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Wie du mich aus den Banden der
Sinnenlust, die mich so fest umschlangen, und aus der Sklaverei weltlichen
Treibens rettetest, will ich erzählen und deinen Namen bekennen, o Herr, mein
Helfer und Erlöser. Ich ging meinem gewohnten Treiben nach; doch meine Angst
wuchs und täglich seufzte ich nach dir; häufig besuchte ich deine Kirche, so
oft mir die Geschäfte, unter deren Last ich Seufzte, es nur verstatteten. In
meiner Begleitung war Alypius, der, nachdem er zum dritten Male Beisitzer bei
dem Gerichte gewesen war, frei von Amtsgeschäften, eine Gelegenheit erwartete,
seinen Rechtsbeistand angedeihen zu lassen, wie ich mit der Beredsamkeit Handel
trieb, wenn sie sich überhaupt lehren läßt. Nebridius aber fehlte unserem
Freundschaftsbunde, um einem guten Freunde von uns allen, dem Verecundius,
einem Mailänder Bürger und Lehrer, helfend an die Hand zu gehen. Denn dieser
bedurfte seines Beistandes gar sehr und verlangte, auf das Recht der Freundschaft
sich stützend, aus unserem Kreise eine Hilfe, auf die er sich verlassen konnte
und der er sehr bedurfte. Nicht Gewinnsucht hatte den Nebridius dorthin
geführt; er hätte Größeres erreichen können, hätte er literarische Vorträge
halten wollen; nur das Pflichtgefühl des Wohlwollens und unser Wunsch hatten
den hingebenden und sanften Freund bestimmt, nachzugeben. Er tat aber sehr
weislich, sich zu hüten, den Großen dieser Welt bekannt zu werden und hierbei
seinen Geist von aller Unruhe frei zu halten, denn frei und unabhängig wollte
er sein und möglichst Herr seiner Zeit bleiben, die er nutzbringend im
Forschen, Lesen und Hören für die Weisheit anwendete.
Einst kam, Nebridius war, ich
weiß nicht mehr recht weshalb, gerade abwesend, zu mir und Alypius Pontitianus,
unser Landsmann aus Afrika, der ein ansehnliches Hofamt bekleidete, mit
irgendwelchem Wunsche. Wie wir so ins Gespräch vertieft dasaßen, bemerkte er
zufällig auf dem Studiertisch ein Buch; er nahm es, schlug es auf und fand
wider Erwarten die Schriften des Apostels Paulus; denn er glaubte irgendein
Buch zu finden, das zu meinem Gewerbe gehörte. Lächelnd blickte er mich an und
wünschte mir verwundert Glück, daß er gerade diese Schriften hier gefunden
habe. Denn er war ein treuer Christ, der sich vor dir, unserm Gotte, auf das
Knie warf in der Kirche unter anhaltendem und ernstem Gebete. Als ich ihm
mitteilte, daß ich der heiligen Schrift ein ernstes Studium widmete, kam er auf
den ägyptischen Mönch Antonius zu sprechen, dessen Name bei deinen Dienern in
hoher Achtung stand; uns aber war er bis zu dieser Stunde unbekannt. Als er
dies erfahren, verweilte er bei diesem Gegenstande und entrollte uns voll
Staunen über unsere Unkenntnis ein Bild von diesem großen Manne. Wir erstaunten
aber, als wir hörten, wie in einer so naheliegenden, ja man könnte sagen in
unserer Zeit in dem rechten Glauben deiner Kirche sich so unbestritten
Wunderbares ereignet habe. Wir alle waren erstaunt über solche Geschehnisse,
jener, weil es uns unbekannt war.
Seine Rede verbreitete sich nun
über die Herden der Klöster und über die gottgefälligen Sitten, über die
fruchtbaren Einöden der Wüste, von denen wir nichts wußten. Auch vor Mailands
Mauern war ein Kloster voll frommer Brüder unter des Ambrosius Pflege, und wir
wußten es nicht. Er fuhr fort und sprach weiter, wir aber schwiegen gespannt.
Er erzählte, einst sei er in Trier, während der Kaiser am Nachmittag sich im
Zirkus befand, mit drei Freunden in den an die Stadtmauer grenzenden Gärten
spazierengegangen; zufällig hätten sie sich dort in zwei Paare getrennt, einer
sei mit ihm diesseits, die andern beiden jenseits gegangen. Diese seien beim
Umherstreifen auf eine Hütte gestoßen, wo deine Knechte wohnten, die geistlich
Armen, deren das Himmelreich ist. Dort fanden sie ein Buch, welches die
Lebensbeschreibung des Antonius enthielt. Der eine begann dasselbe zu lesen; er
ward von mächtiger Bewunderung ergriffen, und beim Lesen sann er darauf, ein
solches Leben zu ergreifen, den Dienst der Welt zu verlassen und dir zu dienen.
Beide waren nämlich Provinzialbeamte. Plötzlich erfüllt voll heiliger Liebe und
voll Scham sich selbst zürnend, wandte er den Blick auf seinen Freund und sagte
zu ihm: Sage mir, ich bitte dich, wozu all unser Mühen, wohin gelangen wir
damit? Was suchen wir? Warum dienen wir? Können wir bei Hofe etwas Größeres
erhoffen, als Freunde des Kaisers zu bleiben? Und was ist hier nicht hinfällig
und gefahrdrohend? Durch wieviel Gefahren kommen wir zu immer größeren? Wann
erreichen wir das Ziel? Ein Freund Gottes kann ich, wenn ich nur will, jetzt
sofort werden. Dies sagte er, und im innern Aufruhr durch das Kreisen des neuen
Lebens warf er die Augen von neuem auf das Buch und las und ward im Innern
verwandelt, wo du es sahst; und sein Gemüt löste sich ab von der Welt. wie
sich's bald zeigte. Denn während er las und das Herz pochte, seufzte er tief
von Zeit zu Zeit und unterschied das Bessere und entschied sich dafür, und
schon dir angehörig, sagte er seinem Freunde: Ich habe mich schon losgerissen
von dem, was wir hofften, und beschlossen, Gott zu dienen, und das will ich von
dieser Stunde ab und an diesem orte angreifen. "#Willst du nicht sein mein
Nachfolger, so sei zum mindesten nicht mein Widersacher." jener aber
erwiderte, er wolle Genosse ihm bleiben solchen Lohnes und solchen Dienstes.
Und beide nun dein, erbauten sich eine Burg ihres Heils, zu deren Aufführung es
genügte, alles zu verlassen und dir zu folgen. Alsdann suchten Pontitianus und
die mit ihm in einem anderen Teile des Gartens lustwandelten sie auf, fanden
sie und forderten sie auf zurückzukehren, denn der Tag habe sich geneigt. jene
aber erzählten ihnen ihren Entschluß und die Ursache seiner Entstehung und
Befestigung und baten uns, ihnen nicht hinderlich zu sein, wenn sie sich nicht
anschließen wollten. Diese blieben, obwohl sie sich beweinten, in ihrem alten
Leben, wie er uns mitteilte, wünschten ihnen Segen und empfahlen sich ihren
Gebeten, und ihr Herz der Welt zuwendend, gingen sie zum Palast. Diese aber
blieben, das Herz zum Himmel erhoben, in ihrer Hütte. Beide hatten Bräute,
welche, als sie hörten, was geschehen war, sich nun auch dir verlobten.
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