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Als sie, wie es in Afrika üblich
war, zu den Begräbniskapellen der Heiligen Brot und Wein brachte und vom
Türhüter abgewiesen wurde, so fügte sie sich, sobald sie erfuhr, daß der
Bischof solches verboten hätte, mit solch demütig frommem Gehorsam, daß ich
selbst mich verwunderte, wie leicht sie eher eine Anklägerin ihrer Gewohnheit
als eine Richterin jenes Verbots ward; denn nicht Trunkliebe beherrschte ihren
Geist und die Liebe zum Weine reizte sie nicht zum Haß gegen die Wahrheit wie
so viele Männer und Frauen, welche zu der Predigt, die sie zur Nüchternheit
ermahnt und zu dem gewässerten Tranke mit Ekel kommen. Wenn meine Mutter dagegen
einen Korb mit den Weihegaben zum Vorkosten und zum Verteilen herbeibrachte,
dann nahm sie nie mehr als ein einziges Becherchen, für ihren nüchternen Gaumen
gemischt, den sie mit den Ihrigen als Zeichen der Gemeinschaft genoß. Und wenn
es auch viele solche Begräbniskapellen gibt, deren Heilige man auf solche Weise
ehren wollte, so trug sie doch in allen nur jenen kleinen Becher mit sich
umher, dessen Inhalt nicht nur stark gewässertes, sondern auch ganz laues
Getränk war, das sie mit den Anwesenden in ganz kleinen Teilen genoß, weil sie
Frömmigkeit, nicht Vergnügen daselbst suchte. Als sie nun erfuhr, daß dies von
dem vortrefflichen Prediger und Bischof selbst denen verboten sei, die es
nüchtern vollzögen, damit den Trunksüchtigen keine Gelegenheit zur Ausschweifung
geboten würde und weil ohnehin dies, wie die Totenopfer, dem heidnischen
Aberglauben sehr nahe käme, enthielt sie sich ihrer bereitwilligst und lernte
für den mit irdischen Früchten angefüllten Korb ein von reinen Gelübden volles
Herz dem Gedächtnis der Märtyrer darbringen, damit sie, soviel sie vermöchte,
den Armen gäbe. So ward von ihr die Gemeinschaft des Leibes Christi gefeiert,
durch dessen Leidensnachfolge die Märtyrer den Tod erduldet und die Krone
empfangen haben. Doch scheint es mir, mein Herr und mein Gott, nur dies ist vor
deinem Angesichte meines Herzens Meinung daß meine Mutter nicht so leicht von
dieser Gewohnheit abgelassen haben würde, wenn ihr ein anderer als Ambrosius es
untersagt hätte, den sie nicht wie den Ambrosius liebte, zu welchem sie um
meines Seelenheiles willen eine große Zuneigung hegte. Aber auch er liebte sie
wegen ihres gottseligen Wandels, in welchem sie in guten Werken, voll Inbrunst
des Geistes, unablässig die Kirche besuchte, so daß er, wenn er meiner ansichtig
wurde, oft in ihr Lob ausbrach und mir Glück zu einer solchen Mutter wünschte,
ohne daß er wußte, was für einen Sohn sie habe, der ich an allem zweifelte und
nimmermehr glaubte, daß ich den Weg zum Leben zu finden vermöchte.
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