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Ihn also traf ich in Rom, und
Bande inniger Freundschaft verknüpften uns; er reiste mit mir nach Mailand,
damit er mich nicht zu verlassen brauchte und um die Rechtswissenschaft, die er
mehr nach dem Willen seiner Eltern als nach seinem eigenen erlernt hatte,
auszuüben. Dreimal hatte er vorher schon das Amt eines Beisitzers mit der
edelsten Uneigennützigkeit bekleidet, über die sich die übrigen wunderten,
während er sich mehr über sie wunderte, die das Gold der Rechtschaffenheit
vorzogen. Dort ward auch seine Tugend nicht nur durch lockenden Gewinn, sondern
auch durch die Anfechtung der Furcht versucht. In Rom bekleidete er einst die
Stelle eines Beisitzers im Schatzmeisteramte für Italien. Damals war dort ein
sehr mächtiger Senator, dem viele durch ihnen geleistete Dienste verbunden oder
aus Furcht dienstbar waren. Der stellte einst nach der Art, wie eine Amtsgewalt
wie die seine gemißbraucht zu werden pflegt, ein gesetzwidriges Ansinnen, dem
Alypius entgegentrat, der jegliches Versprechen und jede Belohnung verachtete;
man suchte ihn durch Drohungen einzuschüchtern, er verachtete sie, so daß jeder
seinen ungewöhnlichen Mut bewunderte, der solch einen Mann weder zum Freunde
wollte noch ihn als Feind fürchtete. Der Richter selbst, dessen Rat Alypius war
und der selbst gegen das Ansinnen war, verweigerte es doch nicht offen, sondern
schob die Schuld auf Alypius, dessen Einwilligung nicht zu erhalten sei und
der, würde er, der Richter, es selbst tun, gegen ihn gestimmt haben würde. Nur
das eine hätte ihn in seinem Eifer für die Wissenschaften fast verleitet, daß
er sich nämlich aus den Gerichtssporteln Bücher zu verschaffen besorgt war;
sein Rechtssinn indes brachte ihn zu besserem Entschluß; es erschien ihm die
Billigkeit, die es verbot, nützlicher als die Gewalt, die es ihm erlaubte. Das
ist ein kleines. Aber wer im geringsten treu ist, der ist auch im großen
getreu, und kein leeres Wort sprach der Mund deiner Wahrheit: So ihr nun in dem
ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das Wahrhaftige vertrauen?
Und so ihr nun in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige,
das euer ist? Solche Gesinnungen besserten damals ihn, der mir anhing und sich
mit mir über die Wahl unserer Lebensweise beriet.
Auch Nebridius hatte seine
Heimat, nahe bei Karthago gelegen, verlassen und Karthago Selbst, wo er so oft
war, und seinen schönen väterlichen Landsitz, sein Haus und seine Mutter,
wiewohl nicht zu erwarten war, daß ihm seine Mutter folgen würde, und war
einzig und allein nach Mailand gekommen, mit mir im Feuereifer nach Wahrheit
und Weisheit zu streben; er litt gleiche Qualen, er schwankte gleicherweise wie
ich, suchte in glühender Sehnsucht ein glückliches Leben, er, der am
scharfsinnigsten die schwierigsten Fragen erforschte. Wir waren drei Hungernde,
die sich mit lechzendem Munde ihre Not klagten und auf dich harrend, daß du
ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Und bei aller Bitterkeit, die unserem
weltlichen Treiben durch deine Barmherzigkeit folgte, legte sich Finsternis
über uns, wenn wir nach dem Zweck dieser Leiden fragten; seufzend widerstrebten
wir und sprachen: Wie lange noch soll dies währen? Und oft sprachen wir also,
und doch ließen wir nicht ab von unserem Treiben, weil wir nichts Zuverlässiges
hatten, das wir zu erfassen vermocht hätten, wenn wir jenes verließen.
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