namen, eine gewaltige
Schlinge des Satans; viele fingen sich darin, durch die Lobsprüche seiner süßen
Rede betört, und obgleich ich dieselbe lobte, so unterschied ich sie doch von
der Wahrheit der Dinge selbst, die ich zu lernen eifrig begehrte, und deshalb
achtete ich nicht auf das Gefäß der Rede, sondern auf den Inhalt dessen, was
mir als wissenschaftliche Nahrung jener gerühmte Faustus darbot. Denn ihm ging
der Ruf voraus, daß er ein in ehrlicher Wissenschaft vielerfahrener Mann sei
und in den freien Künsten außerordentlich unterrichtet. Und da ich ziemlich
viel mich mit Philosophie beschäftigt und mein Gedächtnis einiges davon
behalten hatte, so verglich ich manches mit den Ammenmärchen und Hirngespinsten
der Manichäer, und mir erschienen jene Aussprüche der Wahrheit viel näher zu
kommen, die soviel haben mögen einsehen, daß sie konnten die Welt ermessen,
obgleich sie den Herrn derselben nicht gefunden haben. Denn du, Herr, bist groß
und siehest auch das Niedrige und kennst den Stolzen von ferne, und du bist
nahe bei denen, die gebrochenen Herzens sind. Du läßt dich nicht von den
Stolzen finden, wenn sie auch in ihrem Fürwitz die Steine und den Sand zählen
und den Sternenhimmel messen und nach den Bahnen der Gestirne spüren.
Denn mit ihrem Verstande und dem
Geist, den du ihnen gegeben, erforschen sie vieles und sie fanden vieles; viele
Jahre zuvor wissen sie die Mond- und Sonnenfinsternisse zu verkünden, an
welchem Tage und zu welcher Stunde sie stattfinden, welchen Umfang sie haben
werden; ihre Berechnung täuscht sie nicht, und wie sie vorher verkündeten, so
geschah es; auf Grund ihrer Forschungen stellen sie darin feste Regeln auf, die
man noch heute anwendet, und aus ihnen erkundet man, in weichem Jahre, Monate,
Tage, zu welcher Stunde und um wieviel sich Mond oder Sonne verfinstern werde,
und es geschieht nach ihrem Wort. Und die Menschen wundern sich darüber und die
Unkundigen entsetzen sich, die Kundigen aber frohlocken und brüsten sich, und
in ruchlosem Stolze entfernen sie sich und entziehen sich deinem Lichte, sehen
lange vorher der Sonne Verfinsterung, aber die ihrige sehen sie nicht. Denn sie
fragen nicht mit frommen Sinne, woher sie ihren Geist haben, durch den sie dies
erforschet. Und wenn sie endlich erforschen, daß du sie geschaffen, so geben
sie sich nicht dir zu eigen, auf daß du erhältst, was du geschaffen, und wie
sie selbst sich machen zu ihren Götzen, so sterben sie dir ab und trotzen dir
mit Hochfahren wie die Vögel unter dem Himmel und mit ihrem Fürwitz wie die
Fische im Meere, mit dem sie auf den verborgensten Pfaden des Meeres
umherschweifen, und mit ihren Lüsten wie die Tiere des Feldes, damit du Gott,
ein fressend Feuer, ihrer Toten Sorgen verzehrst und sie wiedergeboren werden
lässest zur Unsterblichkeit.
Aber sie kennen nicht den
Heilsweg, dein Wort, durch das du schufst, was sie zählen, und sie, welche
zählen, und den Verstand, womit sie zählen, aber deiner Weisheit ist keine
Zahl. Er selbst aber, der Eingeborene, ist uns gemacht zur Weisheit, zur
Gerechtigkeit und Heiligung, er ward unter uns gezählt und gab dem Kaiser, was
des Kaisers ist. Den Weg lernen sie nicht kennen, auf welchem sie von ihrer
selbstgewählten Höhe hinabsteigen zu ihm und durch ihn hinaufsteigen zu ihm.
Den Weg lernen sie nicht kennen und halten sich für leuchtend und erhaben wie
die Sterne, und siehe, sie stürzten zur Erde und ihr unverständiges Herz ist
verfinstert. Vieles Wahre wissen sie von der Schöpfung zu sagen; aber die
Wahrheit der Schöpfung, ihren Ursprung suchen sie nicht mit frommem Herzen, und
deshalb finden sie ihn auch nicht, oder wenn sie ihn finden und Gott erkennen,
so preisen sie ihn nicht als Gott und danken sie ihm nicht, sondern sie sind in
ihrem Dichten eitel geworden und hielten sich für weise und legen sich zu, was
dein ist. Deshalb suchen sie auch in ihrer verkehrten Blindheit dir
zuzuschreiben, was das ihre ist, häufen Lügen auf dich, der du die Wahrheit
bist, und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein
Bild gleich dem vergänglichen Menschen und den Vögeln und den vierfüßigen und
kriechenden Tieren und verwandeln deine Wahrheit in Lügen und haben geehrt und
gedient deinem Geschöpfe mehr denn dem Schöpfer.
Vieles aber, was sie vorhersagten
von der Schöpfung, behielt ich, und die wissenschaftliche Begründung ihrer
Aussagen leuchtete mir ein durch Berechnung und Ordnung in der Zeit und durch
die sichtbaren Zeugnisse der Gestirne, und ich verglich es mit den Aussprüchen
des Manichäers, welcher gerade darüber viel wahnwitziges Zeug zusammenschrieb;
doch entbehrte er so jeglicher wissenschaftlicher Begründung in bezug auf
Sonnenwende, Sonnen- und Mondfinsternisse, wie denn in diesen Schriften auch
nichts von Weltweisheit stand. Hier mußte ich blindlings glauben, meine
Kenntnisse, die auf Berechnungen und Augenschein fußten, halfen mir nichts,
denn alles verhielt sich da ganz anders.
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