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Folgende Begebenheit aber ward,
um ihn in Zukunft vor Irrtümern zu bewahren, in sein Gedächtnis eingesenkt. Als
er einst in Karthago noch als mein Zuhörer zur Mittagszeit auf dem Forum über
eine Rede, die er zu halten hatte, nachsann, wie es die Art der Studierenden
ist, da ließest du es zu, daß er von den Hütern des Forums als vermeintlicher
Dieb ergriffen wurde. Auch das hast du, o mein Gott, nur zugelassen, damit
jener später so bedeutende Mann lerne, daß beim Urteilsfällen kein Mensch so
leicht mit vermessener Leichtgläubigkeit dürfe verdammt werden. Er ging nämlich
allein mit Schreibtafel und Griffel vor dem Tribunal auf und nieder, während
ein anderer Jüngling aus der Zahl der Studierenden, der wirkliche Dieb, mit
einem Beil, das er bei sich versteckt hielt, ohne daß Alypius etwas davon
ahnte, an die Bleigitter herantrat, welche die tiefer laufende Wechslergasse
überragen, und das Blei abzuschlagen begann. Die Wechsler, die unten standen,
waren durch den Schall des Beiles aufmerksam geworden, besprachen sich heimlich
und schickten Häscher aus, die jeden festnehmen sollten, den sie oben fänden.
jener entfloh, als er das Stimmengeräusch hörte, mit Hinterlassung seines
Beiles, aus Furcht, man könnte ihn damit ertappen. Alypius, der ihn beim
Herankommen nicht bemerkt hatte, bemerkte ihn nun beim Davoneilen und sah, wie
er sich schnell davonmachte, und neugierig, die Ursache zu erfahren, betrat er
den Tatort, fand das Beil, blieb dabei stehen und betrachtete es verwundert.
Die Häscher finden ihn mit dem Beil, dessen Klang sie herbeigezogen hatte, in
der Hand; sie legen Hand an ihn und schleppen ihn fort; die Bewohner des Forums
laufen zusammen, während die Häscher sich rühmen, den Dieb auf der Tat ertappt
zu haben. So wurde er denn dem Richter zugeführt.
Hier aber sollte die Lehre, die
du ihm geben wolltest, ihr Ende erreichen; denn sogleich kamst du, o Herr, der
Unschuld, deren Zeuge du allein warst, zu Hilfe. Denn als er zur Haft oder
Strafe geführt ward, kam ihnen ein Baumeister entgegen, der die Oberaufsicht über
die öffentlichen Bauten hatte. Die Häscher freuten sich eben, ihm zu begegnen,
da er sie gerade in Verdacht hatte, als pflegten sie das vom Forum
Abhandengekommene zu entwenden, so daß er nun endlich erkennen möchte, wer der
wirkliche Täter sei. jener aber hatte den Alypius oft im Hause eines Senators
gesehen, dem er aufzuwarten pflegte, und sogleich, nachdem er ihn erkannt
hatte, entriß er ihn der Schar, erfuhr von ihm, was geschehen war, und befahl
allen, die unter heftigem Lärm und Drohungen dabeistanden, ihm zu folgen. Und
sie kamen an das Haus des Täters. Vor der Türe stand ein Knabe, der zu klein
war, als daß er aus einer Aussage Schlimmes für seinen Herrn gefürchtet hätte
und der leicht alles angeben konnte, denn er war auf dem Forum sein Begleiter
gewesen. Diesen erkannte Alypius und vertraute dem Baumeister seinen Verdacht.
jener zeigte dem Knaben das Beil und fragte ihn, ob es seinem Herrn gehörte.
Dieser antwortete sogleich: "Ja, es ist das unsrige", und weiter
ausgefragt, erzählte er auch das übrige. So fiel die Tat auf dieses Haus, und
die Menge, die bereits über ihn triumphierte, wurde beschämt. Er aber, der
kräftige Verwalter deines Wortes und der Schiedsrichter so vieler kirchlicher
Angelegenheiten, ging erfahrener und belehrter von dannen.
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