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Du meine Hoffnung von Jugend auf,
wohin watest du mir und wohin hattest du dich zurückgezogene Hattest du mich
denn nicht geschaffen und mich unterschieden von den Tieren des Feldes und den
Vögeln des Himmels? Du hattest mich weiser gemacht, aber ich wanderte in Finsternis
und auf schlüpfrigem Pfade, ich suchte dich außer mir und fand nicht den Gott
meines Herzens, ich versank in der Tiefe des Meeres und zweifelte und
verzweifelte, die Wahrheit zu finden. Schon war meine Mutter, eine Heldin im
Glauben, zu mir gekommen, über Land und Meer mir folgend, in allen Gefahren
furchtlos im Vertrauen auf dich. Denn auch in den Fährlichkeiten der See
tröstete sie der Schiffer, von welchem sonst die Neulinge in Seereisen in ihrer
Angst pflegen getröstet zu werden, und verhieß ihnen glückliche Ankunft, die du
ihr in meinem Gesichte verheißen. Sie fand mich in tiefer Bedrängnis und
schwerer Verzweiflung, daß ich die Wahrheit nicht erlangen konnte. Als ich ihr
gesagt, daß ich zwar kein Manichäer mehr sei, doch auch kein rechtgläubiger Christ,
da frohlockte sie nicht, als ob sie etwas Unerwartetes vernommen hätte. Aber
Frieden gewann sie und Beruhigung durch diese Veränderung in meinem Elend, in
welchem sie mich wie einen von dir zu erweckenden Toten beweint hatte und mich
hinausgetragen hatte auf der Bahre ihrer Gedanken, daß du sprechest zu der
Witwe Sohne: Jüngling, ich sage dir, stehe auf, und daß er wieder lebendig
würde und zu reden anfinge Lind du ihn seiner Mutter wiedergäbest. Von keiner
ungestümen Freude ward dir Herz also erschüttert, als sie hörte, daß von so
vielem, um das sie tagtäglich zu dir seufzte, wenigstens so viel geschehen sei,
daß ich die Wahrheit zwar noch nicht gewonnen, jedoch der Falschheit entronnen
sei. Weil sie aber des festen Glaubens lebte, daß du auch das noch Erübrigende
geben würdest, der du ihr das Ganze verheißen, antwortete sie mir mit Sanftmut
und vertrauendem Herzen, sie glaube in Christo, ehe sie aus diesem Leben
scheide, mich noch als rechtgläubigen Christen zu sehen. So sprach sie zu mir;
dich aber, du Quell der Erbarmung, ging sie fort und fort an mit Bitten und
Tränen, auf daß du beschleunigen mögest das Werk deiner Hilfe und erleuchten
meine Finsternis.
nis. Um so eifriger ging sie zur
Kirche und hing an des Ambrosius Munde wie am Quell des Wassers, das in das
ewige Leben quillt. Sie liebte jenen Mann wie einen Engel Gottes, weil sie
wußte, daß durch ihn jenes innere Schwanken herbeigeführt sei, aus welchem sie
den Übergang von Krankheit zur Genesung bei herzutretender dringlicherer
Gefahr, wie bei jenem Zustande, den die Ärzte Krisis nennen, erwartete.
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