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So hast du mich denn von jener
Krankheit hergestellt und hast gesund gemacht den Sohn deiner Magd, damals fürs
erste leiblich, damit er am Leben bliebe und du ihm ein besseres und sichereres
Heil verliehest. Auch in Rom knüpfte ich Verbindung an mit jenen betrogenen und
betrügenden Heiligen, nicht nur mit den sogenannten "Zuhörern", zu
denen auch der gehörte, in dessen Hause ich krank lag und gesundete, sondern
auch mit denen, die man die "Auserwählten" nennt. Denn mir schien es
noch, als ob wir es nicht wären, die da sündigten, sondern in uns sündige eine
andere Natur; und es erfreute meinen Stolz, schuldlos zu sein und, wenn ich
irgend etwas Böses getan hatte, mich nicht zur Tat bekennen zu müssen, damit du
meine Seele heilest, denn sie hat an dir gesündigt; sondern ich pflegte sie zu
entschuldigen und etwas anderes anzuklagen, was mit mir war, ohne daß ich es
war. Aber mein Ich war das Ganze, meine Gottlosigkeit hatte mich aber feindlich
entzweit. Und eben darin beruhte meine Sünde, die um so unheilbarer war, je
weniger ich mich für den Sünder hielt, und es war eine fluchwürdige
Ungerechtigkeit, daß ich lieber wollte, daß du, allmächtiger Gott, in mir zu
meinem Verderben überwunden würdest, als daß ich von dir zu meinem Heile
überwunden würde, Denn noch hattest du meinem Mund keine Wache gesetzt und eine
Türe der Schweigsamkeit meinen Lippen, daß mein Herz nicht abwäge und boshafte
Worte vorbrächte, um die Entschuldigungen bei Verständigungen zu entschuldigen
mit Menschen, die gottlos handeln; deshalb war ich noch mit ihren Auserwählten
vereint.
Schon aber verzweifelte ich,
durch jene falsche Lehre Nutzen zu erlangen, und selbst das, womit ich
beschlossen hatte, zufrieden zu sein, wenn sich nichts Besseres fände, hatte
alle Anziehungskraft für mich verloren. Auch hatte ich schon den Gedanken
gehabt, daß jene Welt weiser, die sogenannten Akademiker immer noch klüger
gewesen seien als die übrigen, weil sie lehrten, man müsse an allem zweifeln,
und sich dafür entschieden hatten, daß der Mensch die Wahrheit zu erkennen
überhaupt nicht imstande sei. Denn das schien mir klar ihre Meinung gewesen zu
sein nach der allgemeinen Ansicht, denn noch erkannte ich nicht ihre
Intentionen. Ohne Hehl suchte ich meinen Gastfreund von zu großem Vertrauen
abzubringen, das er, wie ich bemerkte, zu den Fabeln hatte, von denen die
Schriften der Manichäer strotzen. Indessen blieb ich mit ihnen noch in
freundschaftlicherem Verkehr als mit denen, die nicht jener Sekte angehörten.
Doch auch sie verteidigte ich nicht mehr mit demselben Feuer; der
freundschaftliche Verkehr mit ihnen, von denen Rom ziemlich viel birgt, machte
mich lässiger, etwas anderes zu suchen, zumal da ich an deiner Kirche
verzweifelte, o Herr des Himmels und der Erden, du Schöpfer des sichtbaren und
unsichtbaren Alls, Wahrheit finden zu können, von der mich jene abgewendet
hatten. Für häßlich hielt ich den Glauben, du habest die Gestalt des
menschlichen Fleisches und werdest begrenzt von den körperlichen Umrissen unserer
Glieder. Aber weil ich, wenn ich über meinen Gott denken wollte, nichts zu
denken wußte als körperliche Massen, so war dies die größte und fast einzige
Ursache unvermeidlichen Irrtums.
Deshalb glaubte ich auch, es gäbe
auch eine ähnliche Substanz des Bösen, die eine häßliche und ungestalte Masse
habe, entweder eine plumpe, welche sie Erde nennen, oder eine dünne, feine, wie
der Luftkörper ist, und von welcher sie sich einbildeten, daß er als böser
Geist durch die Erde krieche. Und weil meine Frömmigkeit, so gering sie auch
war, mich zu glauben zwang, der gute Gott habe keine böse Natur geschaffen, so
bestimmte ich zwei sich feindliche Massen, beide unendlich, aber die böse im
engem Sinne, die gute im weitern. Aus dieser verderblichen Grundlage ergaben sich
die übrigen Gottlosigkeiten. Denn da mein Geist sich in den Glauben der Kirche
zurückzuversetzen versuchte, fühlte ich mich abgestoßen, weil der kirchliche
Glaube nicht so beschaffen war, wie ich meinte. Es erschien mir frömmer, wenn
ich dich, mein Gott, dessen Erbarmen gegen mich ich bekenne, mir überall
unendlich dächte, obgleich ich mich gezwungen sah, auf der einen Seite, wo sich
dir die Masse des Bösen entgegensetzt, dich mir begrenzt vorzustellen, als wenn
ich glaubte, du seiest auf allen Seiten, nach Art der menschlichen Gestalt,
begrenzt. Besser schien es mir, zu glauben, du habest nicht das Böse
erschaffen, das mir in meiner Unwissenheit nicht bloß eine Substanz, sondern
auch körperlich zu sein schien, da ich mir den Geist nur als einen feinen Körper
denken konnte, der sich durch den Raum ausgieße, als zu glauben, die Natur des
Bösen wäre durch dich so gestaltet worden, wie ich sie mir vorstellte. Selbst
von unserm Erlöser, deinem Eingebornen, glaubte ich, daß er aus dein Stoff
deiner lichthellsten Masse zu unserm Heile herausgestaltet worden, so daß ich
von ihm nichts glaubte, als was ich mir nach meiner eitlen Ansicht vorstellen
konnte. Ich meinte, eine solche Lichtnatur könne nicht von Maria geboren sein,
ohne mit dem Fleischlichen vermischt und dadurch befleckt zu werden. Diese
Vermischung aber wäre ohne Befleckung nicht möglich, weil ich alles Fleisch für
böse hielt. Ich fürchtete mich also davor, an einen im Fleisch Gebornen zu
glauben, um nicht an einen im Fleisch Befleckten glauben zu müssen Hier werden
mich deines Geistes Kinder milde belächeln in feindlicher Weise, wenn sie lese
meine Bekenntnisse lesen, aber so war ich.
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